Arbeiterwohlfahrt

Ernst Steinbach gibt Awo-Geschäftsführung in Bochum auf

Ernst Steinbach (rechts) machte sich vor allem während der Flüchtlingskrise einen Namen. Auch trieb er den Ausbau der Awo-Kindertagesstätten voran. Im bild ein Vor-Ort-Termin an Einrichtung Am Nordbad.

Ernst Steinbach (rechts) machte sich vor allem während der Flüchtlingskrise einen Namen. Auch trieb er den Ausbau der Awo-Kindertagesstätten voran. Im bild ein Vor-Ort-Termin an Einrichtung Am Nordbad.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Bochum.  Der langjährige Awo-Geschäftsführer Ernst Steinbach hat sich auf eigenen Wunsch zurückgezogen. Nun gibt es Unstimmigkeiten in dem Sozialverband.

Bei der Arbeiterwohlfahrt in Bochum rumort es vernehmlich. An der Spitze des starken Sozialverbandes im Unterbezirk Ruhr-Mitte mit seinen rund 1100 Mitarbeitern läuft der Generationswechsel so gar nicht reibungslos ab. Nach 28 Jahren als Geschäftsführer hat Ernst Steinbach (64) auf eigenen Wunsch die Geschäftsführung abgegeben.

Die fünf Werte der Awo

Sein bisheriger Stellvertreter Marc Schaaf gehört mit seinen 37 Jahren zu einer anderen Generation und pflegt, wie zu hören ist, auch einen völlig anderen Stil. Er leitet die Geschäfte der Awo seit dem Rückzug von Ernst Steinbach kommissarisch und gilt auch als aussichtsreicher Anwärter für die Nachfolge. Ernst Steinbach räumte gegenüber der WAZ freimütig ein: „Ich hätte gern noch weiter gemacht. Ich wollte immer, wenn die Gesundheit es zulässt, bis zum 70. Lebensjahr arbeiten.“ Doch die Gespräche mit dem Vorstand hätten nicht das gewünschte Ergebnis gebracht, so dass Steinbach selbst entschieden habe, das Zepter abzugeben. Bis zum 30. September arbeite er noch beratend für den Sozialverband.

Dass es beim Wechsel an der Spitze oft knirscht, überrascht wenig. Doch ausgerechnet im Jahr des 100. Bestehens dieses SPD-nahen Verbandes, der sich die Werte „Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit“ auf die Fahnen geschrieben hat, mangelt es vorgeblich an beinahe all diesen fünf Werten.

Anonymes Schreiben

Es kursiert ein anonymes Schreiben, das an alle Ratsfraktionen gegangen ist. Dort wird das Procedere der aktuellen Personalentscheidungen scharf kritisiert und das in einer Art und Weise, die nicht nur der Awo selbst, sondern auch Marc Schaaf nachhaltig schadet. Sinngemäß stellt der Schreiber oder die Schreiberin den demokratischen Ablauf der Besetzung des Geschäftsführerpostens infrage und spricht von Filz, Vetternwirtschaft und dem Stempel der Korruption. Dass Schaaf neuer Geschäftsführer werde, sei ohnehin schon ausgemacht. Der Awo-Unterbezirksvorsitzende Serdar Yüksel (MdL/SPD) habe ihn intern schon als neuen Geschäftsführer vorgestellt, heißt es weiter.

Yüksel kennt die Vorwürfe und weist sie entschieden zurück. Er spricht von einem üblichen offenen und transparenten Bewerbungsverfahren. Es habe insgesamt 17 Bewerbungen gegeben, mit sechs Kandidaten seien Auswahlgespräche geführt worden. „Anfang September wird sich der Unterbezirksvorstand entscheiden, welcher der beiden übrig gebliebenen stärksten Kandidaten neuer Geschäftsführer oder neue Geschäftsführerin wird“, so Yüksel gegenüber der WAZ. Der Unterbezirksvorstand bestehe aus acht Persönlichkeiten.

Zwei unterschiedliche Charaktere

Nach Informationen der WAZ ist einer der beiden letzten Kandidaten eben Marc Schaaf. Schaaf ist studierter Betriebswirt und hat bereits an verschiedenen Positionen bei der Awo gearbeitet. Schon seinen Zivildienst absolvierte er bei dem Sozialverband.

Wenigstens in diesem Punkt gibt es eine Gemeinsamkeit. Denn auch Ernst Steinbach absolvierte seinen Zivildienst bei der Arbeiterwohlfahrt. Ab 1978 war er als Sozialarbeiter bei dem Sozialverband beschäftigt. Nachdem er später in Coesfeld bei der Arbeiterwohlfahrt Geschäftsführer war, leitete er ab 1991 die Bochumer Arbeiterwohlfahrt, wie übrigens schon sein Vater, Ernst Steinbach senior.

Am 13. Dezember soll der Sozialdemokrat Ernst Steinbach von seinen Mitarbeitern offiziell verabschiedet werden.

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