STADTTEILENTWICKLUNG

Die Stadt von Morgen wird in der Lutherkirche erforscht

Die Lutherkirche in Langendreer ist seit Jahren geschlossen.

Foto: Klaus Pollkläsener

Die Lutherkirche in Langendreer ist seit Jahren geschlossen. Foto: Klaus Pollkläsener

Langendreer.  Für fünf Wochen wird die alte Kirche in Langendreer zum Experimentierraum. Workshops sollen zeigen, was alles vor Ort produziert werden kann.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Seit nunmehr acht Jahren ist es still in der Lutherkirche. Nun wird das ehemalige evangelische Gotteshaus zum Experimentierfeld für neue Formen städtischen Zusammenlebens: Das Forschungsprojekt Urbane Produktion.Ruhr lädt ab dem 16. September zum sogenannten LutherLab. In zahlreichen Workshops, Vorträgen und Diskussionen sollen in fünf Wochen die Grundzüge einer neuen Wohn- und Arbeitswelt erkundet werden. Die Vision: Produktion im Kleinen, so wie Handwerk, Reparatur und Versorgung, soll wieder dort stattfinden, wo die Menschen leben – in ihrem Stadtteil.

Klassische Stadtplanung sieht vor, dass Wohnen und Arbeitswelt räumlich klar getrennt sind. Gerade hier im Ruhrgebiet hat das lange Zeit Sinn ergeben: „Natürlich kann man kein Stahlwerk in ein Wohngebiet bauen“, sagt Stadtplaner Burkhard Huhn. „Aber es gibt ja noch etwas dazwischen. Und Produktion sieht heute ganz anders aus.“ Ein 3D-Drucker zum Beispiel ist emissionsfrei und leise – somit gibt es keinen Grund, moderne Produktion wie diese in entlegene Industriegebiete am Stadtrand zu verbannen.

Die Vorteile: Es gibt weniger Verkehr, der Arbeitsweg jedes Einzelnen wird kürzer und lange verlassene Räume können endlich wieder genutzt werden. „Gerade in Langendreer und Werne gibt es viele Hinterhöfe und Altbauten“, so Huhn. Die will man weder leer stehen lassen noch abreißen, sondern mit neuem Leben füllen.

Luther-Bier brauen und Austernpilze züchten

Ein Beispiel für einen solchen Raum ist die Lutherkirche. Am Samstag (16.9.) können die Besucher des Eröffnungsfestes dort direkt selbst mit anpacken: Die Holzmöbel für das „Festival der Urbanen Produktion“ werden gemeinsam mit einem Essener Möbelbauprojekt selbst gemacht. Ab 14 Uhr kann zum Akkuschrauber gegriffen werden. Tags drauf (17.9.) gibt es ab 11 Uhr einen Workshop im Bierbrauen und am folgenden Donnerstag (21.9.) um 19 Uhr einen Vortrag zum Thema „Die neue Arbeitswelt“ von einem Unternehmensberater. Weitere Workshops gibt es beispielsweise zum Züchten von Austernpilzen (24.9.), Upcycling (27.9.), 3D-Druck (13.10.) und Aquaponik (8.10.).

Bei Aquaponik handelt es sich um eine besondere Technik der Fisch- und Pflanzenzucht, die dank eines künstlichen Wasser- und Nährstoffkreislaufs auch im städtischen Raum stattfinden kann. Ein weiteres Angebot: Jeden Montag können Freischaffende mit ihren Laptops gemeinsam in der Kirche arbeiten. Und immer mittwochs und sonntags um 15 Uhr stellen sich hier Vereine und Institutionen aus dem Stadtteil vor.

Forscher sind selbst auf die Ergebnisse gespannt

Das Forschungsprojekt ist ergebnisoffen. Es soll aber mehr sein, als eine umfangreiche Hilfe zur Hobby-Suche, betont Denis Wilkowski: „Wir wollen auch Leute ermutigen, in die Selbstständigkeit zu gehen“, so der Mitarbeiter des Forschungsprojekts. Am 27. September gibt es deshalb auch eine Info-Veranstaltung der Wirtschaftsförderung Bochum zum Thema „Vom Hobby in die Selbstständigkeit“ und am 11. Oktober ein Vernetzungstreffen für Handwerker und Studierende.

Ob sich daraus etwas ergibt? Darauf sind auch die Forscher selbst gespannt. Bis 2019 wird das Projekt Langendreer und Werne begleiten.

>>> Kleine Produktionsstätten im Fokus

Das Forschungsprojekt Urbane Produktion.Ruhr beschäftigt sich bis 2019 mit Produktionsstätten innerhalb der Stadt am Beispiel von Langendreer, Werne und Wattenscheid. Der Fokus liegt auf urbaner Manufaktur, also zum Beispiel Lebensmittel- oder Textilproduktion im kleinen Rahmen.

Das „Festival der Urbanen Produktion“ veranstaltet das Forschungsprojekt gemeinsam mit dem Bahnhof Langendreer, der Bochumer Wirtschaftsentwicklung und anderen Akteuren.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik