Flüchtlinge

Flüchtlinge lernen Deutsch mit „LieLa“

Prinz Stefan von und zu Liechtenstein, Botschafter des Fürstentums, und Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (l.) erklären das Lernmodell.

Foto: Ingo Otto

Prinz Stefan von und zu Liechtenstein, Botschafter des Fürstentums, und Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (l.) erklären das Lernmodell. Foto: Ingo Otto

Bochum.   Moderne Methode aus Liechtenstein spricht die rechte Gehirnhälfte an. Bochum bringt Erfolgsrezept erstmals in Flüchtlingsklassen der Schulen.

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Heute ist das Klassen- mal das Badezimmer. Der Lehrer gibt die Dusche, die Asiatin stellt sich zum Waschen unter seinen Arm, ein junger Araber spielt „das Klopapier“, ein anderer hockt sich nieder: „Ich bin die Toilette.“ Doch dann kommt „der Backofen“. Und wenn der Unterricht bis hier schon lustig war: Jetzt können sie sich nicht mehr halten vor Lachen. Ein Backofen! Im Badezimmer! Das geht nicht einmal in diesem Deutschkurs, der „LieLa“ heißt nach den „Liechtenstein Languages“ und Flüchtlingen schneller die Sprache beibringen soll.

In Essen wurde das Modell erprobt, in Bochum geht es jetzt in die Schule – und soll Schule machen.

„LieLa“ nämlich macht das Lernen flotter. Das im Fürstentum entwickelte System lehrt das reine Sprechen, vermittelt einen Basis-Wortschatz für Medizin, Verwaltung, Straße, Supermarkt und nebenbei kulturelle Gepflogenheiten, die das Ankommen im neuen Land vereinfachen sollen. Oder, wie die zuständige Regierungspräsidentin Diana Ewert sagt: „Es ist wichtiger, nach einer Toilette fragen zu können, als Goethe zu zitieren.“

Gelernt wird „körperlich“, man hüpft, singt, spielt Brettspiele und eben im Bad Theater; so wird die rechte, die emotionale Gehirnhälfte mit einbezogen. Wie viel schneller man so lernt, lässt sich nicht errechnen, wohl aber dies: 600 Alltagswörter in zwei Wochen. Das Wissen, dessen Material aus einem Koffer kommt, hat mit der erprobten Didaktik an deutschen Schulen nicht mehr viel zu tun, ist aber so erfolgreich, dass in Bochum nun erstmals 18 Lehrer an neun Gesamtschulen, Berufskollegs, Gymnasien trainiert werden, um die Lehrmethode wiederum weiterzugeben. Rund 25 000 Euro lässt sich die Stadt das aus Integrationsmitteln kosten.

Schon vor einem Jahr waren in einem Essener Projekt „LieLa“-Lehrer ausgebildet worden. Seither hat sich die Idee verbreitet: Die Flüchtlingseinrichtungen des Essener Anbieters „European Homecare“ arbeiten damit, der Malteser Hilfsdienst, der Zentralrat der Muslime. In der Stadt Altena im Sauerland, sagt Prinz Stefan von und zu Liechtenstein, lerne inzwischen jeder Flüchtling auf diese Weise Deutsch. Am Bochumer Klaus-Steilmann-Berufskolleg werden das nun vor allem 16- bis 19-Jährige aus Syrien, Afghanistan, Afrika und dem Irak tun.

Eric Weik, Hauptgeschäftsführer der örtlichen IHK, hatte die Idee, das neue Sprachlernen an die Schulen zu bringen – und damit später Menschen in Arbeit. Die Aussicht macht nicht nur ihm gute Laune. „Die Leute“, sagt ein „LieLa“-Mitarbeiter, „lachen drei Stunden lang.“

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