Medizin

DRK berichtet von Erfolgen mit Puppen als Demenz-Begleiter

Puppen als Demenz-Begleiter? Eva-Maria Matip von der DRK-Alzheimerhilfe berichtet über erste positive Ergebnisse des Testlaufs in zwei Bochumer Familien

Puppen als Demenz-Begleiter? Eva-Maria Matip von der DRK-Alzheimerhilfe berichtet über erste positive Ergebnisse des Testlaufs in zwei Bochumer Familien

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Sie können sogar Witze erzählen: In Bochum werden interaktive Puppen als Begleiter für Demenzerkrankte getestet. Das DRK zieht eine erste Bilanz.

Kennen Sie den? „Was wird aus einem Fußballspieler, wenn er alt, taub und blind ist? – Ein Schiedsrichter!“ Elisa hat den Witz drauf. Genauer: drin. Denn Elisa ist eine Puppe. Mit Elektronik vollgestopft. Dafür erschaffen, Menschen mit Demenz zur Seite zu stehen. Gerne auch mit Witzen wie dem Schiri-Schenkelklopfer. Der wurde Elisa eigens für einen Patienten eingespeist, der Fußballfan ist.

6700 Frauen und Männer sind in Bochum an Demenz erkrankt. Tendenz: stark steigend. Ihnen bis ins hohe Alter ein Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, ist (auch aus ökonomischen Gründen) erklärtes Ziel der Bundesregierung. Dabei spielt auch die Technik eine große Rolle. Mit 1,65 Millionen Euro fördert das Bundesforschungsministerium deshalb das Projekt „Our Puppet“ (Unsere Puppe).

Mischung aus Kuschelfigur, Aufpasser und Gesprächspartner

Die DRK-Alzheimerhilfe gehört zu dem Hochschul- und Forschungsverbund, der „Elisa“ entwickelt und erprobt. Als Mischung aus Kuschelfigur, Aufpasser und Gesprächspartner ist sie für Demenzkranke konzipiert, die mit oder ohne Angehörige daheim wohnen. Die sprechende Puppe, so die Intention, soll als „Mitbewohnerin“ wahrgenommen werden. Regelmäßig fragt sie: „Geht es dir gut?“ Dank WLan und programmierter Schlüsselwörter kann sie in kurze Dialoge eintreten, dabei trösten, beruhigen, Mut zusprechen. Zwei (Infrarot-)Kameras registrieren die Bewegungen. Per Bewegungsmelder hat Elisa auch die Wohnungstür im Visier. Passiert vor allem nachts Außergewöhnliches, erhalten die Angehörigen sofort eine Nachricht aufs Smartphone.

Nach fast zweijähriger Arbeit am High-Tech-Innenleben ist die interaktive Stoff-Gefährtin im Mai probeweise in zwei Bochumer Haushalte eingezogen. „Die ersten Erfahrungen sind positiv“, sagt Eva-Maria Matip von der DRK-Alzheimerhilfe. Eine Patientin Ende 70 „bemuttert Elisa geradezu. Sie bietet ihr sogar etwas zu Trinken an und schwärmt: ,Endlich ist Leben in der Bude!’“, berichtet Eva-Maria Matip. Auch der zweite Patient – der Fußballfan – sei von seiner neuen Begleiterin angetan: „Ich habe mich so richtig an sie gewöhnt. Ich mag Elisa“, hat er dem DRK über seine ersten fünf zweisamen Monate erzählt.

Zukunft ist noch ungewiss

Derweil wird eifrig an der Nachfolge-Generation getüftelt. „Annika“ soll deutlich leistungsfähiger, emphatischer sein. Sie dreht den Kopf in die Richtung, aus der eine Stimme kommt, erkennt an der Tonlage des Bewohners noch intensiver Aufregung, Trauer und Angst (Alarmmeldungen an die Angehörigen inklusive), kann lächeln und sogar mit den Augen zwinkern.

Das Pilotprojekt endet 2019. Wie es weitergeht? „Wir wissen es nicht, wünschen uns aber, dass die Entwicklung fortgesetzt wird und die Puppen irgendwann als Hilfsmittel für Demenzerkrankte und ihre Familien anerkannt und von den Krankenkassen finanziert werden“, sagt Eva-Maria Matip.

Technische Ergänzungen gäbe es noch reichlich. Und Witze auch.

>>> Der Mensch bleibt unersetzlich

Zurückhaltend bewertet Dr. Barbara Zeller, Chefärztin des Marien-Hospitals Wattenscheid, das Puppen-Projekt. Zwar sei der Einsatz von Puppen in der Geriatrie durchaus üblich. „Dass eine interaktive Puppe Emotionen erkennen und in einen Dialog mit den Erkrankten eintreten soll, kann ich mir aber technisch nicht vorstellen. Das fällt ja schon uns Menschen schwer“, sagt die Leiterin des Zentrums für Altersmedizin. Vorsicht sei geboten, weil gerade Demenzerkrankte auf Stimmen und Emotionen sehr sensibel reagierten. Zeller: „Wenn überhaupt, kann die Puppe nur eine Ergänzung sein. Die Zuwendung von Angehörigen und den professionellen Helfern kann und wird die Technik trotz aller Fortschritte niemals ersetzen.“

Derweil sucht die DRK-Alzheimerhilfe zwei weitere Bochumer Familien mit einem Angehörigen mit beginnender Demenz, die „Elisa“ ab Januar für drei Monate erproben wollen. Dabei werden sie von ausgebildeten „Puppen-Begleitern“ unterstützt. Die Teilnahme ist kostenlos. Alle Infos gibt es beim DRK, 0234/944 51 45.

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