Urbanes Leben

Flohmarkt belebt die Normannenstraße als neue Stadtteilachse

Christoph Bast von Velotopia hat gut zu tun bei der Fahrradwerkstatt auf der Normannenstraße beim Flohmarkt.

Christoph Bast von Velotopia hat gut zu tun bei der Fahrradwerkstatt auf der Normannenstraße beim Flohmarkt.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Goldhamme.  Die Nachbarn knüpfen Kontakte bei der Aktion im Westend. Die Foto-Ausstellung von Michael Stuka in der Alten Post dokumentiert das Leben im Kiez.

Aus vielen Mosaiksteinchen wird ein Bild, aus vielen Kleinigkeiten ein neues Ganzes. Der erste Flohmarkt auf der neu gestalteten Normannenstraße brachte vor allem neue Kontakte unter den Nachbarn, viele Gespräche über die Straße hinweg, die damit ihren Wert als „Stadtteilachse“ bekommt.

Besucher aus anderen Bezirken

Nur das unentschlossene Wetter mit ein paar Tropfen, aber kräftigen Windböen, scheuchte doch einige der Flohmarkthändler und Besucher wieder weg, „aber viele haben gleich am Anfang gut verkauft“, hat Sherin Imbrahim vom Stadtteilbüro in der Alten Post an der Ecke beobachtet. „Und einige kamen sogar extra aus Linden hierher. Wir werden das auf jeden Fall noch einmal versuchen, denn nach dem Umbau der Straße ist hier eine neue Atmosphäre entstanden.“

Wie sich das Viertel darstellt, wie er es im Detail und dabei sehr vielgestaltig sieht, hat Hobby-Fotograf Michael Stuka im Stadtteiltreff großformatig in der Foto-Ausstellung „Potenziale im Westend“ zusammengetragen. Als „eingeborener Goldhammer“ wurde der 57-Jährige angesprochen, ob er nicht was über das Viertel zusammenstellen könnte.

Spiegelbild und Sonnenuntergang

Er konnte: In Schwarz-Weiß und in Farbe, mit Weitwinkel-Perspektive oder Tele-Ausschnitt auf Kleinigkeiten. Und herausgekommen ist ein sehr persönlicher Beitrag zur Zeitgeschichte. Stuka zeigt das leerstehende Ladenlokal, aber in der Scheibe spiegeln sich die Bäume. Er zeigt den

Sonnenuntergang über der Essener Straße und das Colosseum an der Alleestraße, kopfstehend das Areal des Westparks in einer Pfütze oder das schlichte und dabei vielsagende Klebeschild „Geschlossen“ am Rollladen einer früheren Apotheke.

Heute voller Leben

„Frische Lebensmittel“, die Reklame in der Scheibe, erinnert an die Zeit der kleinen Geschäfte mitten in der Häuserflucht, als die Älteren ihre Einkäufe noch nach Hause geliefert bekamen. „Allein, wie es hier in der Alten Post ausgesehen hat“, blickt Stuka zurück, „alles modrig, die Fenster vernagelt. Und heute hell und voller Leben.“

Gemeinsamkeit wächst

Wie er seine Motive gefunden hat, beschreibt er kurz: „Einfach zum richtigen Zeitpunkt.“

Der richtige Zeitpunkt ist für Goldhamme anscheinend auch mit dem Stadtumbau und dem Programm „Soziale Stadt“ gekommen. Dorte Hunecke-Nollmann vom Stadtteilbüro zeigt sich rundum zufrieden mit dem Echo und der Atmosphäre rund um den ersten Straßenflohmarkt, auch wenn das Wetter nicht mitspielte.

Nachbarn haben ihre Themen

„Immer wieder haben sie untereinander gefragt: Machst Du auch mit? Und einige waren sofort bereit, der alten Dame im Rollstuhl ihre Sachen herunter zu tragen. Jetzt müssen wir nur noch organisieren, dass die Dame auch regelmäßig in den Stadtteiltreff kommen kann.“

Auch Roman Gerhold, Leiter der „Alten Post“, unterstreicht: „Hier wächst langsam etwas zusammen, man spürt, die Nachbarn haben ihre Themen, wollen gemeinsam etwas machen. Die aufsuchende Arbeit Schritt für Schritt hat etwas bewirkt.“

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