Filmfestival

Festival „Blicke“ zeigt dieses Mal Filme zum Wegträumen

Gabi Hinderberger (l.) leitet das Filmfestival „Blicke“. Den Eröffnungsfilm liefert in diesem Jahr Marian Mayland (r.) mit „untitled (a refusal of leave to land)“.

Gabi Hinderberger (l.) leitet das Filmfestival „Blicke“. Den Eröffnungsfilm liefert in diesem Jahr Marian Mayland (r.) mit „untitled (a refusal of leave to land)“.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Bochum-Langendreer.  Vom 20. bis 24. November gibt es im Kino Endstation in Bochum-Langendreer Kurzfilme rund um das Ruhrgebiet zu sehen. Mit dabei: syrische Filme.

Jedes Jahr im November bietet sich die Gelegenheit, die heimische Couch vorm flackernden Bildschirm gegen einen nicht minder bequemen, roten Samtsessel im Kino Endstation einzutauschen. Vier Tage lang, vom 20. bis zum 24. November, zeigt das Filmfestival „Blicke“ in Kurzfilmen unzählige Perspektiven des Ruhrgebiets.

Das Ruhrgebiet ist nicht gerade als Metropolregion des Films bekannt. Viele der großen deutschen Produktionen entstehen in Köln, Berlin, Hamburg. Auch Ruhrgebietsthematiken stehen eher selten im Zentrum von Film und Fernsehen. Seit 1993 rückt „Blicke“ einmal jährlich die Region sowohl als Heimat der Filmschaffenden aber auch als Drehort in den cineastischen Fokus.

Der Filmemacher Marian Mayland recherchierte über Krupps Rolle im zweiten Weltkrieg

Durch Zufall ins Ruhrgebiet gerutscht ist die Geschichte, die der Filmemacher Marian Mayland in seinem knapp halbstündigen Eröffnungsfilm „untitled (a refusal of leave to land)“ erzählt. Die Erinnerung an ein kleines Fossil, das er in seiner Kindheit gefunden hatte, führt ihn ins Bocholter Stadtwaldlager und zu der Frage, was dort während des zweiten Weltkrieges geschehen war. Mayland beginnt zu recherchieren: Ab 1939 wird es als Kriegsgefangenenlager genutzt, die Inhaftierten werden als Zwangsarbeiter bei Krupp eingesetzt.

Marian Mayland: „Für mich wird Vergangenheit erst dann wirklich begreifbar, wenn eine persönliche Auseinandersetzung mit ihr geschieht.“ Lange hatte er in Essen gelebt und war sich Krupps Rolle im Hitler-Regime nur bedingt bewusst. „Auch in der öffentlichen Auseinandersetzung mit der Industriekultur im Ruhrgebiet wird die nationalsozialistische Vergangenheit der Firma Krupp nur unterschwellig behandelt.“ Mayland, der an verschiedenen Kunstakademien studierte, versteht seine Arbeit durchaus als politisch. Das Politische sei jedoch nicht von vornherein seine Intention, sondern Folge der Beschäftigung mit Themen, die ihn interessieren.

Fünf syrische Produktionen berichten vom Krieg

Das Festival teilt sich in zehn knapp einstündige Veranstaltungsblöcke, in denen ein bis fünf Filme gezeigt werden. Neben den sogenannten Ein-blicken, also Filmen, die im Ruhrgebiet gedreht wurden oder deren Macher aus dem Ruhrgebiet stammen, bietet das Filmfestival auch in jedem Jahr „Aus-blicke“, die zeigen, dass Themen des Ruhrgebiets auch Menschen aus anderen Regionen bewegen. Zudem liegt in diesem Jahr ein besonderer Fokus auf dem seit 2011 währenden Krieg in Syrien. Fünf syrische Filme, die nach Kriegsausbruch entstanden sind, suchen Wege, die anhaltende Gewalt zu dokumentieren. Sie werden am Donnerstag, 21. November, ab 19 Uhr gezeigt.

Würde man in chronologischer Reihenfolge alle Filme schauen, die jemals auf dem Filmfestival „Blicke“ gezeigt wurden, so erhielte man ein Panorama der Ideen, Wünsche und Probleme, die die Menschen im Ruhrgebiet in den vergangenen 27 Jahren bewegten. Während zuvor viele Dokumentarfilme eingereicht wurden, überwiegen in diesem Jahr Spiel-, Animations- und Experimentalfilme, berichtet die Festivalleiterin Gabi Hinderberger. Sie spricht von „Weltfluchtfilmen“, von Geschichten zum Wegträumen. Außerdem würden in vielen Filmen Geschlechterrollen untersucht, so wie in „Luca (m/w/d)“, der neben Maylands Film das Festival eröffnet.

Publikum diskutiert mit Filmemachern über Inhalte

Einen oder mehrere der Filmblöcke anzuschauen, die jeweils in den Abendstunden gezeigt werden, bedeutet auch, die Möglichkeit zu bekommen, über das Gesehene ins Gespräch zu kommen. Fast alle Filmemacher der gezeigten Filme nehmen nach der Präsentation an einer moderierten Diskussion gemeinsam mit dem Publikum teil. Außergewöhnlich sei neben den angeregten Diskussionen die kommunikative Architektur des Kinos, meint Gabi Hinderberger: „Man purzelt aus dem Kino raus und kann direkt weiterreden.“

Tickets für ein Einzelprogramm kosten 7€, ermäßigt 5€, Tagestickets zwischen 8 und 20 €. Ein Ticket für das gesamte Festival gibt es für 25€, ermäßigt 20€.

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