Hilfsaktion

Für leukämiekranken Emil soll Leidenszeit bald vorbei sein

Endlich wieder daheim: Emil Schmidt mit Mutter Christine und Schwester Josephine im Garten an der Lenbachstraße in Weitmar.

Endlich wieder daheim: Emil Schmidt mit Mutter Christine und Schwester Josephine im Garten an der Lenbachstraße in Weitmar.

Foto: Gero Helm

Bochum.   Der an Leukämie erkrankte Emil aus Bochum ist wieder daheim bei seiner Familie. Nach den Sommerferien will er in die Schule zurückkehren.

Mit dem Pauker zu Hause lernen? Mit ihm daheim Klausuren schreiben? Für die meisten Schüler eine grausige Vorstellung. Für Emil ist es das wahre Glück. Seit einem Monat ist der 15-Jährige zurück bei seiner Familie. Wöchentlich steht dreimal seine Klassenlehrerin und zweimal der Mathelehrer in Weitmar auf der Matte. Heim-Unterricht. Ein gutes Zeichen, dass es nach der Knochenmark-Transplantation nun stetig aufwärts geht.

Das schwere Schicksal von Familie Schmidt bewegt die Stadt. Im Herbst 2016 erkrankt der Heinrich-Böll-Gesamtschüler an Leukämie. Monatelang bangen die Eltern, die fünf Geschwister, Freunde und Bekannte um Emil. Zum Jahreswechsel die frohe Botschaft: Seine Schwester Josephine (22) kommt als Knochenmarkspenderin für den tapferen Emil infrage.

Sechs Wochen auf der Isolierstation

Am 2. März erfolgt der Eingriff in der Uni-Klinik Essen. „Die OP verlief gut. Alle waren erleichtert. Alle dachten: Jetzt wird alles gut“, schildert Mutter Christine (50). Doch erst einmal herrscht Alarm. Hohes Fieber, heftige Hautausschläge: Die Nebenwirkungen der Medikamente zwingen Emil weitere sechs Wochen auf die Isolierstation der Klinik. Nur die Eltern und Josephine dürfen ins Zimmer. „Anstrengend“ nennt Emil im WAZ-Gespräch diese bleierne Zeit. Und meint: furchtbar.

Im April scheint das Schlimmste überstanden. Doch wieder kommt es zum Rückschlag. Emil fängt sich einen Keim ein. 40 Grad Fieber. Wieder Klinik. Wieder Angst. Wieder Warten: Wann ist die Geißel Krebs im Körper endlich besiegt?

Stolz auf Schwester Josephine

Nach 100 Tagen, Mitte Juni, gibt’s eine Antwort. Erst dann weiß man, ob die Stammzellen anschlagen. „Es sieht danach aus“, sagt Josephine und ist „glücklich“, das Leben ihres Bruders gerettet zu haben. Der belässt es bei einem kurzen Satz, der doch so viel aussagt: „Ich bin sehr stolz auf meine Schwester.“

Gemeinsam arbeiten die Schmidts in diesen Wochen in ihrem behaglichen Haus an der Lenbachstraße an der Rückkehr zu so etwas wie Normalität. Emils Immunsystem ist noch geschwächt. Das Essen muss keimfrei sein; einmal pro Woche muss er zur Kontrolluntersuchung in die Uni-Klinik. Doch langsam kann er sich wieder seinem Hobby, der Fotografie, widmen. Vor Kurzem saß die ganze Familie erstmals seit einer halben Ewigkeit beim Grillen zusammen. Josephine: „Solche Abende weiß man erst jetzt richtig zu schätzen.“ Und dank des Heimunterrichts macht Emil gute Fortschritte beim Nachholen des Schulstoffs: „Obwohl es schon komisch ist, wenn der Lehrer bei einer Klausur direkt neben einem sitzt.“

Für Juli/August ist ein Familienurlaub in Dänemark gebucht – dank der Spenden, die seit Herbst eingehen (siehe Info-Kasten), kann die Reise eine Woche länger als geplant dauern. Nötig haben es die Weitmarer. Und verdient allemal.

Nach den Sommerferien will Emil unbedingt in die Heinrich-Böll-Gesamtschule zurückkehren. Das Ferienende. Für die meisten Schüler eine grausige Vorstellung. Für Emil ist es das wahre Glück.

>>> Familie dankt allen Helfern

Herzlichen Dank sagt Familie Schmidt allen Bochumern, die Hilfe geleistet haben: der Bunten Schule in Langendreer (hier ist Mutter Christine Lehrerin) ebenso wie der Damenmannschaft von Amacspor Dahlhausen (hier kickt Schwester Josephine) sowie allen weiteren Unterstützern.

Emil: „So viel Hilfe zu bekommen, ist einfach nur großartig.“

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