Gesundheit

Einnahme von Medikamenten: Den Durchblick bewahren

Hausapotheken gleichen oft einem Sammelsurium: hier beim WAZ-Verbrauchercheck mit Leserin Silke Benscheidt (li.) und Beraterin Iris Markowski.

Foto: Gero Helm

Hausapotheken gleichen oft einem Sammelsurium: hier beim WAZ-Verbrauchercheck mit Leserin Silke Benscheidt (li.) und Beraterin Iris Markowski. Foto: Gero Helm

Bochum.  Ärzte und Apotheker warnen: Jeder zweite Patient nimmt Medikamente falsch ein. Ein Pass schafft Ordnung – und sorgt für Sicherheit im Notfall.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Schuhkartons sind besonders beliebt“, weiß Gerhard Seeliger. Bei seinen Hausbesuchen sieht sich der Hausarzt immer wieder einem wilden Sammelsurium an Pillen, Pasten und Tuben gegenüber, die sich in Schuhkartons stapeln. Längst haben viele Patienten den Durchblick verloren. Ärzte und Apotheker schlagen Alarm und wollen aufklären. Die WAZ ist Kooperationspartner. Dr. Christian Möcklinghoff vom Vorstand des Medizinischen Qualitätsnetzes (MedQN) formuliert das gemeinsame Ziel: „Die Patienten müssen Chef ihrer Medikamente werden.“

Es drohen lebensgefährliche Folgen

Bei einem Info-Abend im Kunstmuseum machten die Experten in dieser Woche auf das Problem aufmerksam. Jeder zweite Patient, so weisen Studien aus, nimmt seine Arzneien falsch ein. Die Folgen können lebensgefährlich sein, warnt Apothekerin Dr. Inka Krude. Beispiele: Insbesondere Herzmedikamente müssen exakt laut Verordnung eingenommen werden. Zwei verschiedene Antibiotika können sich gegenseitig aufheben. Und Aspirin-Präparate müssen spätestens eine Woche vor einer Operation abgesetzt werden. „Jede Fahrlässigkeit kann schwerwiegende Konsequenzen haben.“

Schutz vor Wechsel- und Nebenwirkungen bietet ein Medikamentenpass, wie ihn das MedQN schon vor Jahren eingeführt hat. Ärzte und Apotheker sind inzwischen gesetzlich verpflichtet, den Pass auszustellen, wenn der Patient drei und mehr Präparate länger als vier Wochen einnimmt.

Die Experten raten:

  • Schreiben Sie zuhause alle Ihre Medikamente und Heilmittel auf. Dazu gehören auch pflanzliche Helfer aus dem Drogeriemarkt, etwa Johanniskraut oder Heiltees. „Denn alles greift im Körper ineinander“, betont Inka Krude.
  • Stimmen Sie die Einträge mit dem Hausarzt, den behandelnden Fachärzten und Ihrer Apotheke ab (in der die Frage nach weiteren Präparaten allzu oft fälschlicherweise mit Nein beantwortet wird).
  • Halten Sie den Medikamenten-Pass stets auf dem neuesten Stand.
  • Tragen Sie den Zettel immer bei sich, am besten wie den Ausweis im Portemonnaie. Das kann gerade in Notfällen lebenswichtig sein.

„Sie müssen die Initiative ergreifen. Denn es geht um Ihre Gesundheit“, appellieren die Ärzte und Apotheker. Nicht verwendete und abgelaufene Arzneien sollten nicht für alle Ewigkeit aufbewahrt, sondern im Hausmüll entsorgt werden (Achtung: Vor dem Zugriff von Kindern schützen!). Niemals sollte die Medikation ohne Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker verändert werden. Schon gar nicht dürfen Präparate sorglos weitergereicht werden, so wie es Gerhard Seeliger kürzlich erfuhr: „Ein Enkel hatte Schlafstörungen. Großvater wusste Rat – und gab ihm eine seiner Pillen.“ Ob er dabei in einen Schuhkarton griff, ist nicht überliefert, aber sehr wahrscheinlich.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik