VHS-Vortrag

Bochumer Historiker erklärt: So real ist „Game of Thrones“

Der Historiker Malte Pattberg führte an der Volkshochschule in die Welt von „Game of Thrones“ ein.

Der Historiker Malte Pattberg führte an der Volkshochschule in die Welt von „Game of Thrones“ ein.

Foto: ladimir Wegener

bochum.   Historiker Malte Pattberg erläutert in der VHS Bochum die Hintergründe zur TV-Serie „Game of Thrones“. Bald beginnt die neue Staffel.

Alle Qualen haben bald ein Ende – zumindest bis zum finalen Ende der Erfolgsserie „Game of Thrones“. Denn dann zeigt sich, wer den eisernen Thron besteigt – oder ob es überhaupt jemand schafft. Spekulationen gibt es hierzu eine Menge. Der Historiker Malte Pattberg, der in seinem VHS-Vortrag über die Gegebenheiten der Serie und der Buchreihe berichtet, ist sich sicher: „Ein richtiges Happy End wird es nicht geben“.

Zwischen 1996 und 2011 sind bisher fünf Bände in der englischen Originalfassung erschienen – Fans warten seitdem sehnsüchtig auf die zwei weiteren Bände, die laut dem Autor der Reihe, George R. R. Martin, in Planung sind. In Deutschland sind die ursprünglichen fünf Bücher in jeweils zwei Bände aufgeteilt, so dass es bereits zehn Bände gibt. Schon die Buchreihe konnte viele Fans um sich scharen, aber mit Beginn der HBO-Serie nahm der Erfolg unglaubliche Ausmaße an. Bereits 47 Emmys konnte die Serie abräumen. Doch was macht die Serie so erfolgreich?

Extrem gut ausgearbeitete Hintergrundstory

Laut Dozent Malte Pattberg sei es die extrem ausgearbeitete Hintergrundgeschichte der Fantasy-Reihe, wie es sie seit „Herr der Ringe“ nicht mehr gegeben hat. Was „Game of Thrones“ so besonders macht ist, dass es wenig klare Trennlinien zwischen Gut und Böse gibt. Es gibt keine strahlende Hauptfigur, wie in den klassischen Fantasy-Geschichten, jeder Charakter steht des Öfteren in einem schweren Dilemma und ist – mal mehr, mal weniger – gezwungen, böse Dinge zu tun. „Wenn man die Drachen und die weißen Wanderer einmal außen vorlässt, so könnte die skrupellose, politische Welt in der Serie auch real sein“, so Pattberg.

Auch die sehr starken Frauenfiguren, die in den meisten Fällen trotz ihrer Stärke nicht ihre Weiblichkeit verlieren, sind wohl ein Erfolgsgeheimnis. Hauptfiguren können „einfach so“ sterben und kommen - außer in einem Ausnahmefall – nicht mehr zurück.

Zwei komplett sprechbare Sprachen

Die Idee kam dem Autor wohl, als er auf dem Hadrianswall, nahe der heutigen Grenze zwischen Schottland und England, in die Weite blickte und plötzlich das Bild vor Augen hatte, wie eine Bedrohung aus dem Norden auf die Befestigungsgrenze zu kommt. Die Mauer, die die Bewohner der Sieben Königslande namens Westeros vor der „Bedrohung aus dem Norden“ schützt ist dann aber nicht - wie der Hadrianswall - fünf Meter hoch. Sondern an den höchsten Stellen reicht sie bis zu 213 Meter in die Höhe, ist 482 Kilometer lang und soll vor über 8000 Jahren während der „Langen Nacht“ mit Hilfe von Magie errichtet worden sein.

Mittlerweile hat die Serie zwei komplett sprechbare Sprachen hervorgebracht, unter anderem das Dothraki – die Sprache des wilden Reitervolkes, das von den Mongolen und Dshingis Khan inspiriert sein soll. „Es gibt heute vermutlich mehr Leute, die Dothraki verstehen, als Irisch“, so Pattberg.

Serien-Fans warten schon gespannt

Nina Schütz hat die Veranstaltung besucht, um sich auf den Serienstart am Montag, den 15. April seelisch vorzubereiten – und auch um ihr umfassendes Wissen um alle Hintergründe aufzufrischen. Denn die Vorgeschichte in „Game of Thrones“ reicht viele tausend Jahre bis zum eigentlichen Beginn der Handlung zurück. Hört man Pattberg zu, meint man beinahe, man sitze in einer Geschichtsvorlesung – nur dass es sich um eine Welt handelt, die reine Fiktion ist. Nina Schütz ist das egal: Sie weiß fast alles über die Welt von Drachenkönigin Daenerys Targaryen und Jon Snow. „Ich bin ein ziemlicher Freak. Ich kann es kaum erwarten, am Montagabend mit einer Gruppe von Freunden endlich zu sehen wie es weiter geht. Bis dahin muss ich aber Acht geben, nicht schon irgendwelche Spoiler aufzuschnappen“.

Auch zwei Jahre Wartezeit haben ihrer Liebe zu „Game of Thrones“ keinen Abbruch getan. Schütz und ihre Freunde haben sogar ein Tippspiel gestartet und um fünf Euro gewettet – wer besteigt den eisernen Thron? „Vermutlich niemand“, sagt sie und blickt etwas geknickt. Bald werden wir es wissen.

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