Jubiläum

Eisenbahnmuseum in Bochum feiert 40-jähriges Bestehen

Zu sehen gibt es anlässlich des Jubiläums nicht nur Loks aus den Bochumer Beständen, sondern auch „Gastzüge“ aus anderen Museen.

Zu sehen gibt es anlässlich des Jubiläums nicht nur Loks aus den Bochumer Beständen, sondern auch „Gastzüge“ aus anderen Museen.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   In den vergangenen Jahren hat sich das Museum ganz neu erfunden. Das Motto: Weniger Technikdetails, mehr interessante Geschichten auch für Laien.

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Pflegt jemand eine Sammelleidenschaft, kommt im Laufe der Jahre einiges zusammen – und wer nicht gerade Briefmarken oder Münzen, sondern, nun ja, Eisenbahnen sammelt, braucht eine Menge Platz. Und noch mehr Enthusiasmus.

Im Bochumer Eisenbahnmuseum hat man beides. An diesem Wochenende blicken die Eisenbahnfans auf 40 Jahre Sammelleidenschaft zurück. Angefangen hat alles sogar noch früher, acht Jahre vor dem offiziellen Gründungstermin, als Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte fanden, dass man die alten Dampfloks nicht so einfach verschrotten dürfe. Dass es doch schade wäre, keine Erinnerungen an diese Ära zurückzubehalten.

Zunächst einen Maschendrahtzaun gezogen

Also mieteten sie zwei Stände im Lokschuppen Dahlhausen an, um dort den Grundstein zu ihrer Sammlung zu legen. Weil der Schuppen damals noch in Betrieb war, zogen sie erst einmal einen Maschendrahtzaun: „Damit die Eisenbahnverrückten die Eisenbahner nicht störten“, erklärt Prof. Wolfgang Fiegenbaum, Vorsitzender der Museumsstiftung.

Heute verfügt das Museum, das einst so bescheiden begann, über 70 000 Quadratmeter Fläche, einen stolzen Fuhrpark und ein Drei-Millionen-Euro-Budget vom Bundesbauministerium, um ein neues Empfangsgebäude zu bauen, Grundsteinlegung ist im August.

Denn seit einigen Jahren geht mit der stetigen Erweiterung der Sammlung auch ein Mentalitätswandel einher: Wo sich früher vor allem eingefleischte Eisenbahnfans, hauptsächlich Männer, angesprochen fühlen sollten, möchte man die Eisenbahnen heute stärker in einen historischen Kontext einordnen und so die Reisekultur im Wandel der Zeit veranschaulichen. Beispiel Liegewagen: „Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Massentourismus los, man fuhr mit dem Zug nach Rimini“, erzählt Wolfgang Fiegenbaum. „Als besonderen Service gab es Sekt und ein Friseurabteil, in dem die Damen nach einer Nacht im Liegewagen die zerknautschten Frisuren richten lassen konnten.“

Reisekultur, die das Eisenbahnmuseum seinen Besuchern künftig häufiger zeigen möchte. Besagter Liegewagen sei bereits fertig restauriert, so Fiegenbaum, jetzt müsse er nur noch eingerichtet werden.

Personenwagen als Behelfsheim

Auch ein alter Personenwagen, der nach 1945 als Behelfsheim diente, soll bald zu besichtigen sein. „Vom alten Kanonenofen im Inneren bis zur Wäscheleine mit Feinripp davor wird alles detailgetreu nachgebildet“, sagt Fiegenbaum. Noch vor wenigen Jahren hätten die Museumsbetreiber einen solchen Wagen lieber in seinen Fabrikzustand von 1897 zurückversetzt, heute aber „wollen wir Geschichten erzählen, die auch Laien interessieren. Mehr Kultur, weniger technische Details – aber wer die will, bekommt sie natürlich trotzdem.“

Bereits bestaunen lässt sich ein wieder instandgesetzter Salonwagen, der ursprünglich zum Dienstzug Adolf Hitlers gehörte, nach dem Zweiten Weltkrieg aber verschiedenste Persönlichkeiten von Konrad Adenauer über Queen Elizabeth II und den Schah von Persien bis hin zu Willy Brandt beförderte. „Jedes Abteil ist mit zeitgenössischen Accessoires ausgestattet“, sagt Fiegenbaum, zum Beispiel Besteck, Hüte, oder, in Erinnerung an den Schah und die Studentenunruhen: original Berliner Pflastersteine.

Gerade sei man dabei, eine der letzten Magnetbahnen zu kaufen; eine Werklok von Opel gehört bereits zum Bestand. „Sicher werden wir irgendwann auch einen der älteren ICE aufstellen“, so Fiegenbaum. „Ein Museum lebt davon, sich immer zu aktualisieren.“ Ausgesammelt hat es sich hier offenbar noch lange nicht.

>>> Info: Das Programm am Jubiläums-Wochenende

  • Die Feier am 29. und 30. April (jeweils 10 bis 18 Uhr) steht unter dem Motto: „Ost trifft West“.
  • Es werden acht historische Lok-Pärchen (von der Deutschen Bundesbahn im Westen und der Deutschen Reichsbahn im Osten) gezeigt. Eintritt: 16 Euro.
  • Am 1.Mai wird von 8.30 bis 17 Uhr ein spezieller Fototag veranstaltet. Eintritt: 18 Euro.
  • Auch die Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte feiert ihr Jubiläum: Sie besteht seit 50 Jahren. Bereits am heutigen Freitag findet ein Festakt mit geladenen Gästen statt.
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