Warnstreik

Frühschicht von Johnson Controls streikte in Bochum

Raus aus dem Werk. Betriebsratsvorsitzender Dietmar Kupfer (l.) und etwa 100 Beschäftigte von Johnson Controls folgten am Dienstag dem Aufruf der IG Metall zum Warnstreik.

Raus aus dem Werk. Betriebsratsvorsitzender Dietmar Kupfer (l.) und etwa 100 Beschäftigte von Johnson Controls folgten am Dienstag dem Aufruf der IG Metall zum Warnstreik.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   100 Mitarbeiter des Automobilzulieferers Johnson Controls in Bochum nahmen am Dienstag am Warnstreik der IG Metall in der NRW-Textil- und Bekleidungsindustrie teil. Die Belegschaft des Standorts schmilzt um 123 Beschäftigte. 2016 droht das Aus für das gesamte Werk.

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Mit Dutzenden von Sitzgruppen für die Produktion des Opel Zafira in Bochum und des Ford Fiesta in Köln ins Hintertreffen geriet der Automobilzulieferer Johnson Controls am Dienstagmorgen. Etwa 100 Beschäftigte der Frühschicht legten für einen einstündigen Warnstreik die Arbeit nieder.

Die Bänder standen still, die Mitarbeiter demonstrierten derweil vor dem Werkstor. Wie in einigen anderen Städten auch folgten sie damit einem Aufruf der IG Metall. Diese wollte vor dem Fortgang der Tarifverhandlungen der Textil- und Bekleidungsindustrie in NRW heute in Münster Druck auf die Arbeitgeber ausüben.

Denn die haben bislang noch kein Angebot unterbreitet. „Eine Unverschämtheit“, sagt Gewerkschaftssekretärin Wencke Hartjes. Fünf Prozent mehr Lohn fordert die IG Metall für die 25 000 Beschäftigten in der Textil- und Bekleidungsindustrie. Sie orientiere sich dabei an der gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsentwicklung und der Inflationsrate. Und: „Außerdem möchten wir etwas oben drauf haben“, so Hartjes.

Schwierige Situation

Ein wenig in Sorge sei sie schon gewesen, ob und wie viele Mitarbeiter von Johnson Controls diesmal dem Aufruf zum Warnstreik folgen würden. Auch Betriebsratsvorsitzender Dietmar Kupfer sagte: „Ich bin froh, dass trotz der schwierigen Situation etliche Kollegen hier sind.“

Das Bochumer Werk des US-Konzerns verliert Anfang Dezember durch das Aus für das Werk in Laer seinen Opel-Auftrag und trennt sich daher von einem Teil der Belegschaft.

53 Beschäftigte nahmen am freiwilligen Austrittsprogramm teil; für weitere 70 Mitarbeiter – 35 aus der Produktion sowie 35 Gabelstaplerfahrer oder Verwaltungsmitarbeiter – greift der Sozialplan. Einige Beschäftigte sind bereits gegangen. Leiharbeiter erledigen bis zum Auftragsende am 12. Dezember ihre Arbeit.

„Es ist schade, dass wir die Kündigungen nicht verhindern konnten. Immerhin haben wir erreicht, dass sich die Abfindungen verbessern“, so Kupfer. Er wie auch weitere Redner mahnten an, weiter für Arbeitnehmerinteressen einzustehen. Das bislang beste Tarifergebnis, eine Lohnerhöhung um 3,6 Prozent, habe es 2008 gegeben, als die Beteiligung an Warnstreiks besonders hoch gewesen sei. Kupfer mahnte: „Es geht um Lohnerhöhungen, um Arbeitsbedingungen und um unsere Arbeitsplätze.“

600 Beschäftigte

Mit 600 Beschäftigten ist Johnson Controls weiterhin ein großer Arbeitgeber in der Stadt. Allerdings droht er in zwei Jahren von der Bildfläche zu verschwinden. Für den Fiesta-Auftrag gibt es über 2016 hinaus noch keinen Anschluss.

„Wenn kein Wunder passiert, dann ist hier in zwei Jahren Schluss“, sagt Kupfer. Werke in Espelkamp und Wuppertal wurden bereits geschlossen, weitere in Rastatt und Grefrath drohe die Schließung. Er habe den Eindruck, dass sich Johnson Controls aus der Fertigung von Autoteilen zurückziehe.

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