Drogenkriminalität

Drogen an Bochumer Schulen – Mutter zeigte eigene Kinder an

Der Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung bestätigt eine Zunahme von Cannabis-Konsum und beklagt immer mehr Trinkexzesse. Demnach geraten Jugendliche immer früher an Alkohol und kiffen.

Der Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung bestätigt eine Zunahme von Cannabis-Konsum und beklagt immer mehr Trinkexzesse. Demnach geraten Jugendliche immer früher an Alkohol und kiffen.

Foto: advantage-Niehues

Bochum.   Jede weiterführende Schule in Bochum habe ein Drogenproblem, sagt ein Bochumer Schulleiter. Zuletzt zeigte eine Mutter ihre eigenen Kinder an.

An einer Gesamtschule in Wanne-Eickel wird demnächst ein Zaun errichtet. Er soll Drogendealer von den Schülern fernhalten. So weit ist es an den Schulen in Bochum noch nicht. Martin Breuer, Leiter der Heinrich-Böll-Gesamtschule aber sagt: „An jeder Schule gibt es ein kleineres oder größeres Drogenproblem.“

An einer Bochumer Schule war das zuletzt so groß, dass eine Mutter Strafanzeige erstattete – gegen ihre eigenen Kinder.

Strafverfahren wurde eingestellt

Sie sah keinen anderen Ausweg mehr. „Ich habe mich zunächst an die Klassenlehrer gewandt. Meine Kinder wurden dazu genötigt, Drogen weiterzuverkaufen. Als von der Schule nichts kam, habe ich diesen ungewöhnlichen Weg gewählt. Meine Kinder sollten daraus lernen.“ Gegen den älteren der beiden, er war 15, wurde ein Strafverfahren eröffnet. Es wurde eingestellt. Der Junge zeigte sich einsichtig und reuig. Die Mutter aber störte vor allem, dass die Schule nicht entsprechend reagiert hatte. „Ich hatte das Gefühl, sie wollen das Problem klein halten. Aber damit ist doch keinem geholfen.“ Das sehen sie an der betroffenen Schule genauso.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, reagiert der Jahrgangsstufenleiter zunächst mit Unverständnis. „Wir haben Suchtbeauftragte, ein Suchtpräventionsprojekt mit klaren Wegen, die eingehalten werden sollten.“ Dass das in diesem Fall nicht optimal gelaufen sei, sei bedauerlich. Daraus müsse die Schule lernen, Schüler, Eltern und Lehrer vielleicht anders informieren und einbinden. Probleme mit Drogen, deren Konsum oder Weiterverkauf, wird die Schule dennoch nicht komplett verhindern können.

Hohe Dunkelziffer

Das sieht auch Bernhard Arens so. Der Leiter des Theodor-Körner-Gymnasiums und Sprecher der Bochumer Gymnasial-Schulleiter, spricht für alle seine Kollegen, wenn er sagt: „Wir tun das, was wir tun können.“ Also die Schüler über Gefahren informieren und bei Hinweisen auf Drogen sofort reagieren. „Wann immer uns ein Hinweis erreicht, schalten wir die Polizei ein.“ Auch dort ist die Problematik bestens bekannt.

„Der Schulhof ist ein Ort, wo Drogen eine Rolle spielen“, sagt Jens Artschwager von der Bochumer Polizei. „Wir haben Zahlen für die vergangenen Jahre. Dazu kommt sicherlich noch eine größere Dunkelziffer.“ 2012 wurden der Polizei 21 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz an Schulen gemeldet, 2014 waren es 14, 2017 dann 37. „Hauptsächlich geht es um den Konsum oder den Verkauf von Gras. Wir kennen die Thematik und haben bei der Drogenkriminalität die Schulen im Blick.“

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