Kochen als Kunst

Gemüse schnibbeln als Kunstaktion im Theaterhof Rottstraße

Anni Peschel vom St. Marienstift ist mit viel Freude bei der Sache.

Anni Peschel vom St. Marienstift ist mit viel Freude bei der Sache.

Foto: Klaus Pollkläsener

Mitte.   Senioren des St. Marienstifts beteiligten sich an Aktion der Organisation „Urbane Künste Ruhr“ an der Rottstraße 5. Alt und Jung kochen zusammen.

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Da sitzen sie und schnibbeln. Zucchini, Paprika, Knoblauch, Tomaten. Heute gibt’s Zucchini- und Tomaten-Paprikasuppe. Die zehn Senioren des St. Marienstifts sind heute vegan drauf. Im Heim werde viel Gemüse gegessen, sagt Margarete Heinevetter. „Aber ich esse auch gerne mal ein anständiges Kotelett“, sagt die rüstige 94-Jährige.

„Naturaldividende herstellen & Ausschüttung“ ist die heutige Aktion betitelt. Sie läuft im Rahmen von „COOP 3000 – eine neosolidarische Concerngründung“, einem ziemliche schrägen Projekt der Kunstorganisation „Urbane Künste Ruhr“. Am Sonntag gingen die „neosolidarischen Tage“ zu Ende. Es gab in den Tagen zuvor Workshops, Filme, Kochen und Party rund um die Rottstraße.

Das Seniorenkochen ist als „Performance“ angekündigt. Performance klingt ja irgendwie nach Kunst, nach Kultur. Kann man so sehen, doch ein zufällig vorbeikommender Passant würde hinter der Schnibbelei wohl kaum einen künstlerischen Akt vermuten. Ist es aber. Aktionskunst. Aktionskunst? Aber ja. Ganz bestimmt.

Auf ein Bier ins Bermuda-Dreieck

Erreicht werden soll aber auch Nähe. Es sollen Menschen zusammenkommen, die sich im Alltag nicht begegnen würden. Und Alt und Jung sollen in Kontakt miteinander treten.

Wie Josefine Habermehl mit Manfred Duch. Die 29-Jährige sitzt neben dem 76-Jährigen an dem langen Tisch unter dem langen Welldach über dem Hof der Rottstraße. Ihm gehört ein Teil der Anlage, sie ist Produktionsassistention bei Urbane Künste. Er schnibbelt Zucchini, sie Zwiebeln. Das ist zum Heulen. Sie finden die Aktion „großartig“.

Das empfindet auch Anni Niedballa so. „Das ist alles so gemeinschaftlich“, meint die 69-Jährige. Und Margarete Heinevetter ist auch begeistert, sie sagt: „Es ist toll, das sollte man viel öfter machen. Und es ist auch gut, dass junge Leute mal kochen lernen.“ Gekocht wird später auf der „Rollkantine“; Tim hat schon mal Tomaten ins Wasser geschmissen.

Nun ist es aber nicht so, dass die Senioren ihr ganzes Leben im Heim fristen. Ganz und gar nicht. „Wir gehen auch zu Bochum Total“, sagt Milena Röhr, Leiterin des St. Marienstifts. „Und ins Bermuda-Dreieck, Bierchen trinken.“

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