Flüchtlingsschule

Flüchtlingskinder spielen, kochen und lernen gemeinsam

Zum Abschluss der Ferienschule besuchten die Flüchtlingskinder das Theater Total. Die Freude war groß.

Zum Abschluss der Ferienschule besuchten die Flüchtlingskinder das Theater Total. Die Freude war groß.

Foto: Ingo Otto

Bochum.  30 Kinder lernen in Ferienprojekt gemeinsam Deutsch. Dabei geht es nicht ums sture Pauken: Auf dem Programm stehen Zoo, Theater und Kochen.

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Silva hat in den vergangenen zwei Wochen viele neue deutsche Wörter gelernt. „Kochtopf“ zum Beispiel oder „Tomate“. Eine Vokabel gefällt dem zwölfjährigen Mädchen aber am besten: „Mein neues Lieblingswort heißt ,Kennenlernen’“, sagt Silva stolz, die vor einem Jahr aus Syrien nach Deutschland kam. Gemeinsam mit 29 anderen Flüchtlingskindern aus zehn verschiedenen Nationen hat Silva in den vergangenen zwei Wochen ihr Deutsch in der Bochumer Flüchtlingsschule verbessert.

„Es geht aber nicht nur um die Sprachkenntnisse, sondern auch um Regeln für den sozialen Umgang“, betont Sprachlehrer Marc Mallocci von der GLS Zukunftsstiftung Bildung.

Hilfen beim Einstieg in den neuen Alltag

Gemeinsam mit dem Kommunalen Integrationszentrum, dem Rotary Club und der Bogestra will sie den Kindern beim Einstieg in den noch neuen Alltag helfen. „Wir haben verschiedene Thementage veranstaltet – etwa zu den Bereichen Geld, Natur oder Gesundheit“, so Mallocci weiter.

Während Lorin sich am meisten darüber freut, Spaghetti gekocht und eine neue Freundin gefunden zu haben, erinnert sich Zavin am liebsten an den Zoo-Besuch. „Wir haben dort Clownsfische gesehen“, sagt die Zwölfjährige und wiederholt den Tiernamen noch einmal lachend.

„Ich lerne Deutsch am besten, wenn ich lese, schreibe, spreche und spiele“, sagt Aram. Vor acht Monaten kam der 13-Jährige aus der Ukraine nach Deutschland. Er habe aber noch viel mehr, als nur neue Vokabeln gelernt. „Der Lehrer hat uns beigebracht, wie man sich begrüßt oder wie die öffentlichen Verkehrsmittel funktionieren“, sagt Aram.

Neues Theaterprojekt

Da fällt dem elfjjährigen Dilgas sofort ein: „U-Bahnen habe ich zum ersten Mal gesehen, so etwas gibt es im Irak nicht. Total cool.“

Pädagoge Malloci freut sich, seine Truppe so lebhaft zu sehen. „Die Kinder kannten sich vorher untereinander nicht, jetzt sind sie zusammengewachsen“, so der Lehrer. In der Ferienschule habe man verschiedene pädagogische Ansätze vereint: „Wir haben Musik gemacht, Theater gespielt und gekocht. Deutsch lernen sie oft auch nebenbei.“ Es sei wichtig, das Selbstbewusstsein, die Selbstständigkeit und die Verantwortungsübernahme zugewanderter Kinder zu stärken.

Ein besonderes Highlight stand noch einmal zum Abschluss der Flüchtlingsschule auf dem Programm: Ein Besuch des Stücks „Ich so du so“ im Theater Total. „Ich war erst zwei Mal in Syrien im Theater, ich freue mich sehr“, sagt Silva. Sie könne sich gut vorstellen, einmal Schauspielerin zu werden.

Schauspieler sind zugleich Paten

Da hat die Leiterin des Theaters, Barbara Wollrath-Kramer, vermutlich genau das Richtige für sie. „Wir haben ein neues Projekt ins Leben gerufen, bei dem unsere Schauspieler eine Patenschaft für ein Flüchtlingskind übernehmen“, sagt sie. Gemeinsam solle dabei eben jenes Theaterstück „Ich so du so“ auf die Bühne gebracht werden.

„Wir werden bis Dezember zwei Mal wöchentlich üben. Das ist eine riesige Bildungsmöglichkeit“, betont sie. Die Fragen im Theaterstück – „Woher komme ich? Wohin gehe ich?“ – seien eben nicht nur Fragen auf der Bühne, sondern stammten aus dem richtigen Leben.

„Die Kinder können sich das Theaterstück, welches eine Tanzperformance ist, erst einmal selbst ansehen. Hoffentlich gewinnen wir sie dann für das Theaterprojekt“, freut sich Wollrath-Kramer.

Silva will dann auf jeden Fall dabei sein.

>> WEITERE SCHULEN SIND IN PLANUNG

  • Die Bochumer Flüchtlingsschule ist eine Kooperation des Kommunalen Integrationszentrums der Stadt Bochum, dem Rotary Club Bochum, der Zukunftsstiftung Bildung der GLS Treuhand und der Bogestra.
  • In dem Projekt sollen die Kinder Hilfe erhalten, die Vielzahl der noch ungewohnten Hürden zu meistern und sich in der Stadtgesellschaft zu Hause zu fühlen.
  • Das Projekt fand in den Räumlichkeiten des Kulturhaus Oskar statt.
  • Für die Ferien 2018 sind weitere Ferienschulen in Planung.

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