Porträt-Ausstellung

Fotograf Wittershagen richtet den Blick aufs Wesentliche

Walter Wittershagen im Atelierhaus Elf in einer Pose, die sich in seinen Porträtaufnahmen wiederfinden. Im Hintergrund sind zwei seiner Fotos zu sehen.

Walter Wittershagen im Atelierhaus Elf in einer Pose, die sich in seinen Porträtaufnahmen wiederfinden. Im Hintergrund sind zwei seiner Fotos zu sehen.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.  Im Bochumer Atelierhaus Elf zeigt der Fotokünstler Walter Wittershagen seine Porträt-Serie „Visage caché“. Die Herangehensweise ist besonders.

Porträtfotografie zählt zu den beliebtesten Spielarten der Fotografie. Nicht verwunderlich, denn dabei geht es um Menschen. Und nichts interessiert Menschen (die Betrachter) so sehr wie Menschen (die Abgebildeten).

„Menschen sind das spannendste Motiv“, sagt auch Walter Wittershagen, der mit seiner Bilderschau „Visage caché“ als Gastkünstler im Kunsthaus Elf in Altenbochum vertreten ist. Jeder Fotografierte bringt seine eigene Geschichte mit, und mit guten Porträts gelingt es, bestimmte Eindrücke dieser Lebens-Geschichten festzuhalten. So weit die grundsätzlich Übereinkunft, die weit in die Geschichte der modernen Fotografie zurückreicht, man denke an die Aufnahmen etwa von Gisèle Freund, Elliot Erwitt oder Annie Leibovitz.

Künstlerische Überhöhung

In seiner bereits vor zehn Jahren konzipierten Serie „Visage caché“ schlägt der Wittener Fotograf Wittershagen einen anderen Weg ein. Er entschied sich für Porträts, die nicht die Individualität der Abgebildeten betonen, sondern grundlegende Aspekte des Menschlichen. Walter Wittershagens „verdeckte Gesichter“ sind nie in ihren mimischen Ausformungen als Persönlichkeit erkennbar, aber als Person in Form von Posen des Ausdrucks, der Verletzlichkeit, der Attitüde. Dieser künstlerischen Überhöhung entspricht die formale Gestaltung der s/w-Aufnahmen: Sie wirken fast grafisch, wie komponiert, die Fotografien bilden nichts „Reales“ ab, sondern eröffnen Sinnes-Räume des Betrachtens. So verdoppelt sich der „Wert“ der Aufnahmen – eine cleveres Unterfangen, das dazu sehr einnehmend umgesetzt ist.

Abgestufte Grau- und Schwarztöne

Der Fotograf ist „nah dran“ an seinem Modell, er fotografiert mit offener Blende, so gibt es einen Schärfepunkt, der Bestimmtes betont – etwa Poren der Haut oder Härchen auf dem Arm –, und das körperliche Umfeld in diffusem Weiß oder abgestuften Grau- und Schwarztönen belässt.

Als Betrachter lernt man in der Porträtfotografie für gewöhnlich ständig neue Menschen kennen, und natürlich gleich keiner dem Anderen. In „Visage caché“ lernt man vor allem einen Fotografen kennen, der einen sehr individuellen Blick mitbringt.

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