Ruhr-Universität

Familien-Chemie-Projekt ist seit Jahren stets ausgebucht

Niklas (9) schaut sich im Audimax ganz konzentriert den Versuchsaufbau an. Dort waren die „Top-Experimente“ der vergangenen Jahre aufgebaut.

Niklas (9) schaut sich im Audimax ganz konzentriert den Versuchsaufbau an. Dort waren die „Top-Experimente“ der vergangenen Jahre aufgebaut.

Foto: Bastian Haumann

  Das Projekt „Kemie“ hat im Audimax der Ruhr-Universität Bochum zehnjähriges Bestehen gefeiert. Mehr Plätze können die Forscher nicht anbieten.

Explosion im Audimax der Ruhr-Universität: ein Knall. Die Stichflamme züngelt Richtung Decke, reißt den Deckel der Schutzapparatur ab – und dann ist alles schon wieder vorbei. Entwarnung! Es soll an diesem Samstag das erste Mal gewesen sein, dass bei dem Eltern-Kind-Projekt „Kemie“ etwas in die Luft gegangen ist. Aber keine Sorge, die Explosion des bunten Holi-Pulvers war zur Feier des zehnjährigen Bestehens natürlich pure Absicht. Alles nur Show!

Alltagsfragen im Labor lösen

Warum prickelt Brause? Wie funktioniert ein selbstwärmender Kaffeebecher? Und was passiert, wenn man Cola und Minzbonbons mischt...? Dritt- bis Fünftklässler können seit 2008 bei „Kemie“ gemeinsam mit Mama oder Papa einmal im Monat im Alfried-Krupp-Schülerlabor etwa diesen chemischen Alltagsfragen auf den Grund gehen. Das Ziel: Interesse an der Chemie zu wecken – mit Schulunterricht soll das nicht viel zu tun haben.

Das Angebot ist kostenlos – und von Beginn an sehr beliebt gewesen, wie Initiatorin Prof. Katrin Sommer sagt. „Die 90 Plätze sind immer lange im Voraus ausgebucht“, sagt die Professorin vom Lehrstuhl für Didaktik der Chemie. Das gilt auch für die neue Runde, die in diesen Tagen startet. Mehr Plätze können die Professorin und ihr Team aus Doktoranden, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studenten nicht anbieten. „Das scheitert an den Räumlichkeiten und am Personal“, sagt Katrin Sommer. Finanziert wird „Kemie“ unter anderem vom Verband der chemischen Industrie.

Ein Erfolg des Projektes sei auch die stetige Teilnahme von Eltern und Kindern. 70 Prozent der Teilnehmer forschen in den neun Monaten des Projektes an sieben oder mehr Terminen. „Die Idee kommt einfach gut an. Mittlerweile reicht die Mund-zu-Mund-Propaganda“, sagt Sommer.

Die Professorin hatte das Projekt nach einer Tagung ins Leben gerufen. Im Februar 2016 wurde sie dafür mit dem Polytechnik-Preis für die Didaktik der MINT-Fächer ausgezeichnet. Auch RUB-Rektor Prof. Axel Schölmerich lobt die Idee: „Wir hatten in den frühen 2000er Jahren ein erschreckend abnehmendes Interesse an Naturwissenschaften.“ Das Kemie-Projekt wirke gegen diesen Trend.

Übrigens: Im Labor hängen sich bei den gemeinsamen Experimenten zwar etwas mehr Väter als Mutter den weißen Schutzkittel um, bei den Kindern gibt’s da keinen Unterschied. Den Cola-Vulkan bringen anscheinend Jungs und Mädchen gleich gerne zum Überschäumen.

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