Shoppen und Spenden

Im Blutspendezentrum im Bochumer Ruhrpark herrscht Flaute

Warten auf Spender: Gähnende Leere im Blutspendezentrum im Ruhrpark Bochum. Die Resonanz ist nicht wie erhofft.

Warten auf Spender: Gähnende Leere im Blutspendezentrum im Ruhrpark Bochum. Die Resonanz ist nicht wie erhofft.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum-Harpen.  Bisher ein Flop: Zu wenig Spender kommen ins neue Blutspendezentrum im Bochumer Ruhrpark. Dabei könnte man Shoppen und Spende gut verbinden.

Blut gespendet hat Michael Berger schon oft, aber so wie heute war es noch nie: Mit Maske, in einem ehemaligen Ladengeschäft, kurz vor seinem Shopping-Bummel. „Gleich will ich noch nach neuem Lesestoff in der Buchhandlung stöbern“, sagt Berger, der gerade aus dem Pop-Up-Store des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Ruhrpark in Bochum-Harpen kommt. Direkt zwischen Karstadt und Backwerk kann man hier seit Ende Juli zwischen Kleidungs-,Technik- und Spielwarengeschäften das Shoppen für eine Spende von etwas unterbrechen, das man mit Geld im Laden nicht kaufen kann: Blut.

Blutspenden im Ruhrpark Bochum: Angebot des DRK bisher ein Flop

Mit einem Getränk in der Hand und einer kurzen Verschnaufpause will Berger das anschließende Bummeln nun aber langsam angehen lassen.„Die Spende belastet ja den Kreislauf“ sagt er. Ansonsten: Den Einkaufstrip und Blutspenden zu verbinden – in Bergers Augen eine praktische Sache.

Sehen das viele Ruhrpark-Kunden so? In den Räumlichkeiten des DRK selbst herrscht nach Bergers Besuch jedenfalls gähnende Leere: Alle sechs Blutspende-Stationen sind unbesetzt. Dabei fällt der Pop-Up-Store zwischen üblichen Schaufenstern mit blutrot gestalteter Fensterfront ohne Zweifel ins Auge. Entsprechend bedrückt sehen angesichts der leeren Spenderbetten auch die Gesichter des Personals aus. „Anfangs hatten wir gute Quoten mit etwa 30 Spendern am Tag, aber jetzt kommt gerade einmal noch die Hälfte“,sagt Rettungssanitäter Dirk Beutler.

Aktuelle Nachrichten aus Bochum – jetzt den kostenlosen Newsletter abonnieren

Zwar spendeten in den ersten zwei Monaten 1105 Besucher mit 508 Litern Blut so viel wie 42 Kisten Mineralwasser, seitdem herrscht aber Flaute. „Zu hohe Temperaturen haben wohl viele Spender von einem Besuch bei uns abgehalten“, vermutet Beutler. Das merkt auch der Ruhrpark selbst: „Bei über 30 Grad sind die Menschen natürlich lieber im Garten als mit Maske in der Shopping-Mall“, sagt Center-Manager Andreas Ulmer.

Manche Spender haben Angst

In der Einkaufszone selbst erfährt man weitere Gründe: „Ich habe schon mal Blut gespendet, aber aktuell vermeide ich Kontakt, wenn es geht“, sagt Christiane Meyers. Sie sei auch nicht zum Bummeln hergekommen, sondern erledige nur gezielte Einkäufe. Zuletzt stiegen die Bochumer Blutspende-Zahlen aber trotz Coronakrise – Spender fühlten sich wieder sicherer.

Interessante Einblicke

Zurück im Pop-Up-Store betont man: „Die Spende ist sicher.“ Krankenpfleger Marc Patrosio erklärt:

„Wir messen zweimal die Temperatur, Hände müssen desinfiziert werden, alle tragen eine Maske und wir stellen Fragen zu Symptomen und Aufenthalten in Risikogebieten“. Durch die deutlich größere Fläche als im üblichen Blutspendemobil könnten Abstände problemlos eingehalten werden. Der Blutspendebus hielt noch bis März monatlich im Ruhrpark, dann war es nicht mehr möglich, Hygieneauflagen zu erfüllen.

Der Ruhrpark konnte dem DRK mit einer leerstehenden Fläche, die bis vor drei Jahren von „Ernstings Family“ und danach nur kurzzeitig etwa durch einen Store von „Harald Glööckler“ genutzt wurde, aushelfen. Die Ladenfläche bringt nicht nur mehr Platz mit sich, sondern auch interessante Einblicke für Spender: Weil der Raum nicht durch Wände unterteilt ist, können sie von der Ausgabe des Blutspendebestecks bis zum Verschweißen und Kühlen der Konserven alles mitverfolgen. Nur das Arztgespräch findet hinter verschlossener Tür statt.

Fortsetzung möglich, aber ungewiss

„In den Pop-Up-Store kommen oft jüngere Menschen, die sich in einer Gruppe zum Blutspenden verabreden und anschließend ins Kino oder shoppen gehen“,weiß Gaby Struck vom Blutspendedienst West. Auch sie hofft, dass es künftig wieder mehr Spender werden: „Aktuell kämpfen wir wirklich“, betont sie. Blutspenden seien knapp. Um die Spendebereitschaft weiter anzukurbeln, will das DRK ab sofort nicht nur auf Ruhrpark-Kunden, sondern auch auf die Geschäfte vor Ort setzen.

„Wir verteilen Flyer, um auch Mitarbeiter für ihre Mittagspause zum Spenden zu animieren und einige Geschäfte haben Bereitschaft signalisiert, ebenfalls auf unseren Laden aufmerksam zu machen“,sagt Struck weiter. Geht die Rechnung auf und steigen die Spenderzahlen wieder, können sich beide Seiten – Ruhrpark und DRK – eine Verlängerung des Konzeptes bis über den 31. Oktober hinaus vorstellen.

Aktuelle Nachrichten aus Bochum lesen sie hier.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben