Selbsthilfe

Hautkrebs: Bochumerin hat den Überlebenskampf aufgenommen

„Sie ist meine Kraftquelle, meine Motivation“: Bettina Fritzsche mit ihrer Tochter Romy. Die 30-Jährige ist lebensbedrohlich an Hautkrebs erkrankt.

„Sie ist meine Kraftquelle, meine Motivation“: Bettina Fritzsche mit ihrer Tochter Romy. Die 30-Jährige ist lebensbedrohlich an Hautkrebs erkrankt.

Foto: Fritzsche

Bochum.  Eine 30-jährige Mutter aus Bochum ist lebensbedrohlich an Hautkrebs erkrankt. Sie kämpft – und hat jetzt eine Selbsthilfegruppe gegründet.

„Viel Zeit bleibt mir nicht mehr“, flüstert Bettina Fritzsche und wischt sich die Tränen von den Wangen. Dabei würde sie so gerne leben, lieben, lachen, bleiben, weiter für ihre kleine Tochter da sein. Doch die Geißel Krebs hat die 30-Jährige erbarmungslos im Griff. Der Hautkrebs hat massiv gestreut. „Aber egal wie hoffnungslos es oft scheint: Es ist noch nicht zu Ende“, sagt die Bochumerin mit fester Stimme – und findet die Kraft, eine Selbsthilfegruppe zu gründen, um anderen Menschen Hoffnung und Mut zu geben.

Die erste Diagnose stellen die Ärzte vor sechs Jahren. Bei Bettina Fritsche wird 2013 ein Malignes Melanom entdeckt. Schwarzer Hautkrebs. „Dabei war ich mit meiner hellen Haut so gut wie nie in der Sonne. Allerdings bin ich genetisch vorbelastet. Meine Großmutter litt auch an Hautkrebs“, erzählt Bettina Fritzsche.

Die Ärzte sagen: „Es sieht sehr schlecht aus“

Die Dämonen scheinen alsbald besiegt. Zwei Operationen, Nachsorge: „Man hat gedacht, damit sei es erledigt.“ Voller Zukunftspläne nimmt Bettina Fritzsche ein Studium der Pflegewissenschaften an der Evangelischen Hochschule Bochum auf. Just als endlich der Schritt ins Berufsleben folgen soll, der Schock: Der Hautkrebs ist zurückgekehrt. Es ist Nikolaus 2018, als sich in der MRT-Röhre Tumore am Eierstock, in der Lunge und – besonders gravierend – im Hirn zeigen. „Es sieht sehr schlecht aus“, sagen die Ärzte mit diesem speziellen Blick, der Böses erahnen lässt.

Für Bettina Fritzsche bricht die Welt zusammen. Erst 15 Monate zuvor hat sie ihre Tochter Romy zur Welt gebracht. Aufgeben? Keine Option! Für ihre „kleine Maus“, ihr „Wunderkind“, nimmt die alleinerziehende Mutter den Kampf auf. Im Knappschaftskrankenhaus Langendreer erfolgt eine Hirn-Operation. Eine kräftezehrende Immuntherapie schließt sich an. Acht Monate kümmert sich ihr Bruder in Menden um Romy. Alle zwei, drei Wochen kommt Mama zu Besuch ins Sauerland.

Metastasen haben sich vermehrt

Romy ist seit drei Wochen wieder daheim an der Suntumer Straße in Laer. Bettina Fritzsches Überlebenskampf dauert an. Familie, Freunde und Nachbarn leisten Unterstützung, so gut es geht. Prognosen? Schwierig. Die Metastasen haben sich weiter vermehrt. Der Krebs ist bedrohlich fortgeschritten. Eine weitere Immuntherapie steht bevor, ebenso wie eine punktgenaue Hirnbestrahlung, fast schon martialisch „Gamma Knife“ genannt.

Selbsthilfegruppe als neue Aufgabe

„Es gilt, Zeit zu gewinnen“, sagt Bettina Fritzsche. Zeit, die sie möglichst sinnvoll nutzen will. „Mach’ noch was Schönes“, haben ihr Bekannte geraten. Nett gemeint. Aber wovon, beim Hartz-IV-Regelsatz und dem „ständigen Ringen mit der Krankenkasse um jeden Cent“? Stattdessen will sie sich für Leidensgenossen einsetzen. „Sichtbar“ hat sie die von ihr ins Leben gerufene Selbsthilfegruppe für Hautkrebs-Patienten genannt. Im Austausch untereinander sollen sich die Betroffenen gegenseitig stärken, informieren, beistehen. „Und eine Aufgabe zu haben, ist in meiner Situation auch nicht unwichtig“, weiß Bettina Fritzsche, die ihre Geschichte auf YouTube („TimeLine LiebeDasLeben“) erzählt und dokumentiert.

Ihre Tochter sei ihre „Kraftquelle, meine Motivation. Ich darf sie nicht allein lassen“, sagt die tapfere Mama am Ende des WAZ-Gesprächs und weint wieder bitterlich.

Am 30. September wird Romy zwei Jahre alt. Mögen noch viele, viele gemeinsame Geburtstage folgen.

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