Westdeutscher Salon

Frank Goosen gibt endlich wieder Lektüretipps in Bochum

Frank Goosen (hier bei einem Aufritt in Gelsenkirchen) stellt wieder junge Autoren vor – ab jetzt in der Rotunde.

Frank Goosen (hier bei einem Aufritt in Gelsenkirchen) stellt wieder junge Autoren vor – ab jetzt in der Rotunde.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Bochum.  Mit dem „Westdeutschen Salon“ in der Rotunde knüpft der Autor an seine Reihe „Goosens neue Bücher“ an. Am Erfolgsrezept wird nicht gerüttelt.

Wie begeistert man die Menschen für Literatur und bringt sie dazu, mal wieder ganz analog ein gutes Buch zur Hand zu nehmen? Ganz einfach: Man bietet ihnen eine lustige, bunte Show, bei der sich niemand unter Niveau amüsiert, und schiebt ihnen die Lektüretipps wie nebenbei unter. So gesehen war „Goosens neue Bücher“, die Literaturreihe des Bochumer Autors Frank Goosen, ein Abend aus tiefer Überzeugung: fürs gehobene Entertainment und vor allem für den Wert des gedruckten Wortes.

Eine ganze Weile unterhielt Goosen mit diesem launigen Mix eine stetig wachsende Anhängerschaft im Schauspielhaus, ehe vor mehr als einem Jahr der letzte Buchdeckel zugeklappt wurde und der Maestro seinen längst zu eisernen Literaturfans gereiften Zuschauern einen schönen Abend wünschte. „Ich bin in ein tiefes Loch gefallen“, scherzt der vielbeschäftigte Goosen heute, denn wie gern er seine kleine Literaturreihe voran getrieben hat, merkt man ihm an.

Doch nach dem Buch ist vor dem Buch: So eröffnete Frank Goosen am Mittwochabend seinen ersten Literatur-Talk nach bekanntem Rezept, aber an einem neuen Spielort: In der Rotunde am Konrad-Adenauer-Platz möchte er künftig regelmäßig (geplant sind drei Termine pro Jahr) in den „Westdeutschen Salon“ einladen.

An der Erfolgsformel wird nicht gerüttelt

Der Titel bleibt etwas nebulös, denn weder sieht die aus uralten Sitzpolstern zusammengestellte Bühne nach einem gediegenen Salon aus, noch spielt Westdeutschland überhaupt eine Rolle. Doch der Name klingt cool, und an der Erfolgsformel wird nicht gerüttelt. Im Mittelpunkt stehen junge Autoren und ihre Arbeiten, die bislang nur wenigen bekannt sein dürften. Dazu liest Goosen eigene Geschichten, die ihn von Cliff Barnes aus „Dallas“ über Donald Trump bis (natürlich) zum Fußball führen und einige im Saal tatsächlich auf die Idee gebracht haben, mal wieder den wunderbaren Film „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ mit Burt Reynolds zu schauen.

Als große Bereicherung des Abends erweist sich erneut Markus Henrik, Goosens früherer „Sidekick“, der als Dr. Pop mittlerweile die größeren Comedy-Säle des Landes füllt. Mithilfe eines geheimnisvollen Schaltkastens voller bunter Knöpfe spielt er kleine Filmchen und Musikschnipsel ein und findet in Gangster-Rapper Capital Bra und Volkslieder-Rocker Andreas Gabalier leichte Opfer, über die es sich genüsslich herziehen lässt. Henriks Rückkehr dürfte aber vorerst ein einmaliges Gastspiel bleiben.

Shootingstar der österreichischen Literaturszene

Mit dem Münchner Autor Berni Mayer und seiner österreichischen Kollegin Vea Kaiser sind zwei junge Literaten im Salon zu Gast, deren Bücher definitiv einen Blick lohnen. In seinem Coming-of-Age-Roman „Ein gemachter Mann“ erzählt Mayer von den amourösen Verwicklungen seines jungen, sympathischen Helden in den 90er Jahren, von Mayer gern als „verklemmter Wurschti“ bezeichnet. Vea Kaiser wurde 2012 mit ihrem Debüt „Blasmusikpop“ zum Shootingstar der österreichischen Literaturszene. Mit wundervollem Wiener Dialekt und energischem Auftreten fegt Kaiser wie eine Urgewalt durch den Salon und liest nebenher eine Passage aus ihrem neuen Roman „Rückwärzwalzer“, eine skurrile, warmherzige Familiengeschichte.

Mit über zweieinhalb Stunden (inklusive Pause) gerät Goosens neuer Literatur-Talk zwar arg lang, aber dennoch kurzweilig. Der nächste Abend folgt im Herbst, das genaue Datum steht noch nicht fest.

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