Werkstatt

Jugendliche setzen eigene Modeideen in tragbare Kleidung um

Alex und Lisa nehmen an der Textilwerkstatt in der Melanchthonkirche teil. Bis zu den Sommerferien läuft das Projekt mit einheimischen und geflüchteten Jugendlichen.

Alex und Lisa nehmen an der Textilwerkstatt in der Melanchthonkirche teil. Bis zu den Sommerferien läuft das Projekt mit einheimischen und geflüchteten Jugendlichen.

Foto: Ingo Otto

Bochum-Wiemelhausen.  Die kreative Textilwerkstatt im Ehrenfeld bringt Einheimische und Geflüchtete zusammen. Am Ende zeigen sie ihre Modelle auf dem Laufsteg.

Kerstin Raczak (51) breitet Plastikplanen auf dem langen Tisch im Gemeindesaal der Melanchthonkirche aus. Bis zu den Sommerferien wird sie sich hier jeden Freitag mit Kindern und Jugendlichen aus der ganzen Welt treffen und zusammen mit ihnen T-Shirts, Kappen und Taschen designen. Seit drei Jahren leitet sie gemeinsam mit Banafsheh Behjou (40) unter dem Namen Mukureli verschiedene kreative Projekte für Kinder und Jugendliche.

„Mukureli, das ist eine Abkürzung für Musik, Kunst und Kultur und Religion. Alle unsere Projekte haben etwas mit einem dieser Themen zu tun und sollen Geflüchteten dabei helfen, in Deutschland anzukommen und Kontakte zu knüpfen“, erklärt Banafsheh Bejou. In den vergangenen Jahren haben die beiden Frauen mit den Kindern bereits Stühle gebaut und designt. Ein Fotoprojekt zum Thema „Vielfalt und Begegnung“ gab es auch schon. Dieses Jahr steht aber alles unter dem Motto Textildesign.

Kinder lernen andere Denkweisen kennen

15 Jugendliche aus verschiedenen Ländern sind mit dabei. Jeden Freitag wird dann von 15 bis 17 Uhr genäht, geschnitten, bemalt und bedruckt. Aber in der Textilwerkstatt geht es nicht nur um das Designen: „Die Begegnung verschiedener Kulturen ist uns hier besonders wichtig. So lernen die Kinder andere Denkweisen, Ansichten und Meinungen kennen“, erzählt Kerstin Raczak.

Deshalb sei es auch so wichtig, das Programm kostenlos anzubieten. So könnten auch Geflüchtete und Kinder aus mittellosen Familien an den Projekten teilnehmen, so Raczak. „Die Kinder müssen hier nichts selber mitbringen. Natürlich können sie das aber trotzdem, wenn sie möchten“, sagt Behjou. So hat es auch ihre Tochter Niloofar Saeedi (13) gemacht. Aus lindgrünem Stoff mit rot-orangenen Kirschen darauf schneidet sie sich die Vorlage für ein T-Shirt zurecht. „Wir haben hier auch vier Nähmaschinen, die wir benutzen können, wenn wir selber etwas nähen wollen“, erzählt sie, während sie ihren Entwurf an einer Kleiderpuppe absteckt, „Da versuche ich jetzt mal mein Glück.“

Nette Leute kennengelernt

Niloofar Saeedi war schon beim allerersten Projekt mit dabei. „Am Anfang hat meine Mutter mich nahezu gezwungen, mitzukommen, weil sie das Ganze organisiert. Aber nachdem ich ein paar Mal da war, hat es mir richtig Spaß gemacht und deshalb bin ich auch jedes Jahr dabei.“ Aber auch den anderen Jugendlichen gefällt die Textilwerkstatt. „Obwohl heute erst das zweite Treffen ist, habe ich schon viele neue Leute kennengelernt“, sagt Chano Taffo (18). Er kam vor zwei Jahren ohne seine Eltern von Gambia nach Deutschland.

Es entsteht eine Gemeinsamkeit

„Klar, man konzentriert sich erstmal auf die T-Shirts. Aber dann hat man ja auch eine Gemeinsamkeit, über die man reden kann und so kommt man ins Gespräch“, sagen auch Karla Hülser (12) und Juliane Mohrdau (13). Sie sind durch den Konfirmandenunterricht auf das Projekt gestoßen.

Nach den Sommerferien ist die Textilwerkstatt aber noch nicht ganz vorbei. „Am 13. September haben wir eine Modenschau mit allen selbst gemachten Stücken und ihren Designern geplant.“, erzählt Kerstin Raczak. Danach sollen die Designerteile auch noch in den Kirchenräumen ausgestellt werden.

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