Gewerkschaft

IG Metall Bochum verabschiedet streitbare Eva Kerkemeier

Streitbar aber auch kompromissfähig: Eva Kerkemeier sprach vor einem Jahr zu den Beschäftigten von Thyssen-Krupp in Bochum.

Streitbar aber auch kompromissfähig: Eva Kerkemeier sprach vor einem Jahr zu den Beschäftigten von Thyssen-Krupp in Bochum.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bochum.  Eva Kerkemeier, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Bochum-Herne, geht in den Ruhestand. Für die WAZ spricht sie über ihren Kampf um Arbeitsplätze.

Die beiden IG Metall Geschäftsstellen Dortmund und Bochum-Herne werden am Mittwoch, 23. September, fusionieren. Die neue Geschäftsstelle IG Metall Ruhrgebiet Mitte vertritt künftig 39.000 Metaller. Die bisherige 2. Bochumer Bevollmächtigte Ulrike Hölter soll 1. Bevollmächtige der neuen Organisation werden. Am Mittwoch werden 170 Delegierte wählen. Mit Eva Kerkemeier, der langjährigen 1. Bevollmächtigten, die jetzt in den Ruhestand geht, sprach WAZ-Redakteur Michael Weeke.

Wie bewerten Sie im Rückblick Ihre Arbeit für Bochum und Herne?

Mir war schon klar, dass die Aufgabe der 1. Bevollmächtigten in dieser Geschäftsstelle mit vielen neuen, aber auch alt bekannten Herausforderungen verbunden war – das Thema Strukturwandel begleitet uns in dieser Region schließlich seit vielen Jahren. Stahl und Opel waren allein aufgrund der großen Zahl der Betroffenen und der Bedeutung für die Stadt schwierig und kräftezehrend. Gleichzeitig durfte ich bei diesen Auseinandersetzungen die Solidarität der Region und die Unterstützung von vielen tollen Menschen erfahren.

„Bei Opel hätten wir viele Arbeitsplätze erhalten können“

Fällt Ihnen spontan ein großer Erfolg ein? Was ist dann die größte Niederlage?

Ich glaube nicht, dass es „den“ großen Erfolg gab – es sind die vielen, auch kleinen erfolgreichen Kämpfe um Arbeitsplätze, immer zusammen mit unseren Kolleginnen und Kollegen. Der jetzige Zusammenschluss von Dortmund und Bochum-Herne ist natürlich auch ein Meilenstein zur Gestaltung einer weiterhin starken und erfolgreichen IG Metall. Enttäuscht war ich damals in der Opel Auseinandersetzung über die Abstimmung der Betroffenen zur Zukunft von Opel. Ich bin bis heute fest davon überzeugt, dass wir viele Arbeitsplätze hätten erhalten können.

Wie sehen sie die Aufgaben der IG Metall im Revier für die Zukunft?

Im Ruhrgebiet haben wir das Thema Strukturwandel nie abgeschlossen. Diesen Prozess müssen wir als IG Metall begleiten gerade was die Themen Digitalisierung und neue Produkte angeht – und zwar in den Betrieben gemeinsam mit den Beschäftigten, aber auch bei Neuansiedlungen und an den Universitäten. Die Gestaltung der Arbeitszeit wird hierbei sicherlich wieder eine große Herausforderung sein.

Frauen benötigen langen Atem und gute Netzwerke

Wie war es für Sie als Frau in dieser doch von Männern dominierten Metaller-Welt?

Frauen benötigen immer noch großes Selbstbewusstsein, langen Atem und gute Netzwerke, um ihre Ziele durchzusetzen.

Wie stellen Sie sich Ihren Ruhestand vor?

Endlich mehr Zeit zu lesen und zu reisen (wenn es wieder möglich ist). Gerne werde ich auch eine Kollegin in ihrem Projekt in Ghana (Bau eines Kinderheims) nicht nur finanziell unterstützen. Außerdem bleibe ich als Metallerin dem DGB in Bochum erhalten und kann damit weiterhin aktive Gewerkschaftsarbeit zusammen mit tollen Menschen betreiben.

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