Urteil

Frau schmuggelte Heroin in die JVA Bochum: Bewährungsstrafe

Durch die Pforte hatte die Angeklagte die Drogen geschmuggelt.

Durch die Pforte hatte die Angeklagte die Drogen geschmuggelt.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Weil er sich Drogen in die JVA schmuggeln ließ, wurde ein 42-Jähriger erneut zu Haft verurteilt. Auch seine damalige Freundin wurde bestraft.

„Ich dachte, ich muss das reinbringen. Sonst ist er tot.“ Das sagte am Dienstag eine 32-jährige Frau vor dem Amtsgericht. Sie hatte für ihren damaligen Freund (42) Drogen in die JVA geschmuggelt, weil er dort Schulden hatte und massivem Druck von russischen Mitgefangenen ausgesetzt gewesen sein soll. Er wurde zu weiteren zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt (keine Bewährung möglich), die Frau zu zehn Monaten Haft auf Bewährung.

Der 42-Jährige saß im September 2016 in Bochum wieder einmal eine Haftstrafe ab. Seit der Jugend ist er drogensüchtig. Immer wieder landete er wegen Diebstählen und Drogendelikten im Knast (14 Vorstrafen). Eines Tages besorgte er sich neuen Stoff von russischen Mithäftlingen. „Der Drogenhandel in der JVA Bochum ist fest in russischer Hand“, sagte sein Verteidiger.

„Ich hatte Angst um ihn. Er war der Mann meines Lebens“

Die Drogen waren aber nur geliehen. Als der Tag der Rückzahlung nahte, veranlasste der 42-Jährige seine damalige Freundin, Mutter seiner Tochter (5), etwas ins Gefängnis zu schmuggeln. Bei Besuchsterminen waren ihr schon diverse „Blessuren“ bei ihm aufgefallen. „Ich hatte Angst um ihn. Er war der Mann meines Lebens. Ich wollte ihn nur retten“, sagte sie den Richtern. Auch er selbst habe „Angst um sein Leben“ gehabt.

Am 17. September 2016 versteckte sie 18,6 Gramm Haschisch und 22 Gramm Heroin in einem Kondom und dieses im Intimbereich – und ging in die JVA. Ihre Tochter (damals 3) war auch dabei, denn es fand ein Familienseminar statt. Die Drogen wollte sie ihrem damaligen Freund zustecken, so dass er sie den Russen zurückgeben konnte. Diese sollen zuvor aus der JVA heraus dafür gesorgt haben, dass jemand aus Holland bei ihr vorbeikommt und ihr das Rauschgift vorbeibringt. Doch weil das Paar bei dem Familienseminar nervös wirkte, wurden beide von Justizvollzugspersonal kontrolliert. In einer Lebensmitteltüte fanden die Beamten das Zeug.

Laut Anklage waren die Drogen in einer Windel versteckt

Laut Anklage sollte die Frau die Drogen in einer Windel versteckt haben. Aber das bestritten die Angeklagten. Mittlerweile sitzt der 42-Jährige in der JVA Willich. Das Paar ist längst getrennt. Sie ist nicht vorbestraft und arbeitet in der Altenpflege.

64 Prozent der Inhaftierten in Bochum haben ein Drogenproblem.

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