Berufsmesse

Bochumer Schüler mit Handicap wollen „durchStARTen“

Leo (15) und Jesse (15) versuchen sich bei der Ausbildungsplatz- und Berufsinformationsmesse „durchSTARten“ im LWL-Schulzentrum in Langendreer an einer Übung für den Bereich Logistik.

Leo (15) und Jesse (15) versuchen sich bei der Ausbildungsplatz- und Berufsinformationsmesse „durchSTARten“ im LWL-Schulzentrum in Langendreer an einer Übung für den Bereich Logistik.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Bochum-Langendreer.  Bei der Berufsmesse „durchSTARTen“ lassen sich wertvolle Kontakte Knüpfen - das lassen sich die Unternehmen und Jugendlichen nicht entgehen

Neun Uhr morgens in Langendreer – ins Hauptgebäude der LWL-Föderschule am Leithenhaus strömen Schülergruppen der Hasselbrink-Schule und der Schule am Leithenhaus.

Kontakte für die berufliche Zukunft knüpfen

Eigentlich säßen die Schüler um diese Zeit im Unterricht. Doch weicht man heute vom regulären Stundenplan ab, denn die Jugendlichen der neunten und zehnten Klassen erhalten an diesem Tag die Möglichkeit, regionale Unternehmen kennenzulernen und Kontakte für ihre berufliche Zukunft zu knüpfen. Dazu ist im Hauptgebäude der LWL-Förderschule am Leithenhaus ein bunter Markt der Ausbildungsmöglichkeiten für Jugendliche mit Handicap errichtet.

Begrüßung auch in Gebärdensprache

Begrüßt werden die Anwesenden zweisprachig: verbal und in Gebärdensprache. Direkt im Anschluss an die Eröffnungsreden wuseln die Jugendlichen der Klassen neun und zehn in Richtung der Informationsstände, zunächst zögerlich und in Kleingruppen, bald zielstrebiger.

Die Ausbildungs- und Informationsmesse „durchSTARTen“ organisiert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gemeinsam mit dem Netzwerk Arbeit und Inklusion, dem Integrationsfachdienst Bochum-Herne (ifd) und der Agentur für Arbeit Bochum, um den Kontakt zwischen Jugendlichen mit Förderbedarf und regionalen Unternehmen herzustellen.

Auch Unternehmen beteiligen sich

Sowohl Beratungs- und Förderstellen als auch Unternehmen wie Poco, die Bogestra oder die GLS-Bank haben Stände im Schulfoyer aufgestellt, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Dazu gibt es Kugelschreiber, Bonbons und Bienenstich.

In der oberen Etage der Leithenhaus-Schule wird es praktisch: Im Kunstraum lassen sich 30 verschiedene Berufe mittels einer speziellen Brille erkunden, nebenan lötet eine Schülerin gemeinsam mit zwei Auszubildenden des Berufsbildungswerks Volmarstein ein leuchtendes Männchen und gegenüber „schießt“ ein Fotograf von jedem Jugendlichen professionelle Bewerbungsbilder.

Bewerbungsgespräch simulieren

Bei der „Jobpardy“ im Computerraum löst eine Jungsgruppe gemeinsam Aufgaben, die auf einer Leinwand erscheinen: „Spiel ein Bewerbungsgespräch vor, bei dem du vier Sachen falsch machst“, „Kannst du uns fünf Berufe nennen, in denen du dich später sehen kannst?“ Karim spielt auch mit und für ihn ist die Antwort auf die zweite Frage schnell klar: Einzelhandelskaufmann, Tätowierer, Lagerist, Verkäufer bei McDonalds oder Sozialarbeiter. Karim ist 17 Jahre alt, geht in die zehnte Klasse der Schule am Leithenhaus und ist glühender Dortmund-Fan. Seit einem Praktikum im Fanshop strebt er die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann an. Er meint: „Wenn Behinderte mitarbeiten, lernen andere, wie Behinderte wirklich sind“, viele Menschen hätten „schlechte Bilder“ im Kopf, wenn sie an Behinderte denken.

Vorbereiten auf die Arbeitswelt

Alle Jugendlichen auf der Messe nehmen seit ihrem drittletzten Schuljahr am Projekt „KAoA-STAR“ (Kein Abschluss ohne Anschluss – Schule trifft Arbeitswelt) teil – eine Initiative der LWL, welche den Integrationsfachdienst beauftragte Schüler intensiv und auf vielfältige Weise auf die Arbeitswelt vorzubereiten.

Inklusion auf dem Arbeitsmarkt – es gibt noch viel zu tun

Laut Kristina Steffen von der Projekt-Koordinierungsstelle habe es für das Thema Inklusion im Arbeitsmarkt in den letzten Jahren „eine weitere Öffnung in den Köpfen“ gegeben, trotzdem sei noch sehr viel zu bewegen. Ihr geht es bei der Messe nicht nur darum, Jugendliche mit Förderbedarf mit ihren Ausbildungschancen vertraut zu machen, sondern auch den Arbeitgebern zu zeigen, welches Potenzial in der Zielgruppe der Menschen mit Handicap steckt: „Es geht darum, Schwellenängste abzubauen“.

Unternehmen, die Interesse am Programm „Kein Abschluss ohne Anschluss – Schule trifft Arbeitswelt“ haben, können sich unter Tel. 0234/ 913 31 62 melden.

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