Freie Szene

Freies  Kunst  erritorium muss zwangsweise umziehen

Ausstellungsraum im FKT

Ausstellungsraum im FKT

Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool

Bochum.  Das Freie Kunst Territorium (FKT) muss sein Domizil an der Bessemerstraße 30 räumen. Grund: Grundstückseigentümer Thyssen Krupp hat das Gelände und die Immobilie der ehemaligen Krupp-Betriebskrankenkasse verkauft.

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Damit haben sich Pläne zerschlagen, wonach die Künstlergemeinschaft versuchen wollte, das Gebäude samt Grundstück (Kaufpreis: angeblich eine einstellige Millionen-Euro-Summe) selbst zu erwerben. Zur Vorbereitung hatte im April ein Workshop stattgefunden, zu dem die Initiatoren, Dorothee Schäfer und Uwe Siemens Künstler, Anwälte, Architekten, Partner, Sponsoren und Vertreter der Stadt eingeladen hatten (die WAZ berichtete).

Das Konzept sah vor, in verschiedenen Gebäudeteilen des ehemaligen Bürohauses Ateliers, Künstler-Residenzen, Werkstätten, Ausstellungsräume und im Außenbereich Raum für Skulpturen zu schaffen. Eine kreative Stadtteil-Brücke ins „Westend“ sollte zudem geschlagen werden.

Nur Zwischennutzung

Das ist nun Makulatur, wie es aussieht, müssen die Künstler bis August – also bereits in knapp fünf Wochen – das Gebäude, das stets auf Zwischennutzung angelegt war, räumen. Zwar war immer damit zu rechnen, dass ein Käufer in Erscheinung treten würde, trotzdem ist die Enttäuschung jetzt groß. Dorothee Schäfer: „Das ist eine Katastrophe. Damit beraubt man uns unserer Existenzgrundlage.“ Die meisten Künstler hätten in den Ateliers ihren Lebensunterhalt verdient. Die Bildhauerin wirft der Stadt vor, dem FKT nicht ausreichend Rückhalt gegeben zu haben. „Geredet wird viel, aber als es darum ging, uns wirklich zu unterstützen, passierte nichts.“

Das Freie Kunst Territorium gehört seit 2009 zum kreativen Kern der Bochumer freien Szene. Einst war das FKT an der Diekampstraße heimisch; hier wurde der Begriff erstmals mit künstlerischem Leben gefüllt. Der Name zielt als Synonym auf die freie Kunst und ihre „Unzähmbarkeit“, wobei „Territorium“ bewusst als Abgrenzung für den Kunstanspruch und für den Zufluchtsort der Kunst in allen Facetten steht. Mitwirkende Künstler/innen sind der Maler Christoph Gruse, der Fotograf Cristóbal Márquez (alias „Tobalo“), die Bildhauerin Dorothee Schäfer, die Malerin Gabi Moll, der Maler und Grafiker Uwe Siemens und – als Kunstvermittlerin – Joanna Zadora-Gruse.

Das FKT-Areal abseits der Bessemerstraße spielt aktuell auch beim Detroit-Projekt des Schauspielhauses eine Rolle, es wird von der spanischen Truppe Basurama und von der Gruppe Modularbeat aus Münster mit-genutzt. Letztere installierte im zugewucherten Hinterland zuletzt die spektakuläre, siebeneinhalb Meter hohe „Ein-Mann-Sauna“.

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