Stadtteil-Check

Harpener schätzen die Gemeinschaft und den Dorfcharakter

Susanne und Karl Harkort nutzen die Fußgängerbrücke über die A40 zum Ruhrpark häufig. Das Ehepaar legt Wert darauf, dass es auch nach Ausbau der Autobahn eine Rad- und Fußwegverbindung geben muss.

Susanne und Karl Harkort nutzen die Fußgängerbrücke über die A40 zum Ruhrpark häufig. Das Ehepaar legt Wert darauf, dass es auch nach Ausbau der Autobahn eine Rad- und Fußwegverbindung geben muss.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Harpen .   Beim Stadtteil-Check mit WAZ-Lesern bekam Harpen eine 2- als Gesamtnote. Die Harpener leben gern im „Dorf“, wünschen sich aber weniger Verkehr.

Überwiegend „befriedigend“ finden die Harpener ihren Stadtteil. Die Schulnote 3 wurde für die meisten Kategorien beim WAZ-Stadtteil-Check vergeben, der im vergangenen Jahr mit Lesern durchgeführt worden war; beteiligt hatten sich 160. Von 30 Plätzen landete Harpen auf Platz 19, mit der Durchschnittsnote 3,08. Die Gesamtnote ist besser und liegt bei 2,32.

Susanne (57, Sekretärin) und Karl Harkort (58) sind mit Herzblut Harpener: „Wir leben gerne hier, möchten gar nicht woanders sein.“ Ihr Urteil für den Stadtteil fällt deutlich besser aus. „Was mir hier gut gefällt, ist die Struktur. Harpen hat keinen Ortskern, sondern besticht durch die im Schnitt 70 bis 80 Jahre alten Siedlungen mit Einfamilienhäusern“, findet Karl Harkort.

Gute Nachbarschaft besticht

Fred Schüler (76) weiß den dörflichen Charakter zu schätzen. „Wir haben eine gute Nachbarschaft, eben durch die Siedlergemeinschaften. Auch die vielen Vereine wie TuS Harpen, Tennisverein, Förderverein Harpen tragen dazu bei.“ Damit spricht er das Gemeinschaftsgefühl an, dem die Leser eine 3,05 gegeben haben. „Das würde ich deutlich höher einstufen.“ Schüler engagiert sich seit langem für die Vinzentius-Kirche. Über Harpen hinaus ist er breit bekannt als Interpret von Reinhard-Mey-Liedern. Im August ist er mit Chansons wieder fester Bestandteil beim Harpener Dorffest. „Da gibt es stets ein großes Treffen rund um die Kirche – wie in der Toskana.“

Susanne Harkort lobt vor allem auch das „grüne Harpen“: „Wir haben den Bockholt, das Ölbachtal und das Berghofer Holz.

Beim Thema Nahverkehr gab’s ein Gut minus (2,52). „Das sehe ich ganz anders“, sagt Karl Harkort. „Wir haben hier die Linie 336 als Verbindung zur Innenstadt. Mit dem Umsteigen in die 308 an der Rottmannstraße klappt es gut. Doch seit 1957, so weiß ich von Fred Schüler, hat sich der 20-Minuten-Takt nicht verdichtet. Das ist doch armselig. Und der Nahverkehr zum Ruhrpark ist einfach nur grässlich.“ Wenn die 308/318 künftig statt alle zehn nur noch alle 15 Minuten verkehrt, gibt der Telekom-Mitarbeiter eine 4-.

Mit der medizinischen Versorgung sind die Eheleute zufrieden. Es gibt mehrere Hausärzte und zwei Apotheken. Die Leser gaben eine 2,58. „Würden wir besser benoten.“

Zum Thema Sicherheit findet Susanne Harkort: „Es gibt keine Probleme in Harpen, hier muss man keine Angst haben. Ich mache mir keine Sorgen, wenn unsere Kinder mit dem Nachtexpress nach Hause kommen.“

Mehr Spielplätze wären schön

In Sachen Kinderfreundlichkeit bekam Harpen eine 2,98. „Es könnte mehr Spielplätze geben.“ Kritik gibt’s auch daran, dass die Radwege auf dem Harpener Hellweg noch immer nicht durchgängig vorhanden sind. Susanne Hartkort fährt viel Rad, genau wie ihr Mann. „Radfahrer und Fußgänger sind die Verkehrsteilnehmer der Zukunft zum Thema Ökologie und müssen mehr gefördert werden.“ Sie drängt darauf, dass die Fußgängerbrücke zum Ruhrpark, die im Zuge des A-40-Ausbaus abgerissen wird. „Es muss eine Verbindung von Harpen geben, es gibt keinen anderen Zugang. Eine neue Brücke ist notwendig.“

Für die Seniorenfreundlichkeit gibt Fred Schüler „eine glatte 3“, genau wie die WAZ-Leser. „Die beiden Kirchen machen viele Angebote für ältere Bewohner, aber auch die Siedlergemeinschaften. Doch wenn das Amtshaus wegfällt, fehlt es an Treffs für alle Altersgruppen.“

Beim Thema Einkaufsmöglichkeiten schnitt Harpen auch mit der Note 3 ab. Karl Harkort: „Ich gebe eine 4. Wir haben hier einen Discounter, der einen echten Nahversorger nicht ersetzen kann. Wir fahren zum Einkaufen nach Gerthe.“ Mit den Freizeitangeboten sind die Harpener ganz zufrieden: „Dank der gut 20 Vereine mit ihren Angeboten sollte jeder etwas finden“, so Schüler.

Parkplätze vor der Haustür

Die Parkplatzsituation gilt als befriedigend. Susanne Harkort: „Hier hat jeder seinen Platz vor der Haustür.“ Ihr Mann ergänzt: „Mehr Stellflächen brauchen wir nicht. Harpen wird kaum gezielt angefahren.“

Nur noch die Note 4 gibt’s für das gastronomische Angebot. „Die jungen Leute würden sich gern in einem gemütlichen Café treffen. Und wir Älteren wünschen eine Kneipe. Es gibt nur noch eine im Dorfkern.“

Mit der Kommunalpolitik und der Stadtverwaltung ist Karl Hartkort zufrieden und würde die Zusammenarbeit deutlich besser benoten als mit 4,17. Er betont: „Das ist natürlich eine subjektive Erfahrung. Zum Beispiel haben wir gute Erfahrungen mit unserem Bezirksbürgermeister Henry Donner gemacht, als wir für den Kunstrasenplatz für den TuS Harpen kämpften.“ Auch Fred Schüler empfindet die Verwaltung als hilfsbereit seit seiner Tätigkeit für den Tennisverein.

Bei allem Positiven finden die Eheleute Harkort: „Harpen ist ein Schwerpunkt der Lärm- und der Verkehrsbelastung. Beim Ausbau der A 40 müsste die Lärmschutzwand durch gebaut werden bis Lütgendortmund.“ Geplagt sind sie auch durch die Lkw auf dem Harpener Hellweg. „Eine eigene Ausfahrt zum Ruhrpark von der A 43 wäre hilfreich. Dann führen nicht so viele Autos durch die Wohnsiedlungen.“

Am Herzen liegt den Eheleuten der Wunsch nach Verbesserung in der Ökologie und dem Umweltschutz für den Verkehr in unserem Stadtteil. „Wir sind der durch die beiden Autobahnen und auch durch den Ruhr-Park am stärksten verkehrsbelastete Stadtteil/Ortskern von ganz Bochum. Deshalb ist es unser dringendes Anliegen, dass hier seitens der Politik ganz besonders Wert auf eine zukünftige Verringerung der Lärm- ,Feinstaub-, CO2-Belastungen etc. gelegt wird; sei es durch Lärmschutzwände, Flüsterasphalt etc. aber insbesondere auch durch Förderung des ÖPNV,Fahrradwege etc.Seit dem Umbau im Jahre 2015 sind die Besucherzahlen im Ruhr-Park um 30 % gestiegen; täglich kommen bis zu 50.000 ! Besucher, davon fast alle mit dem Pkw. Diese kommen neben der A40 auch in hohem Maße über die Außenbezirke (Gerther Straße, Ecksee, Harpener Hellweg). Hier wünschen wir uns eine Entlastung genauso, wie den Schwerverkehr komplett vom Harpener Hellweg zu verbannen.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben