WAZ-Serie „Best Ager“

Grüne Damen sind in der Klinik die guten Seelen

„Ich habe eine neue Aufgabe gefunden“: Die Rechtsanwältin Annette Kaerger-Steinhoff hilft als Grüne Dame den Patienten im Bergmannsheil.

Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services

„Ich habe eine neue Aufgabe gefunden“: Die Rechtsanwältin Annette Kaerger-Steinhoff hilft als Grüne Dame den Patienten im Bergmannsheil. Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services

Bochum.  Sie sind längst unverzichtbar, die Grünen Damen in Krankenhäusern. Eine Rechtsanwältin hat im Bergmannsheil eine Aufgabe für den Ruhestand gefunden.

Neulich war Annette Kaerger-Steinhoff tief gerührt. Ein Ehepaar, beide Anfang 80, wurde in der Klinik behandelt. „Sie auf Station 4.1, er auf Station 3.6.“ Annette Kaerger-Steinhoff begleitete die Dame beim Krankenbesuch ihres Mannes. „Sie hat sich schick gemacht, sah umwerfend aus. Als wir mit dem Aufzug auf der Station ankamen, stand ihr Mann freudestrahlend vor der Tür. Sie haben sich geküsst und innig umarmt. Wie ein junges Liebespaar. Wunderschön!“

Es sind Momente wie diese, die Annette Kaerger-Steinhoff die tiefe Gewissheit geben, alles richtig gemacht zu haben. 2014 war die Rechtsanwältin aus ihrer Kanzlei an der Hattinger Straße ausgestiegen. Mit 65. Die beiden Töchter sind längst aus dem Haus. Was tun? Wie den Ruhestand gestalten? Ihre Freundin Dorothee Groetzner hatte da eine Idee. Sie ist seit zwei Jahren eine Grüne Dame im Bergmannsheil. „Komm doch mal vorbei“, schlug sie Annette Kaerger-Steinhoff vor. Die Neu-Rentnerin fand den Weg in die Klinik – und eine neue, „großartige“ Aufgabe.

60 Grüne Damen (und auch eine Handvoll Herren), alle im Best-Ager-Alter jenseits der 50, engagieren sich in der ökumenischen Krankenhaushilfe des Universitätsklinikums. Längst sind sie zu unverzichtbaren guten Seelen, zu ruhenden Polen im allzu oft stressigen Klinikalltag geworden. Annette Kaerger-Steinhoff streift sich ein-, mitunter zweimal pro Woche den hellgrünen Kittel über. Drei bis vier Stunden dauern ihre Einsätze. Gespräche am Krankenbett werden geführt. Patienten werden zu den Untersuchungen begleitet („Lotsendienst“ wird das hier genannt). Die Helfer kaufen zudem Zeitungen, Kekse oder Eis am Kiosk, laden Telefonkarten auf oder betreuen die Bücherei mitsamt des Bücherwagens, der zweimal wöchentlich mit Lesefutter von Station zu Station rollt.

„Es ist sehr erfüllende Arbeit. Ein Gewinn für die Patienten, aber auch für uns. Man bekommt viel mit, Schönes und Trauriges, und erhält einen neuen Blickwinkel aufs Leben“, sagt Annette Kaerger-Steinhoff, die wie ihre Kolleg(inn)en eine neu entwickelte, dreitägige Ausbildung durchlaufen hat. Der Lohn ihrer Arbeit? Kein Geld. Aber: ein kostenloses Mittagessen, rührende Augenblicke wie bei der Liebkosung des Ehepaares und die Überzeugung, seine Freizeit sinnbringend zu gestalten.

Neue Grüne Damen (und Herren!) sind jederzeit willkommen.

Hier können sich Helfer engagieren

Die Mitarbeit bei den Grünen Damen ist nur eine von vielen Möglichkeiten, sich in Bochum ehrenamtlich zu engagieren – zwei weitere gibt es bei der Stadt. Das Amt für Soziales und Wohnen hat eine neue Koordinierungsstelle für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe eingerichtet. Wer sich engagieren will, kann sich bei Nadine Meyer melden (0234/910-1531).

Außerdem kümmert sich die Nachbarschaftshilfe um Senioren, die Hilfe im Alltag benötigen, und fördert die Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben. Wer Interesse hat, kann sich an seinen Nachbarschaftsbezirk oder an das Seniorentelefon wenden (0234/910-2844). Eine Übersicht über weitere ehrenamtliche Dienste hat die Stadt unter www.bochum.de zusammengestellt — darunter auch die Angebote von Caritas, Diakonie, AWo und DRK.

Es gibt aber auch andere Vereine und Einrichtungen, die ständig auf der Suche nach ehrenamtlichen Helfern sind. Beispielsweise bietet das Projekt Pottpuri von „need for feed“ Kindern eine warme Mahlzeit, Hilfe bei den Hausaufgaben und eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Infos unter Tel. 0173/ 53 22 203 oder info@needforfeed.de. Die Leselernhelfer bringen ehrenamtliche Mentoren mit Kindern zusammen, die Förderung beim Lesen benötigen. Kontakt: 0234-13001.

Auch im Tierheim sind die Einsatzmöglichkeiten für Ehrenamtliche vielfältig: Hunde ausführen, Hilfe bei der Pflege der Grünanlagen und handwerkliche Unterstützung – die Mitarbeiter freuen sich über jede helfende Hand. Kontakt zum Tierheim: 0234/295950. Die Initiative „Bochum packt an“ hilft mit dem Projekt „Warm durch die Nacht“ Menschen ohne festen Wohnsitz und versorgt sie mit Kleidung, Essen und Getränken. Weitere Infos unter www.facebook.com/bochumpacktan.

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