Schule

Grundschule in Kornharpen macht Kinder sattelfest fürs Leben

Lea reitet, Felix führt das Pferd und Reitpädagogin Eva Happ passt auf, dass auf dem Parcours nichts schief geht.

Lea reitet, Felix führt das Pferd und Reitpädagogin Eva Happ passt auf, dass auf dem Parcours nichts schief geht.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Kornharpen.  In der Lina-Morgenstern-Schule steht Reiten auf dem Stundenplan. Für die Kids ein riesiger Spaß – mit großer Wirkung. Doch das Projekt läuft aus.

Pferd Ella steht schon in der Halle und wartet. Ist bereit für die kleine Horde Kinder, die gleich um sie herumwuseln wird. Doch noch muss sich Ella gedulden. Wie auch die acht Schüler der Lina-Morgenstern-Grundschule, die sich am liebsten sofort die Reithelme aufsetzen würden, um loszulegen. Doch zunächst muss jedes Kind anhand von Smiley-Karten zum Ausdruck bringen, wie gut es gerade gelaunt ist: prima, geht so oder gar nicht gut. So unterschiedlich die persönlichen Einschätzungen am Anfang auch ausfallen – nach der Reitstunde mit Ella sind alle Schüler bester Stimmung. Ziel erreicht.

Denn Schulleiter Paul Roos hat das Reiten natürlich nicht ohne Grund in den Stundenplan aufgenommen. Dieses therapeutische Reiten auf dem Reiterhof „Pferdestärke“ am Kappweg in Kornharpen ist speziell für die Schüler gedacht, die im sozial-emotionalen Bereich Auffälligkeiten zeigen. „Da geht es nicht nur um Rabauken“, stellt Paul Roos klar. „Das Angebot gilt auch für Kinder, die zum Beispiel schüchtern und still sind.“ Niemand werde durch die Teilnahme an den Reitstunden stigmatisiert.

Die Kinder machen eine enorme Entwicklung durch

Viel wichtiger sei ohnehin, dass es funktioniert. „Die Kinder, die an dem Reitkurs teilnahmen, haben sich in dieser Zeit enorm entwickelt“, sagt Paul Roos. „Schüler, die sich in der Schule vorher kaum etwas getraut haben, ermutigen nun selbst Klassenkameraden, sich mehr einzubringen. Toll.“

Während Roos erzählt, wartet Ella immer noch. Die acht Mädchen und Jungen helfen Reitpädagogin Eva Happ gerade dabei, einen Parcours aufzubauen. Das dauert ein paar Minuten. Doch dann heißt es endlich „Aufsitzen“. Schön der Reihe nach. Während Lea als erstes auf Ella den Parcours absolviert, laufen die übrigen Schüler diesen ab. Bis sie selbst an der Reihe sind und – ganz stolz – hoch zu Ross Platz nehmen dürfen.

Auch Lehrerin Nicole Althaus ist begeistert von den Fortschritten, die ihre Schüler durch das Reiten, aber auch durch den Umgang mit dem Pferd machen. „Bei jedem Kind ist eine gute Entwicklung zu erkennen“, sagt sie. Sei es, dass ein Schüler nun mutiger ist. Oder dass sich ein anderes Kind seither besser konzentrieren kann.

Paul Roos, selbst leidenschaftlicher Reiter, weiß um die therapeutische Wirkung von Pferden. „Sie reagieren sehr sensibel auf Lärm, zugleich muss man ihnen aber auch zeigen, was man will.“ Reitpädagogin Eva Happ ergänzt: „Pferde reagieren immer gleich und wirken sehr regulierend.“ Und das nicht nur auf Kinder. Selbst 70-Jährige würden bei ihr zur Reittherapie kommen.

Städtische Mittel laufen aus – Sponsoren dringend gesucht

„Sattelfest für Leben“ wollen Paul Ross und seine Kollegen ihre Schüler machen. Ob auch im kommenden Schuljahr ein Unterrichtsfach unter diesem Titel zustand kommt, ist derzeit allerdings fraglich. „Zwei Mal haben wir so genannte ,präventive Mittel’ von der Stadt bekommen. Ein drittes Mal ist dies nicht möglich.“ Von daher ist die Lina-Morgenstern-Schule nun auf der Suche nach Sponsoren. Damit die Kinder auch nach den Sommerferien weiter fest im Sattel sitzen können.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben