Rauschmittel

Illegale Drogen fordern immer mehr Todesopfer in Bochum

Ein Drogensüchtiger spritzt sich Heroin in den Unterarm.

Ein Drogensüchtiger spritzt sich Heroin in den Unterarm.

Foto: Boris Roessler

bochum.  In der Stadt Bochum sterben immer mehr Menschen am Konsum illegaler Drogen. 16 waren es 2018. Drogen werden heute in allen Schichten konsumiert.

In Bochum gibt es ein zunehmendes Drogenproblem. Die Anzahl der Todesfälle, die unmittelbar auf den Konsum illegaler Rauschmittel wie Heroin, Kokain, Amphetaminen, Ecstasy und Cannabis zurückzuführen ist, steigt seit Jahren stark an. Gleichzeitig werden auch immer mehr Drogendelikte entdeckt.

Im vergangenen Jahr starben 16 Menschen durch das Gift illegaler Drogen, wie die Polizei am Montag auf Anfrage mitteilte. Im Jahr davor waren es zwölf, wieder ein Jahr davor sechs. Der Tod trat keineswegs nur als Folge einer Überdosis ein. Vielmehr starben auch Suchtkranke an ihrem Langzeitkonsum, nach 20 oder 30 Jahren hat der Körper diese Belastung nicht mehr mitgemacht. Andererseits ist auch ein Drogentoter zu beklagen, der gerade einmal volljährig geworden war; nach dem Konsum von Heroin lag er im Juli morgens tot in seinem Bett.

Drogen sind in der breiten Masse angekommen

Die Polizei erklärt den Anstieg dieser Todesrate unter anderem damit, dass illegale Drogen nicht mehr nur von einer bestimmten Personengruppe, sondern einer immer breiteren Masse eingenommen werden. „Mittlerweile in allen Bevölkerungsschichten“ würden Drogen konsumiert“, sagt Polizeisprecher Marco Bischoff. Das bestätigt auch Torsten Polesch vom Bochumer Suchtbehandlungszentrum „Krisenhilfe“ an der Viktoriastraße.

In den vergangenen vier, fünf Jahren sei die Anzahl der Menschen, die dort von 9 bis 13 Uhr in einem „Drogenkonsumraum“ unter ärztlicher Aufsucht und hygienischen Bedingungen ihr Rauschgift spritzen oder rauchen, „stark und ständig gewachsen“ sei. Rund 15.000-mal seien Drogen im vorigen Jahr dort konsumiert worden, in den Jahren davon sei das 10.000 bis 12.000-mal der Fall gewesen. 239 Suchtkranke kämen regelmäßig dorthin, 60 bis 80 sogar täglich. Polesch sagt auch, dass Drogen gerade bei jüngeren Menschen „leider stark im Kommen sind“. 20 bis 30 Dauerkonsumenten, die zur Krisenhilfe kämen, seien erst zwischen 20 und 25 Jahre alt. Die Mehrzahl der Konsumenten sei zwischen 38 und 40 Jahre alt.

Polizei baut hohen Kontrolldruck auf

In den vorigen Jahren hat die Polizei auch immer mehr Drogendelikte registriert. 1401 waren es im Bochumer Stadtgebiet im Jahr 2018; vor allem ging es um Cannabis. Das heißt nicht zwingend, dass auch tatsächlich immer mehr mit Drogen gehandelt, sondern nur, dass immer mehr festgestellt worden sind. Die Polizei führt dies auf einen erhöhten Kontrolldruck zurück, der auch von zivilen Einsatzkräften aufgebaut werde. „Je mehr ich kontrolliere, desto mehr wird festgestellt“, so Polizeisprecher Bischoff.

Hinzu käme, dass auch Schulen und Bildungseinrichtungen vermehrt Anzeigen erstatten würden, wenn ein Drogendelikt entdeckt werde. Sie seien heute eher bereit, das nicht mehr zu verharmlosen.

„Eine Sache der neueren Art“ ist mittlerweile der Versand von Drogen per Paketpost. In Bochum, Herne und Witten würden seit etwa 2014 jährlich rund 50 solcher Fälle auffliegen. Die Täter benutzen dazu falsche Absender.

>>> Ein Gramm Heroin kostet zwischen 30 und 50 Euro

Süchtige müssen, obwohl oft arbeitslos, viel Geld aufbringen: Laut Gericht kostet ein Gramm Heroin auf der Straße zwischen 30 und 50 Euro, Kokain 50 bis 80 Euro, Cannabis 4 bis 7,50 Euro.

Die Krisenhilfe meldet seit Jahren höhere Zahlen von Drogentoten als die Polizei, nur 2018 nicht. Schließlich ist die genaue Todesursache bei Suchtkranken nicht immer eindeutig.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben