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In Bochum ist kein Platz mehr für ein Vorzeigeunternehmen

Das Wachstum treibt sie nach Dortmund: Firmengründer Klaus Meng und Geschäftsführerin Sandra Krewerth.

Das Wachstum treibt sie nach Dortmund: Firmengründer Klaus Meng und Geschäftsführerin Sandra Krewerth.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Die international erfolgreiche Softwarefirma Scisys wächst rasant. Nun eröffnet sie einen Standort in Dortmund. Denn Bochum hat keinen Platz.

Erfolgreiche Unternehmen sind eine Zierde jeder Stadt. In Bochum gehört dazu das Softwareunternehmen Scisys, das Kontrollzentren für Satelliten, Redaktionssysteme für Journalisten und meteorologische Anwendungssysteme entwickelt. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro ist so erfolgreich, dass es an seinem Stammsitz an der Borgmannstraße aus allen Nähten platzt. Und das ist ein Problem.

Neuer Standort im Westfalentower

Auch für Bochum. Denn die Stadt verliert zumindest einen Teil des Vorzeigeunternehmens an die Nachbarstadt Dortmund, weil es selbst keine geeignete Büroflächen anbieten kann. Scisys bezieht im Mai 1000 qm am neuen Standort im Westfalentower, die derzeit extra für das Unternehmen umgebaut werden. Dorthin wir dann die 60-köpfige Belegschaft verlegt, die sich mit dem Bereich Media Broadcasting beschäftigt. „Weil wir ein ordentliches Wachstum verzeichnen und es so aussieht, dass sich dies auch fortsetzt, waren wir gezwungen, uns nach einem weiteren Standort umzusehen“, sagt Finanz-Geschäftsführerin Sandra Krewerth. „Die Verwaltung und die Bereiche Raumfahrt und IT bleiben aber in Werne.“

Aber wie lange noch?

Schon in der Vergangenheit hatte sich Dortmund um Scisys bemüht, wie Firmengründer Prof. Klaus-G. Meng, der auch Lehrbeauftragter an der TU Dortmund ist, gegenüber der WAZ erklärte. Diesmal hat es offenbar keine andere Möglichkeit gegeben, als über die Stadtgrenze hinaus zu wachsen. „Es ist nicht so, dass wir uns nicht in Bochum umgesehen haben“, so Sandra Krewerth – auch die Hilfe der Wirtschaftsförderung habe Scisys erbeten. Aber nirgendwo hätten sich die Anforderungen erfüllen lassen: Alle Mitarbeiter sollten auf einer Etage untergebracht sein, der neue Standort sollte nicht zu weit vom Firmensitz in Werne entfernt sein; eine Kantine, ausreichend Parkplätze und eine gute Anbindungen an den öffentlichen Nahverkehr sollten vorhanden sein. Das gab es nirgends in Bochum. Einige Immobilien seien in keinem guten Zustand gewesen. Kretwerth: „Wenn sie irgendwo reinkommen und da riecht es nach Urin, gehen sie rückwärts wieder raus.“

Zahlreiche hervorragende Immobilien

Dass es trotz mehrerer Gespräche nicht gelungen sei, Scisys geeignete Alternativen anzubieten, „zumindest nicht in der kurzen Zeit, in der es das Unternehmen wollte“, so Rouven Beeck von der Bochum Wirtschaftsentwicklung, sei bedauerlich. Denn: „Für so ein Unternehmen würden wir beinahe alles tun.“

Ein grundsätzliches Problem mit dem Bestand und dem Alter der Büroimmobilien habe Bochum aber nicht, es gebe zahlreiche hervorragende Immobilien. Insgesamt etwa 1,6 Millionen Quadratmeter Bürofläche gibt es in der Stadt. Davon stehen etwa 90 000 qm leer.

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