Open Air

Festival BO-Biennale zeigt magisches Theater auf dem Radweg

Schauspielerin Sabeth Dannenberg bei ihrer bemerkenswerten Performance.

Schauspielerin Sabeth Dannenberg bei ihrer bemerkenswerten Performance.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Überall entlang des Springorumwegs gab es Donnerstag etwas zu entdecken: Maskentheater, kleine Bildschirme oder eine Performance an der Stange.

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Was für frischen Wind sorgen möchte, gehört auch an die frische Luft. In diesem Sinne lud die BO-Biennale am Donnerstag nicht in eines der zahlreichen, kleinen Ateliers oder Off-Bühnen ein, sondern auf den Springorum-Radweg: Bochumer Künstler jeglicher Couleur verwandelten die Radstrecke in eine unaufdringliche, aber packende Entdeckungstour.

Maike Bolt-Schäfer kennt den Radweg gut, schließlich wohnt sie in der Nähe. „Aber man nimmt die Landschaft sonst ja gar nicht so richtig wahr“, sagt sie. Es sind die kleinen „XXX“ auf dem Weg, die ihren Blick fangen, lenken und in verborgene Winkel ein wenig abseits der Wege führen.

Ein Beispiel wäre die wohl gemütlichste Kunst-Installation der gesamten BO-Biennale – gerade für diejenigen, die mangels funktionierendem Drahtesel zu Fuß den „Art-Walk“ bestreiten müssen. Die orangenen Hängematten nahe der Brücke über die Universitätsstraße laden ein ins Gebüsch, nahe des Weges, aber doch verborgen. „Es ist eben nicht nur ein Radweg“, findet Maike Boldt-Schäfer.

Kleine Bildschirme am Wegesrand

Einige Meter weiter in Richtung Prinz-Regent-Theater gibt es noch mehr zu entdecken. Kleine Bildschirme, befestigt an Bäumen am Wegesrand, laden den Betrachter ein, sich in fremde Welten entführen zu lassen. Spätestens jetzt merkt man, dass genau dies den Reiz des Open-Air-Theaters ausmacht: Es ist keine lautes Event, das auf jedem Meter nach Aufmerksamkeit heischt. Der Betrachter muss sich Zeit nehmen und etwas neugierig sein – doch dann wird sein Entdeckergeist belohnt.

Auch bei der abschließenden Performance auf dem Vorplatz des Prinz-Regent-Theaters lohnt sich ein klein wenig Geduld. Schauspielerin Sabeth Dannenberg spielt eine alte Frau: schrullig und komisch, gleichzeitig herzerwärmend kindgleich.

Es geht hier auch ums Altern

Doch die Uhr tickt im Hintergrund, Dannenberg bewegt sich im Rhythmus dazu, manchmal stößt sie auch (bemerkenswerte) Vogelgeräusche aus. Gut, letzteres erschließt sich zunächst nur schwer. Aber irgendwann versteht man, dass es hier auch ums Altern geht. Aber auch darum, sich dem Verfall entgegenzusetzen. Immer wieder legt Dannenberg ihre altbackene Kopfbedeckung ab, gibt sich einen Ruck und klettert die Laterne bis ganz nach oben. Blockaden überwinden, sich einen Ruck geben, wenn man hoch hinaus will: Das ist auch ein schönes Symbol für Bochums neues Kulturfestival.

>>>> Mit Gypsifestival geht BO-Biennale zu Ende

Die BO-Biennale geht am Wochenende zu Ende. Ein Höhepunkt ist das Gypsyfestival „Nadeshda“, bei dem heute (17.) drei Bands im Gerther Kulturrat an der Lothringer Straße 36c erwartet werden. Das Ricky-Adler-Quintett mit der Sängerin Lorena spielt ab 16 Uhr, es folgt das Rehan Syed Ensemble um 18 Uhr. Das mit Spannung erwartete Konzert des renommierten Rosenberg-Trios (ab 20.30 Uhr) ist ausverkauft.

Autorin Anja Liedtke liest heute (17.) um 18 Uhr im Q1, Halbach-straße 1, aus dem neuen Roman „Schwimmen wie ein Delfin oder Bowies Butler“ (Eintritt frei). Das Puppentheater „Strom – Eine Robotergeschichte“ ist am Sonntag (18.), 11 Uhr, für Kinder ab 6 Jahren im Zeitmaul-Theater, Imbuschplatz, zu erleben (10/5 Euro). „Die bärenstarke Maus Zorbas“ treibt am Sonntag (18.) um 15 Uhr im Figurentheater-Kolleg, Hohe Eiche 27, ihr Unwesen (6/5 Euro). (sw)

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