Fotografie

Foto-Austellung blickt zurück auf die punkigen 80er Jahre

Ulrike Kaßler kuratiert die Ping Pong Gallery. Mit den Fotografien von Olaf Ballnus gelingt ihr eine veritable Wiederentdeckung.

Ulrike Kaßler kuratiert die Ping Pong Gallery. Mit den Fotografien von Olaf Ballnus gelingt ihr eine veritable Wiederentdeckung.

Foto: Ingo Otto

Bochum.  Die Ping Pong Gallery überrascht mit einer Fotoausstellung von Olaf Ballnus. Die Punkszene lebte in den 80ern direkt vor seiner Bochumer Haustür.

Einen Blick zurück in die tiefsten 80er Jahre gewährt die Ping Pong Gallery mit ihrer neuen Ausstellung „Superreal Punk“. Zu sehen sind Fotografien von Olaf Ballnus, der vor über 30 Jahren die Szene zwischen Bochum und Berlin vors Kamera-Auge genommen hatte.

Mut zu originellen Formaten

Die Ping Pong Gallery befindet sich im Tischtennisraum der Lokalität „Trinkhalle“ an der Herner Straße 8; die Kuratorin Ulrike Kaßler zeichnet aus, dass sie Mut auch zu unorthodoxen Ausstellungsformaten hat. Sie entdeckte den Ruhrgebiets-Fotografen Reinhard Krause wieder, zuletzt war in der Galerie im Kortländer-Kiez die Klanginstallation „The Ping of Pongs“ von Jendreiko & Kallabris zu erleben (die WAZ berichtete).

Früher Bochum, heute Hamburg

Nun also die Punk-Fotos von Olaf Ballnus (*1962). Der Foto- und Videokünstler lebt inzwischen in Hamburg, war aber Anfang der 80er Jahre in Bochum aktiv. Er blickte damals nicht von Außen auf die anschwellende Punk- und Hausbesetzer-Szene, sondern war Teil der lauten und provokanten Bewegung, deren Merkmal das „Dagegen!“ war – das spießig-bürgerliche Gesellschaftskorsett war eng und bedurfte der Auflösung. Haltung, Aussehen, Klamotten: Punk als Jugendbewegung brachte eigene Codes heraus, wobei die Attitüde zwischen „cool“ und „kaputt“ schwankte, je nach „Zustand“...

Panne am Straßenrand

Man sieht das auf Olaf Ballnus’ Fotos, denn er war im Wortsinn nah dran, wenn er die Kamera zückte. Exemplarisch dafür steht die Aufnahme des nach einem Konzertbesuch liegen gebliebenen Opel Kadett C; während die offenbar noch nicht vollständig ausgenüchterten Mannen den Reifen wechseln, hat sich ihr Kumpel am Straßenrand lang gemacht und pennt. Die Unmittelbarkeit solcher Motive macht den Reiz von Ballnus’ Fotos aus, gerade heute, aus der Rückschau. Die Exposition ermöglicht so den visuellen Rücksturz in eine Zeit, die lang vergangen ist, und doch nur einen Wimpernschlag entfernt zu sein scheint.

Zwischen Gefühl und Härte

Das Punk-Feeling „Gefühl und Härte“ ist den Fotografien ebenso eingebrannt. Sie zeigen den jungen Wölfi Wendland in den Anfangstagen der Punkband „Die Kassierer“, sie zeigen Punk-Feten im legendären Berliner Club SO 36, sie zeigen einen abgekämpften Henry Rollins (Sänger von „Black Flag“) nach einem Konzert. Solche Schnappschüsse aus dem Punk-Underground werden mit authentischen Aufnahmen kontrastiert, die Bochum so zeigen, wie es damals nun mal war: total verbaut und von Arbeit ganz grau. Abgerockte Fassaden in Hamme und die Sprengung der Schornsteine auf Lothringen 1/4 hat Ballnus ebenso eingefangen wie die kalte Pracht der nächtlichen Kortumstraße.

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