Insolvenz

Endgültiges Aus für Dewender in Bochum – Millionenschulden

Die imposante Lkw-Flotte von Dewender steht vor der großen Halle am Firmenstandort an der Darpestraße im Stadtteil Hamme.

Die imposante Lkw-Flotte von Dewender steht vor der großen Halle am Firmenstandort an der Darpestraße im Stadtteil Hamme.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum.  Der insolvente Lebensmittelgroßhändler Dewender in Bochum wird abgewickelt. Ein Großteil der 115 Mitarbeiter hat schon neue Jobs.

Wenige Wochen nach dem Insolvenzantrag ist das Schicksal der Josef Dewender Lebensmittelgroßhandlung GmbH besiegelt. Das Unternehmen wird 87 Jahre nach seiner Gründung abgewickelt. Auf vier Millionen Euro haben sich die Verbindlichkeiten getürmt.

Zuvor ist der Versuch von Insolvenzverwalterin Dorothee Madsen gescheitert, einen Investor für das Traditionsunternehmen zu finden. „Der Geschäftsbetrieb wurde vom Geschäftsführer und mit meiner Zustimmung zum Stichtag 30. September vollständig und dauerhaft stillgelegt“, so Madsen gegenüber der WAZ. „Es war nicht möglich, erfolgreich einen Investor oder einen Interessenten zur Übernahme des Geschäftsbetriebes zu finden.“

Große Kunden sind abgesprungen

Sie habe viele Gespräche mit Interessenten geführt. „Zu einer erfolgreichen Sanierung konnte es leider nicht mehr kommen, da die große Kunden wie Altenheime und Krankenhäusern bereits kurz vor Insolvenz-Antragstellung zu Konkurrenten abgewandert waren. Das Kernstück des Unternehmens war damit nicht mehr vorhanden.“ Noch im vergangenen Jahr hatte Dewender einen Umsatz von mehr als 35 Millionen Euro verzeichnet.

Zu den Ursachen für die Schieflage macht die Insolvenzverwalterin keine konkreten Angaben. Nur so viel lässt sie wissen: „Sie sind vielschichtig.“ Nach Auskunft von Frank Reister, der den Geschäftsführer Stephan Dewender juristisch vertritt, war es eine Kombination aus aktuellen und schon lange bestehenden Schwierigkeiten. „Stephan Dewender hat das operative Geschäft mit seiner neuen Gesellschaft erst im März/April 2020 übernommen. Die Lasten der Vergangenheit standen einer Fortführung entgegen. Bis zum Schluss wurden zähe Verhandlungen mit dem Ziel geführt, das Sanierungskonzept plangerecht zu realisieren. Hinzu kamen Schwierigkeiten, die branchenübergreifend auf die Corona-Krise zurückzuführen sind“, so der Bochumer Anwalt.

Viele der 115 Mitarbeiter haben neue Jobs

Alle 115 Mitarbeiter, etwa 70 Prozent davon Fahrer, sind mittlerweile entlassen. „Angesichts der familiären Strukturen und der langjährigen Verbindungen der Mitarbeiter zum Altunternehmen waren diese Kündigungen auch für die Geschäftsführung besonders schmerzhaft“, so der Dewender-Anwalt. Immerhin: Nach Auskunft der Insolvenzverwalterin hat ein Großteil der Belegschaft bereits Arbeit bei anderen Unternehmen gefunden. Lkw-Fahrer werden schon seit geraumer Zeit in der Branche händeringend gesucht. Derzeit finden an der Darpestraße in Hamme lediglich noch Abwicklungsarbeiten statt.

Wer dort nahe der A40 an dem weitläufigen Unternehmensgelände vorbeifährt, der sieht einen Teil der imposanten Dewender-Fahrzeugflotte aufgereiht auf dem Hof der der großen Halle stehen. Der Fuhrpark wird nach Auskunft von Rechtsanwältin Madsen verkauft. Die Immobilien gehören „nicht zum Insolvenzverfahren“.

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