Straßenbahn 310

Erste Fahrt über die neuen Gleise zwischen Bochum und Witten

Im Schritttempo fährt der Schleifwagen der Bogestra zwischen Bochum-Langendreer (Markt) und Autobahn A 448 an der Stadtgrenze Bochum/Witten über die Gleise. Begleitet wird die Straßenbahn von Bogestra-Mitarbeitern, die überprüfen, ob alles in Ordnung ist.

Im Schritttempo fährt der Schleifwagen der Bogestra zwischen Bochum-Langendreer (Markt) und Autobahn A 448 an der Stadtgrenze Bochum/Witten über die Gleise. Begleitet wird die Straßenbahn von Bogestra-Mitarbeitern, die überprüfen, ob alles in Ordnung ist.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum/Witten.  Die Bogestra bereitet die neue Straßenbahnstrecke zwischen Bochum und Witten vor. Die erste Fahrt auf den neuen Gleisen durfte „Schleifi“ machen.

Der Freitagmorgen ist auch in Bochum-Langendreer grau und verregnet. Doch dass sie nass werden, stört die Mitarbeiter der Bogestra nicht. Sie gehen zu Fuß die Straßenbahnstrecke zwischen Langendreer-Markt und Autobahn A 448 an der Stadtgrenze Bochum/ Witten ab. Im Schritttempo folgt ihnen „Schleifi“, der Schleifwagen der Bogestra. Es ist das erste Mal, dass eine Straßenbahn auf diesem Abschnitt über die Gleise fährt.

Neue Straßenbahnlinie zwischen Bochum und Witten bekommt den letzten Schliff

Dabei liegen diese – zumindest auf einem Teil der Hauptstraße – schon seit 2013 und warten darauf, auch endlich genutzt zu werden. Nun ist es soweit. Zwar ist der Lückenschluss auf der Stadtgrenze Bochum/Witten noch nicht vollzogen. „Aber wir sind extra früh dran mit diesen vorbereitenden Maßnahmen, um mehr Reaktionszeit zu haben, sollten wir etwas finden“, erklärt 310-Projektleiter Volker Böhm.

Nun, um es vorwegzunehmen: Bei „Schleifis“ Fahrt passiert nichts Außergewöhnliches. Mal knirscht es unter den Rädern, mal ruckelt es an der Oberleitung. Aber das bringt Dennis Hondele, den Stammschienenschleifwagenfahrer der Bogestra, nicht aus der Ruhe. „Alles im grünen Bereich“, sagt er und fährt seelenruhig im Schneckentempo weiter die Strecke ab.

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Maximal sechs Km/h zeigt das Tacho an. Nicht viel. Doch die Männer draußen kommen trotzdem ins Schwitzen. Zu Fuß ist das dann doch etwas anderes. In der Begleit-Truppe herrscht unterwegs eine Mischung aus Anspannung und Freude. Klar, an jeder Stelle kann irgendwo plötzlich ein Problem auftreten, das dann behoben werden muss. Aber mit jedem Meter, der zurückgelegt wird, wirken die Gesichter der Männer entspannter. Und es wird zunehmend heiterer.

Bauleiter Oliver Koslowski, der für den Gleisbau zuständig ist, frohlockt: „Sieht gut aus, auf diesem Abschnitt endlich eine Straßenbahn zu sehen.“ Und auch Volker Böhms Grinsen wird immer breiter: „Läuft alles super.“

Strom-Check: Nachts knallte es zweimal laut in Langendreer

Die Blicke der Bogestra-Mitarbeiter gehen fast nur nach oben. Entscheidend ist, ob der Kontakt des Bügels auf der Straßenbahn mit der oberirdischen Fahrleitung gegeben ist. Die Oberleitung wurde bereits in der Nacht geprüft, was einige Langendreerer gehört haben dürfte. „Da hat es zweimal laut geknallt“, sagt Volker Böhm, der auch die Nachtschicht hatte. „Wir haben zweimal einen künstlichen Kurzschluss erzeugt“, erklärt Böhm. An der Autobahn wurde eine Erdungsstange installiert und am Unterwerk am Markt in Langendreer dann der Strom angeschaltet. Ergebnis: 750 Volt verpackt die Leitung.

Nach mehreren Fahrten mit dem Schleifwagen heute sollten die Gleise so sauber und glatt sein, dass am kommenden Montag die erste Leerfahrt mit einer der modernen Variobahnen erfolgen kann, die künftig über die neue Strecke zwischen Bochum und Witten – dann über Langendreer-Dorf – rollen. Später dann werden die Fahrer Testfahrten auf dem neuen Streckenabschnitt machen.

Der Lückenschluss auf der Bochumer Straße zwischen Autobahn und Crengeldanz-Brücke erfolgt Ende September/Anfang Oktober und dauert ca. drei bis vier Wochen. Über eine Weiche werden dann die Straßenbahnen auf die bestehende Linienführungen gelenkt. Das letzte Stück bis zur Crengeldanz-Brücke wird erst in ein paar Jahren erneuert. Wenn klar ist, in welchem Umfang die Deutsche Bahn die Brücke erneuern will. Dies soll bis 2028 geschehen.

Gute Nachricht für alle Autofahrer: Auch für die letzten Gleis- und Straßenarbeiten auf der Bochumer Straße wird keine Vollsperrung nötig sein. Volker Böhm: „Die Verkehrsführung wird zwar immer mal wieder geändert, aber der Verkehr kann die ganze Zeit über fließen.“

Die alte Strecke über Kaltehardt wird zum Monatsende endgültig stillgelegt. Bisher fanden hier noch Betriebsfahrten statt. Die Straßenbahnen, die aktuell noch zwischen Witten-Crengeldanz und -Heven pendeln, müssen ja irgendwie an ihren Einsatzort kommen. In rund vier Wochen wird das dann nicht mehr möglich sein. „Dann fahren bis zur Inbetriebnahme der neuen Strecke Ende Oktober ausschließlich Busse zwischen Langendreer und Witten-Heven“, teilt Bogestra-Sprecherin Sandra Bruns mit.

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