Bildung

Historikerin aus Bochum arbeitet für Neuseelands Präsidenten

Rebecca Burke aus Bochum ist die einzige Deutsche mit einem Doktortitel in Maori-Kultur.

Rebecca Burke aus Bochum ist die einzige Deutsche mit einem Doktortitel in Maori-Kultur.

Foto: WAZ FotoPool

Bochum.   Rebecca Burke ist die einzige Deutsche, die einen Doktor in Maori-Kultur hat. Die 36-Jährige arbeitet in Neuseeland für den Generalgouverneur, den Bundespräsidenten des Landes. Im Heimaturlaub stellte die gebürtige Bochumerin jetzt ihren Eltern ihren Enkel vor.

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18.536 Kilometer. Luftlinie. Das ist die Entfernung Bochum – Wellington/Neuseeland. Rebecca Burke (sprich: Börk) hat diese Strecke gerade mal wieder hinter sich gebracht. Die 36-Jährige ist auf Heimatbesuch, stellt ihren Eltern, die in Essen wohnen, ihren Sohn vor. Otis Apirana heißt der 18 Wochen alte junge Mann, der irgendwann von seinen Eltern erfahren wird, warum sein zweiter Vorname aus der Sprache der Maori, der Ur-Einwohner Neuseelands kommt und was er bedeutet. Seine Mutter wird ihm das gut erklären können. Sie hat an der Ruhr-Universität ihren Magister in Historik gemacht und ist nun die einzige Deutsche, die einen Doktor in Maori-Kultur hat.

So ungewöhnlich das ist, so noch viel ungewöhnlicher war ihr Weg zu diesem Titel und ihrer Arbeitsstelle. Vier Jahre arbeitete sie in Wellington, der Hauptstadt Neuseelands für das Nationalmuseum. Nun ist sie schon länger als Historikerin und Leiterin eines anderen kleinen Museums für den Generalgouverneur von Neuseeland (vergleichbar mit dem Amt des Bundespräsidenten) Jerry Mateparae tätig. De facto ist der Generalgouverneur das Staatsoberhaupt Neuseelands. Er vertritt die britische Königin Elisabeth II. als Königin von Neuseeland. Burke hat sich im Auswahlverfahren zu diesem Job gegen 180 Mitbewerber durchgesetzt. „Es gab Skype-Interviews mit dem Büro des Bundespräsidenten. Ich bin durch alle Reifen gesprungen. Den Ausschlag gab wohl mein deutscher Magister-Abschluss und die Tatsache, dass ich vier Jahre im Nationalmuseum gearbeitet habe.“ Sie scheint das Happy-End einer langen Reise zu erleben.

Entbehrungsreiche Zeiten

2007 besuchte sie das erste Mal als Urlauberin Neuseeland. „Ich habe mich sofort verliebt und wollte nicht zurück nach Deutschland. Als brave Deutsche aber bin ich natürlich zurück, schließlich musste ich mich bewerben. Innerhalb von sechs Monaten habe ich 300 Bewerbungen geschrieben und genau eine Rückmeldung bekommen. Da habe ich gesagt: mir reicht es. Ich habe alles verkauft, was ich hatte, die Möbel, das Auto. Dann bin ich los nach Neuseeland, habe mich durchgeschlagen. Ich hatte ja nichts zu verlieren.“

Es folgten entbehrungsreiche Zeiten. Sie arbeitete auf verschiedenen Farmen, pflückte Kiwis. „Ich habe einerseits die Freiheit genossen, andererseits habe ich wirklich am Hungertuch genagt und als der Winter kam, musste ich in die Stadt, nach Wellington. Da habe ich dann drei Monate mit zehn Leuten in einem Zimmer in einem Hostel gelebt.“ Eine Stellenausschreibung im Nationalmuseum sorgte für die Wende.

Inzwischen ist sie mit einem neuseeländischen Feuerwehrmann verheiratet, ist Mutter geworden und stellt fest, dass ihr Deutsch immer schlechter, ihr Kiwi-Englisch immer besser wird. Im nächsten Jahr kann sie die neuseeländische Staatsangehörigkeit bekommen. „Das werde ich auch machen. Das Land Neuseeland hat mich mit offenen Armen empfangen und mir Möglichkeiten gegeben, die ich in Deutschland nie bekommen hätte. Auszuwandern war die beste Entscheidung meines Lebens.“

Sechs Monate warten auf Termin beim Facharzt

So gerne Rebecca Burke (geborene Kocks) auch in Neuseeland, in Wellington lebt, es gibt etliche Dinge, die sie vermisst. „Am meisten die deutschen Würstchen und das deutsche Brot. Wir backen inzwischen unser eigenes Brot. Ich kann das pappige Toastbrot nicht mehr sehen. Natürlich vermisse ich auch meine Freunde, den Ruhrpott-Dialekt und ich sehne mich nach dem deutschen Gesundheitssystem. In Neuseeland wartet man schon mal sechs Monate auf einen Termin bei einem Spezialisten.“

Nach nunmehr fast acht Jahren in Neuseeland ist ihr „Kiwi-Englisch“ inzwischen nach eigenem Bekunden recht gut. „Das ist vergleichbar mit dem Ruhrpott-Deutsch.“ Auch ihr tägliches Leben rückt sie in die Nähe des Ruhrpotts. „Neuseeland ist für mich harte Arbeit. Aber eine Sache habe ich hier gelernt: stelle nie dein Licht unter den Scheffel, sei stolz auf das, was du geschafft hast. Die Fähigkeiten die man hat, werden in Neuseeland anders gewertschätzt. Bildung zählt, eben auch, weil sie hier nicht für alle so selbstverständlich zugänglich ist.“

Mit ihrem Mann spricht sie ausschließlich englisch, mit ihrem Sohn auch deutsch. Im Januar will sie wieder anfangen zu arbeiten. „Ich habe so lange an meiner Karriere gearbeitet. Deswegen will ich wieder zurück in den Job.“

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