Gesundheit

Gesundheits-Kongress zeigt Wege in vernetzte Zukunft auf

Holger Steudemann, Birgit Fischer und Prof. Josef Hilbert (v.l.) sind die Ideengeber des Gesundheitskongresses in der Ruhr-Universität.

Holger Steudemann, Birgit Fischer und Prof. Josef Hilbert (v.l.) sind die Ideengeber des Gesundheitskongresses in der Ruhr-Universität.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum.  Kliniken und Arztpraxen haben bei der Digitalisierung vielfach Nachholbedarf. Ein Fachkongress will Wege in eine vernetzte Zukunft aufzeigen.

Krankenhäuser und Arztpraxen haben bei der Digitalisierung vielfach noch erheblichen Nachholbedarf. Wege in eine vernetzte Zukunft will ein Kongress aufzeigen, zu dem sich mehr als 450 Vertreter aus der Gesundheitswirtschaft am Dienstag in Bochum eingefunden haben.

„INNOlab“ heißt die Fachtagung, die nach der Premiere 2018 auf dem Bochumer Gesundheitscampus in das Veranstaltungszentrum der Ruhr-Universität gewechselt ist. Wie kann die Versorgung der Patienten verbessert, wie können die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter in den Kliniken und Praxen optimiert werden? Fragen und Herausforderungen, bei denen die Politik in Bund und Land zwar die großen Linien zeichnet, bei denen „alle Akteure aber auch selbst aufgerufen sind, sich mit ihrer Expertise zu verknüpfen: gerade hier im Ballungsraum Ruhrgebiet“, sagt die ehemalige NRW-Gesundheitsministerin Birgit Fischer als eine Ideengeberin des Kongresses.

Patienten sollen von der modernen Technik profitieren

Das Hauptaugenmerk liegt bei der Digitalisierung in Krankenhäusern. Dahinter verberge sich weit mehr als der Ausbau der hausinternen IT, betont Holger Steudemann vom „INNOlab“-Organisationsbüro. „Im Smart Hospital der Zukunft unterstützen und vereinfachen digitale Anwendungen medizinische und pflegerische Prozesse. Dies kommt vor allem denen zugute, die im Mittelpunkt des Handelns stehen sollten: den Patienten“, heißt es. Indem Bilddaten, Diagnosen oder Medikationen schneller erstellt und abrufbar sind und Doppeluntersuchungen vermieden werden, könne der Klinikalltag für die „oft überlasteten“ Pflegekräfte erleichtert werden.

„Das Wichtigste: Es bleibt mehr Zeit für die direkte Kommunikation mit den Patienten“, so Birgit Fischer. Die profitierten zusätzlich: „Bereits vor dem Aufenthalt können notwendige Formulare ausgefüllt werden; es liegen wichtige Informationen zu Anreise, Aufnahme und Aufenthalt digital und übersichtlich auf dem eigenen Smartphone vor.“ In ihren Zimmern erhalten die Patienten über Tablets Informationen zu den nächsten Behandlungsschritten oder dem Personal auf der Station.

Neue Wege bei der Personalsuche

Apropos Personal: Selbst die modernste Technik kann eine der Hauptsorgen nicht beseitigen – den Fachkräftemangel. „Die Branche sucht händeringend Mitarbeiter“, weiß Prof. Josef Hilbert, Direktor des Instituts für Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen. Das Revier mit seiner nach wie vor hohen Arbeitslosenquote könne und müsse hier neue Wege gehen. Vielfach seien es gesundheitliche Beeinträchtigungen, die eine Arbeitsaufnahme erschweren. Es gelte, diese Probleme zu lösen und Erwerbslose von heute als Mitarbeiter von morgen zu gewinnen, sagt Hilbert.

Ein Modellprojekt im Kreis Recklinghausen hält der IAT-Chef für wegweisend. Das örtliche Jobcenter hilft Arbeitsuchenden fortan auch bei gesundheitlichen Einschränkungen. 15 Millionen Euro stellt der Bund für das Förderprogramm „Rehapro“ bereit. 375 Erwerbslose sollen so im Zusammenwirken mit örtlichen Gesundheitsdienstleistern für das Berufsleben fit gemacht werden.

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