Kita-Plätze fehlen

In Bochum könnten bald Kitas auf Dächern entstehen

Die Kita Wolke 10 in Nürnberg wurde vor drei Jahren auf dem Dach eines Parkhauses aus den späten 70er Jahren realisiert.

Die Kita Wolke 10 in Nürnberg wurde vor drei Jahren auf dem Dach eines Parkhauses aus den späten 70er Jahren realisiert.

Foto: Klaudia Schreiner

Bochum.   Angesichts fehlender Plätze denken Politiker in Bochum über neue Kitas auf Hausdächern nach. Beispiele aus anderen Städten machen optimistisch.

Aktuelle Zahlen der Bevölkerungsentwicklung alarmieren die Bochumer Sozialpolitiker. Die Zahl der Kinder unter drei Jahren stieg während des vergangenen Jahres um 225 an. Ebenfalls deutlich zugenommen hat die Anzahl von Kindern über drei Jahren, sie kletterte um 179 Mädchen und Jungen. Dadurch gelang es 2018 nicht mehr, allen über Dreijährigen auch tatsächlich einen Platz anzubieten. Das Jugendamt geht davon aus, dass dies auch diesem Jahr nicht gelingen wird.

Der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses Hermann Päuser (SPD) schlägt daher vor, mindestens eine Innenstadt-Kita mit vier Gruppen, also für rund 100 Kinder, zu realisieren. „Warum nicht auf dem Dach des künftigen Viktoria-Karrees, dort, wo jetzt noch die alten Gerichtsgebäude stehen, eine Kindertagesstätte bauen?“, fragt er. Gemeinsam mit den Grünen bringt er daher einen Antrag zur nächsten Sitzung des Gremiums am kommenden Mittwoch (13.) ein.

Andere Städte als Vorbild

Hermann Päuser verweist auf bereits umgesetzte ähnliche Projekte wie etwa auf dem Dach der Centrum Galerie in der Dresdener Altstadt oder eine Kita in Berlin-Spandau mit dem vielsagenden Namen „Klax Kindergarten Karlsson vom Dach“.

In Nürnberg (siehe unser Foto) wurde auf dem obersten Deck eines bestehenden Parkhauses die Kindertagesstätte „Wolke 10“ gebaut. Zum Zeitpunkt des Baus 2015 galt die Kita Wolke 10 damit als höchste über dem Straßenniveau liegende Kita in Deutschland.

„Der politische Wille fehlt“

Volker Steude von der FDP/Stadtgestalter-Fraktion ist bekanntlich ein Freund von ungewöhnlichen Ideen und findet den Vorschlag daher grundsätzlich gut. Er fürchtet aber: „Es fehlt in Bochum der politische Wille der Stadt.“ Seiner Ansicht nach müsste die Stadt in Bochum noch viel häufiger als Investor und Betreiber von Kindertagesstätten auftreten. Derzeit betreibt die Stadt lediglich 18 Kitas mit insgesamt 1294 Plätzen. Freie Träger haben hier ganz andere Kapazitäten aufgebaut (siehe Tabelle).

Um die größten Löcher zu stopfen, werden mittlerweile Kitas mit nicht mehr benötigten Containern aus Flüchtlingsunterkünften ausgebaut. Diese Notlösung, so sind sich die Politiker einig, dürfe allerdings nicht als dauerhafte Einrichtung bestehen bleiben.

Vereinfachte Verfahren denkbar

Mit Blick auf die Zahlen schlägt die Verwaltung vor, die Bedarfdeckung für ältere Kinder noch weiter auszubauen. Manfred Preuß (Grüne) schlägt für die unter Dreijährigen eine Abdeckung von 50 anstelle der bislang erreichten rund 40 Prozent vor.

Für die CDU sitzt Gabriele Meckelburg im Jugendhilfeausschuss. „Ich habe die große Sorge, dass im Kindergarten-Jahr 2019/20 viele Kinder unversorgt bleiben.“ Sie regt für die Planung von Neubauten vereinfachte Verfahren an, um schnell zu Lösungen zu kommen.

Leserkommentare (3) Kommentar schreiben