Tour der guten Nachrichten

Gesprächskreis für Senioren macht aus Fremden Nachbarn

Als ehrenamtliche „Kontaktperson“ in der Senioren-Wohnanlage hat Barbara Weighardt (vorne, 2.v.l.) die regelmäßigen Treffen initiiert. Dadurch sind aus Fremden gute Nachbarn geworden.

Foto: Ingo Otto

Als ehrenamtliche „Kontaktperson“ in der Senioren-Wohnanlage hat Barbara Weighardt (vorne, 2.v.l.) die regelmäßigen Treffen initiiert. Dadurch sind aus Fremden gute Nachbarn geworden. Foto: Ingo Otto

Bochum.   Obwohl sie Tür an Tür leben, kannten sich die Nachbarn in der Wohnanlage kaum. Dann begann eine Ehrenamtlerin, regelmäßige Treffen anzubieten.

In die hinterste Ecke des Eiscafés haben sie sich zurückgezogen, um ungestört und in voller Lautstärke zu plaudern und zu lachen: Elf Damen, die weder einem Club angehören, noch durch gemeinsame Verwandte zusammengebracht wurden – sie wohnen einfach nur in der gleichen Wohnanlage für Senioren. Und könnten ihren Kontakt problemlos auf einen höflichen Gruß im Hausflur beschränken.

Dass sie das nicht tun, sondern sich alle vier Wochen zum gemütlichen Beisammensein treffen, gemeinsam singen, Anekdoten austauschen, aber auch Persönliches miteinander besprechen, hat vor allem mit Barbara Weighardt zu tun.

Hilfe bei persönlichen Dingen

Als Ehrenamtlerin engagiert sie sich für das „soziale Miteinander“ in der Wohnanlage Haus Kesterkamp 1 in Linden: Sie vermittelt zwischen Bewohnern, Vermietern, Wohlfahrtsverbänden und dem städtischen Seniorenbüro. Um den Senioren bei persönlichen Angelegenheiten, Formalitäten, oder in Notlagen zu helfen – aber auch, um die Anonymität aufzulösen, in der viele normalerweise vor sich hin leben.

„Gerade Alleinstehende brauchen doch mal jemanden zum Reden“, sagt Barbara Weighardt, „und auch, wenn man noch einen Partner hat, sind soziale Kontakte über die Beziehung hinaus sehr wichtig“.

Der Einsatz scheint sich zu lohnen: Neu Zugezogene berichten, dass ihnen die Treffen das Einleben erleichtert hätten; „Alteingesessene“ bestätigen, dass die Hausgemeinschaft in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden sei. Wo früher nur „Guten Tag“ gesagt wurde, bleibt man heute für „ein Schwätzchen“ stehen. Und, was noch viel wichtiger ist: Sie alle achten aufeinander, werden stutzig, wenn sie jemanden längere Zeit nicht gesehen haben und schauen nach dem Rechten. „Man kann bei jedem klingeln, wenn man in Not ist“, sagt Hilde Kielbasser.

Herren sind eine Bereicherung

Als Barbara Weighardt 2011 als sogenannte „Kontaktperson“ anfing, suchte sie sofort das Gespräch mit den Bewohnern. Ihre Idee, sich alle vier Wochen zum Kaffeetrinken zu treffen, wurde gut angenommen. Das Vertrauen unter den Senioren wuchs zusehens, die Gespräche wurden persönlicher. Dass der Runde dieses Mal nur Damen angehören, ist übrigens nicht beabsichtigt. „Die Herren sind immer eine Bereicherung“, sagt Barbara Weighardt. Aber bei denen spielt die Gesundheit gerade nicht so mit. Grüße werden dennoch fleißig weitergegeben.

Noch heute lädt Barbara Weighardt die Bewohner mit einem persönlichen Schreiben zu jedem Treffen ein. Aber das Ganze wird zunehmend zum Selbstläufer: Vor einiger Zeit war die Ehrenamtlerin zum geplanten Termin krank – da trafen sich ein paar Bewohner einfach im Flur und unterhielten sich dort. Mittlerweile kennt man sich ja.

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