Hilfe

Fahrdienst wird für Bettlägerige aus Bochum zum „Engel“

Kathleen Heide (l.) ermöglicht Petra Hegemann (r.) mit ihrem Team schöne Ausflüge - auch zum Grillen an den See.

Kathleen Heide (l.) ermöglicht Petra Hegemann (r.) mit ihrem Team schöne Ausflüge - auch zum Grillen an den See.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Bochum-Hamme.  Petra Hegemann aus Bochum ist durch eine Querschnittslähmung auf Hilfe angewiesen. Der neue Fahrdienst macht ihr schöne Ausflüge möglich.

Meist sieht Petra Hegemann (55) täglich nur eins: Wand, Fernseher, Zimmerfenster. Das Leben der bettlägerigen Frau spielt sich fast ausschließlich in ihrer kleinen Wohnung in Hamme ab. „Der einzige Anlass, um vor die Tür zu kommen, war lange Zeit nur mein wöchentlicher Katheter-Wechsel“, sagt Hegemann, die eine angeborene Querschnittslähmung hat.

Nicht nur zum Krankenhaus, auch zu schönen Ausflugszielen

Doch der Zufall bescherte ihr einen, wie sie sagt, „Engel“. „Als ich 2018 den Fahrdienst wechselte, kam ich in Kontakt mit der Firma Heide“, berichtet Hegemann. Schnell entwickelten sich die Krankenfahrten zum Anlass für private Gespräche. „Kein Wunder: Ich quatsche sehr gerne“, sagt Chefin Kathleen Heide, die einst Taxifahrerin war und sich 2018 selbstständig machte.

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Auf den gesprächigen Fahrten erfuhr sie: Ausflüge macht Petra Hegemann fast nie. Da dachte sie sich: „Jeder Mensch hat es verdient,Schönes zu erleben und den Sonnenschein nicht nur durchs Fenster zu sehen.“ Und beschloss kurzerhand: „Wir fahren Frau Hegemann nicht nur zum Krankenhaus, sondern auch zu schönen Ausflugszielen“.

Viele Ziele angesteuert

In den letzten Jahren haben sie so gemeinsam etwa schon das Dortmunder Fußballmuseum, das Phantasialand, ein Gospelkonzert, das Bottroper Alpincenter, Ruhrpark oder ein Oktoberfest in der Henrichshütte in Hattingen angesteuert. Wohin ein Ausflug führt entscheiden Hegemann und ihr Fahrdienst immer gemeinsam. „Es ist so toll, rauszukommen. Ich bin immer ganz heiß auf die Ausflüge“, sagt Hegemann und verrät das nächste Ziel: Es soll ins Brauereimuseum nach Dortmund gehen.

Durch die Möglichkeit, aus der Wohnung zu kommen, gehe es ihr seelisch viel besser. Im speziell umgebauten Fahrzeug mit Laderampe kommt sie viel komfortabler ans Ziel als zu den Zeiten, als sie mit Ehemann Rolf Hegemann versuchte, private Ausflüge zu organisieren. „Das war mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine große Herausforderung“, sagt er. Für die Fahrdienst-Mitarbeiter sind die Ausflüge eine willkommene Abwechslung. „Normalerweise fahren wir Dialysepatienten oder machen Einweisungs- und Entlassungsfahrten. Deshalb ist es klasse, ab und zu mit ins Museum zu können“, sagt Fahrer Sebastian Eichstädt. Petra Hegemann sei ihm ans Herz gewachsen.

Kosten werden nur zum Teil übernommen

Ein Problem gibt es jedoch: Die Kosten werden nur zum Teil von der Pflegekasse übernommen, einen großen Spendenbedarf sieht Hegemann deshalb. „Natürlich nicht nur für mich, sondern für alle, die so isoliert sind“, sagt sie. Ein Dankeschön in ihrem Rahmen hat Hegemann schon ausgerichtet: Zuletzt ging es an den Ümminger See zum gemeinsamen Grillen mit allen Mitarbeitern. „Man sollte Menschen wie Frau Heide einfach Danke sagen“, findet Hegemann.

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