Katastrophenschutz

Großübung: Krisenstäbe trainieren Katastrophenlage

Der kommunale Krisenstab im Rathaus: Stadtdirektor Sebastian Kopietz (hintere Sitzreihe, 4. v. li.) koordinierte das gesamte Geschehen.

Der kommunale Krisenstab im Rathaus: Stadtdirektor Sebastian Kopietz (hintere Sitzreihe, 4. v. li.) koordinierte das gesamte Geschehen.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   In einer Großübung hat die Stadt mit der Feuerwehr und der Polizei eine große Katastrophenlage in Bochum trainiert. Ein Schreckensszenario.

Das Szenario ist dramatisch: Das Festival BO-Total wird am dritten Tag wegen heftiger Gewalttätigkeiten, Unwetter und massiver Bedrohungslagen abgesagt. Gleichzeitig ist es unumgänglich, trotz der Menschenmassen den Hauptbahnhof zu sperren. Zu allem Überfluss brennt in Stahlhausen auch noch eine Recyclingfirma. Hinzu kommt noch ein Stromausfall in Wattenscheid. Das alles findet aber nicht in der Realität statt, sondern ist nur Teil einer Großübung von Bochumer Krisenstäben. Am Donnerstag wurde eine solche absolute Ausnahmesituation einen Tag lang trainiert.

Seit Monaten wurde die Übung vorbereitet. Ziel ist es, für den ganz großen Ernstfall gewappnet zu sein: Lagen blitzschnell einschätzen, Menschen retten und gegebenenfalls auch bergen, Verletzte versorgen, die Bevölkerung warnen, Nachrichtenfluten sortieren und keine wichtigen Informationen verlieren, Gebäude und Züge evakuieren, intensive Pressearbeit leisten, auf Twitter und Facebook kommunizieren – zum Beispiel.

136 Mitarbeiter nahmen an der Übung teil

An einem großen Tisch im Rathaus sitzen 14 Männer. Sie sind hochkonzentriert und gehören der Polizei, der Feuerwehr, dem Gesundheits-, Ordnungs- und Sozialamt sowie dem Technischen Betrieb an. Chef der Runde ist Stadtdirektor Sebastian Kopietz. Er koordiniert alles. „Nächstes Treffen um 18.30 Uhr, in 20 Minuten“, sagt er mit fester Stimme. Tatsächlich ist es 9.50 Uhr. Trainiert wird aber eine Großlage, die sich an einem Samstagabend im Sommer ereignet.

Teilnehmer kannten Szenarien nicht

Insgesamt nehmen an dieser Übung 136 Mitarbeiter der Stadt und der Polizei teil. Die Feuerwehr ist mit einem großen Krisenstab in der Hauptwache Werne zugeschaltet. Auch die Polizei Dortmund ist eingebunden, weil sie auch in der Realität das Kommando übernehmen würde, wenn in Bochum ein Ausnahmezustand herrscht. Wie beim Bergmannsheils-Brand 2016.

Alle spielen eine fiktive Großlage durch, von der kaum jemand weiß, ob oder wie viele Tote es geben wird. Möglichst wenige sollen wissen, was auf sie zukommt, denn sonst würde das ihr Verhalten beeinflussen. Plötzlich erfahren sie, dass viele Zug-Fahrgäste, die zu BO-Total wollen, auf der Strecke Dortmund-Bochum ausgestiegen sind und über die Gleise laufen, weil der Zug wegen eines umgestürzten Baumes nicht weiterfährt.

Trainiert werden „Szenarien, die so schlimm sind, dass sie hoffentlich nicht Realität werden“, sagt Polizeidirektor Martin Jansen. „Das ist schon heftig.“ Durchgespielt wurde auch eine Unterbringung der BO-Total-Besucher, die nicht nach Hause konnten: Für sie wurden das Musikforum und das Alice-Salomon-Kolleg geöffnet.

>>> Größte Übung seit ganz langer Zeit

Eine Großübung in diesem Umfang hat es zumindest in der jüngeren Vergangenheit in Bochum nicht gegeben. Die Bevölkerung bekam davon überhaupt nichts mit.


Im kleineren Rahmen hat die Stadt zuletzt auch andere besondere Krisensituationen geübt, etwa den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest.


Die Feuerwehr probt regelmäßig in eigener Regie besondere Ausnahmesituationen.

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