Kino

Innenstadtkinos rüsten auf

Patrick, Sascha und Niklas Rehs posieren im Bofimax Kino in einem neu gestalteten Kinosaal 2. Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

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Patrick, Sascha und Niklas Rehs posieren im Bofimax Kino in einem neu gestalteten Kinosaal 2. Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum.Union und Bofimax starten die digitale Offensive. Statt auf Rollen werden die Filme auf Festplatten angeliefert – für schärferes Bild und besseren Ton

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Eine Kinovorstellung ohne 35-mm-Projektor? Ohne Rattern im Hintergrund? Ohne Kratzer, Flusen und herrliche Bildaussetzer? Was für Nostalgiker eine unmögliche Vorstellung ist, das ist in den meisten modernen Lichtspielhäusern längst kein Blick in die Zukunft mehr. Nachdem das UCI im Ruhr-Park schon seit einer Weile auf dem aktuellen Stand der Technik ist, starten jetzt auch die Innenstadtkinos Union und Bofimax die digitale Offensive.

Sieben Säle digital aufgerüstet

„Ohne digital aufzurüsten würde es unser Haus in ein, zwei Jahren nicht mehr geben“, meint Helmut Schneider, seit 13 Jahren Chef des Union. „Und das liegt keineswegs an einem Besucherrückgang.“ Der Grund ist ein anderer: Die Verleihfirmen gehen immer flächendeckender dazu über, von aktuellen Filmen gar keine Rollen mehr anzufertigen. Die neuesten Blockbuster landen alle auf Festplatten, die kaum größer sind als Notizblöcke.

Seit knapp zwei Wochen hat das Union sämtliche sieben Säle digital umgerüstet. Das heißt: Alle Filme werden von der Festplatte auf einen Mega-Computer übertragen und von dort per Mausklick in die einzelnen Säle gebeamt.

700 000 Euro investiert

Das hat Vorteile für alle Seiten: Die Verleiher sparen sich die Transportkosten für die Filmrollen, die Kinos glänzen mit einem deutlich besseren Bild und Ton. „Und ich brauche die schweren Rollen nicht mehr zu schleppen“, freut sich Filmvorführerin Elvira Hölz, die jetzt mit einem Blick auf den Bildschirm sehen kann, welcher Film gerade wo läuft. Ein aufwändiges Zusammenkleben der Filmrollen ist nicht mehr nötig. Dafür hat Elvira Holz dann Zeit für andere Aufgaben etwa an der Kasse, was wiederum den Kinobetreiber freut, weil er effizienter arbeiten kann.

Über ein Jahr hat Schneider überlegt, ob er den digitalen Schritt wagen soll, denn ganz billig ist das nicht. „Etwa 700 000 Euro haben wir da reingesteckt“, sagt er. Mit etwa einem Drittel würden sich die Verleiher an den Kosten beteiligen. Dafür zeigt das Union seine Filme jetzt als einziges Kino in Bochum in gestochen scharfem „4k“-Bild.

Wieder eine Bar im Kino

Ein paar Meter weiter ist auch das Bofimax digital unterwegs. Zwei Säle sind mittlerweile aufgerüstet. Hier gibt’s zudem bequeme neue Ledersessel, und im Saal 2 ist sogar wieder eine Bar hinten drin – wie früher in den 80ern. „Die übrigen vier Säle werden wir ab September umrüsten, dann sind wir bis Ende des Jahres komplett digital umgestellt“, erzählt Patrick Rehs, der gemeinsam mit seinem Bruder Sascha vor rund zwölf Jahren die Thronfolge des legendären Bochumer Kinomoguls Hans-Georg Rehs angetreten hat.

„Wir sind nicht so megagroß wie die Multiplexe, eher familiär“, sagt Sascha Rehs. „Aber technisch waren wir immer gut aufgestellt.“ Stimmt: Das Bofimax war Vorreiter etwa bei Tonsystemen wie SDDS oder THX, die hier die Wände zum Wackeln brachten. An der neuen digitalen Welt nimmt auch das Bofimax gern teil, das gerade seiner erste große Renovierung seit 1994 erlebt. Mit frischer Farbe und viel frischem Wind.

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