Ruhr-Universität Bochum

Gründerstudenten der Ruhr-Uni erinnern an 68er-Bewegung

Prof. Urs Jaeggi, Kurt Biedenkopf, Christoph Zöpel und Roland Ermrich (v.l.) sprachen bei der Veranstaltung „50 Jahre 68er in Bochum“.

Prof. Urs Jaeggi, Kurt Biedenkopf, Christoph Zöpel und Roland Ermrich (v.l.) sprachen bei der Veranstaltung „50 Jahre 68er in Bochum“.

Foto: Svenja Hanusch

Bochum.   Gründerstudenten der Ruhr-Uni Bochum blickten aufs Jahr 1968 zurück. Als Opelaner ihre Hilfe anboten, um eine Studenten-Blockade „zu regeln“.

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„Die Studierenden von heute sind sehr höflich geworden.“ Christoph Zöpel sagt den Satz zum Ende seines Vortrags. Er war in den sechziger Jahren Vorsitzender des allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) an der Ruhr-Universität Bochum.

Das Publikum im Gemeindesaal von St. Martin applaudiert und lacht. Irgendwer ruft: „Langweilig!“. Er meint damit die Studierenden von heute, von den sich kaum einer in die Podiumsdiskussion verirrt hat.

Während der linksgerichteten gesellschaftskritischen 68er-Bewegungen von Studierenden in Westdeutschland galt Bochum als die graue Maus neben den großen Protestbewegungen in Berlin oder Leipzig.

Professoren sorgen sich um Autorität

Zu Unrecht findet der Verein „Wir Gründerstudenten an der Ruhr-Universität“ und erinnert bei einer Podiumsdiskussion an den lebensnahen Geist der Proteste. Redner des Abends sind Kurt Biedenkopf, Urs Jaeggi und Zöpel.

Biedenkopf war von 1967 bis 1969 Rektor der RUB und verhinderte eine Eskalation des Konfliktes mit der Studentenbewegung. Urs Jaeggi war der erste Inhaber des Lehrstuhls für Soziologie an der RUB. Teile der Studentenbewegungen bezogen sich auf seine Werke.

Der ehemalige Rektor Biedenkopf, inzwischen 88, schildert seine Sicht der damaligen Protestbewegungen an der Ruhr-Universität: „Während viele Professoren Angst um ihre Autorität hatten, habe ich versucht, die Bewegungen zu fördern.“

Er stellte den Studierenden drei Räume für Diskussionen zur Verfügung. Sein Ziel war der Brückenschlag zwischen Lehrenden und den Studierenden.

Opelaner bieten Hilfe an

Einen interessanten Einblick in die damalige Situation gibt Biedenkopf außerdem, als er erzählt, dass während einer Blockade des Senats sogar der ehemalige Gewerkschaftschef der Opelaner bei ihm angerufen und seine Hilfe angeboten habe. „Ich kann Ihnen 100 Männer rüberschicken, die das regeln“, soll er am Telefon gesagt haben. Biedenkopf lehnte ab.

Bei Zöpels Ausführungen glänzen die Augen der Anwesenden voller Nostalgie. Immer wieder gibt es Applaus, wenn er die Wichtigkeit für die erkämpften Freiräume und ihre Bedeutung für die moderne Gesellschaft betont. Kritische Worte für die teilweise Radikalisierung oder Bewegungen, die aus 1968 hervorgegangen sind, gibt es kaum.

Keine Berliner Verhältnisse

Zöpel war kurz nach dem Tod von Benno Ohnesorg 1967 in Berlin Vorsitzender des allgemeinen Studierendenausschusses in Bochum geworden. Er erzählt, wie er nach seiner Antrittsrede gefragt wurde ob er „Berliner Verhältnisse einführen wolle“. – „Ich habe damals gekontert und gesagt: Ich bin strikt dagegen, dass in Bochum Studenten erschossen werden.“

Geschlossen wurden die Reden mit einem Fazit: Mehr als 50 Jahre nach der Gründung der Ruhr-Uni sei die erste Universität des Ruhrgebiets eine Erfolgsgeschichte für sich. Sie habe mittlerweile sechs Excellenzcluster und sei auch durch die damaligen Proteste maßgeblich beeinflusst worden.

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