Asyl

Integriertem Flüchtling droht Abschiebung aus Deutschland

Heike Samel und Carola Frackowiak (v.l.) haben eine Petition verfasst, damit Souleymane Sidibe vorerst in Bochum bleiben kann.

Heike Samel und Carola Frackowiak (v.l.) haben eine Petition verfasst, damit Souleymane Sidibe vorerst in Bochum bleiben kann.

Foto: Klaus Pollkläsener

Bochum.   Ein Asylbewerber aus Mali soll abgeschoben werden, obwohl er einen Ausbildungsplatz hat. Letzte Hoffnung: der Petitionsausschuss des Bundestages.

Er könnte sofort anfangen: arbeiten, zur Berufsschule gehen, sein eigenes Geld verdienen. Der Ausbildungsvertrag ist ihm seit dem Frühjahr sicher. Er könnte aber auch einfach abgeschoben werden: zurück nach Italien, wo er registriert wurde. Wo er an manchen Tagen sein Essen aus dem Müll gefischt hat.

Am 17. September läuft die Duldung des 26-jährigen Souleymane Sidibe aus. Bis Ende vergangener Woche sollte er entscheiden, ob er freiwillig ausreist oder auf seine zwangsweise Abschiebung wartet. Sidibe wartet. Voller Angst, dass sie plötzlich vor seiner Tür stehen und ihn mitnehmen.

150 Seiten dicke Petition eingereicht

Heike Samel und Carola Frackowiak bangen mit ihm. Am Freitag haben die beiden Frauen eine Eilpetition an den Petitionsausschuss des Bundestages geschickt: 150 Seiten, die darlegen, warum der junge Mann aus Mali vorerst hier bleiben sollte. „Gerne würden wir Souleymane weiter an unseren Verein binden“, schreibt der Fußballverein Teutonia Ehrenfeld, in dem Sidibe bald Jugendliche trainieren soll.

„Wir freuen uns, Herrn Souleymane Sidibe als ehrenamtlichen Mitarbeiter im Falkenheim Akademiestraße zu haben“, heißt es vom Falkenheim. „Wir sind sehr dankbar, einen so begabten und motivierten Auszubildenden gefunden zu haben“, beteuert sein Chef Dieter Schröder, bei dem er bereits Qualifizierungsmaßnahmen absolviert hat.

Bamf könnte Verfahren übernehmen

Sie haben sich für ihn eingesetzt, nun heißt es Warten. Wie wird der Petitionsausschuss entscheiden? „Diese Frage ist ein Blick in die Glaskugel“, sagt Sidibes Anwalt Hans-Jürgen Müller. Denn für den jungen Mann wäre nach der „Dublin-III-Verordnung“ eigentlich Italien zuständig.

Das deutsche Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) könnte das Verfahren aber freiwillig übernehmen. Etwa weil ein Asylbewerber bereits gut integriert ist. So wie Souleymane Sidibe. Und eine Weile sah es so aus, als ob genau das geschehen würde. Doch dann entschied sich das Bamf plötzlich dagegen. Die Gründe, so Müller: unbekannt.

Bis nun der Ausschuss tätig wird, könne es dauern, „in Anbetracht der bevorstehenden Wahl“. Eine positive Entscheidung wäre zwar nicht bindend, Müller rechnet jedoch damit, dass das Bamf der Empfehlung folgen und das Asylverfahren übernehmen würde. In Italien droht Sidibe ein Leben auf der Straße, in seiner Heimat Mali hat er niemanden mehr.

Chef hofft auf Erlaubnis für Ausbildungsstart

Die Mutter: früh gestorben, der Vater: von Dschihadisten getötet, Geschwister und Stiefmutter: von Dschihadisten verschleppt, sein Zuhause: ausgebrannt und geplündert. „Ich bin geflohen, weil sie auch nach mir gesucht haben“, sagt Sidibe.

Würde das Asylverfahren eingeleitet, könnte Sidibe mit Erlaubnis des Ausländeramtes in Bochum seine Ausbildung machen. Sein Chef jedenfalls hofft noch immer darauf.

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