Tag der Architektur

Elf architektonische Perlen in Bochum öffnen

Carolin Ebbing sitzt am Samstag, 24.06.2017 in Bochum in der Großtagespflege "Krümelkiste". Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Foto: Ingo Otto

Carolin Ebbing sitzt am Samstag, 24.06.2017 in Bochum in der Großtagespflege "Krümelkiste". Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services Foto: Ingo Otto

Bochum.   Am Tag der Architektur zeigen Architekten und Eigentümer, was sie geschaffen haben. Besucher können in Bochum elf Objekte besichtigen.

„Wer beauftragt heute noch einen Architekten?“, fragt Carolin Ebbing die Besucher der „Krümelkiste“, einer inklusiven Kindertagespflegestelle. Ebbing ist Architektin und hat dazu beigetragen, dass aus der ehemaligen Druckerei in einem Hinterhofhaus am Stadtpark eine gemütliche, helle und sichere Räumlichkeit entsteht, in der Kinder ab drei Monaten betreut werden können.

Am „Tag der Architektur 2017“, der sich über Samstag und Sonntag erstreckte, nutzten viele Interessierte die Chance, elf Objekte in Bochum zu besichtigen und sich ein Bild davon zu machen, wozu Architekten wie Carolin Ebbing in der Lage sind.

Geringeres Budget

Mit einem geringen Budget wurde die Krümelkiste in der Freiligrathstraße 3 kernsaniert. Fenster und Elektrik mussten erneuert werden. Die Innenausstattung des Kindertreffpunktes, die mit einem Tischler aus Bochum umgesetzt wurde, entwarf Ebbing zum Teil selbst. Um die 60 000 Euro bekamen die Tagesmütter Anne Westerholt und Barbara Striewe von der Stadt, die dazu auf einen Topf aus Landesmitteln für die Schaffung neuer Betreuungsplätze zurückgreifen konnte. Daher mussten die Betreuerinnen nur einen geringen Teil für Umbau und Ausstattung selbst zahlen. „Nachdem die Baugenehmigung erteilt wurde, ging alles Schlag auf Schlag“, so Ebbing. „Es war wie ein Kind kriegen, mit all seinen Schwierigkeiten und viel Schweiß für alle Beteiligten.“ Im Juli 2013 wurde der Bauantrag bei der Stadt eingereicht, im Dezember desselben Jahres dann die Tagesbetreuung eröffnet. „Die Idee wurde aus der Not heraus geboren und wir als Architektenbüro haben versucht, unsere Kosten gering zu halten. Es hat viel Spaß gemacht“, erinnert sich die Architektin.

Ein anderes Beispiel für außergewöhnliche Architektur ist im Kirchviertel zu sehen. Architekt Peter Lammsfuß öffnete die Pforten seines Hauses, das er gemeinsam mit Ehefrau Meike Siepmann umgebaut hat. Ein Fertighaus aus dem Jahr 1968 wurde abgerissen, nur der Keller erhalten, auf dessen Fundament dann ein hochmodernes Doppelhaus in Holzrahmenbauweise erbaut. In kurzer Bauzeit ist so ein Gebäude mit klaren Kanten und Kontrasten entstanden. Die Kosten für das Bauwerk und die Außenanlage der Doppelhaushälfte belaufen sich auf etwa 295 000 Euro, Abriss- und Grundstückskosten ausgenommen.

„Mit Holz, Beton und mineralischen Bodenbelägen wollten wir möglichst ökologische Materialien nutzen“, sagt Lammsfuß. Seit anderthalb Jahren wohnt die Familie mit zwei Kindern in dem Haus und ist sehr zufrieden. Bloß der Estrichboden bekommt Kratzer und Risse. „Wenn wir als Architekten nicht in unserem eigenen Haus experimentieren, wo sonst? Wir sehen das locker“, sagt Lammsfuß und freut sich über das rege Interesse der zahlreichen Besucher, die sein Heim sehen wollen.

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