Zentrale Dienste

Die Stadt Bochum baut ihre Möbel selber

Jonas Wiesinger ist der Auszubildende in der Tischlerei der Stadt. Er hat gute Chancen übernommen zu werden.

Jonas Wiesinger ist der Auszubildende in der Tischlerei der Stadt. Er hat gute Chancen übernommen zu werden.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Die Zentralen Dienste unterhalten eigene Tischlerei. Dort werden Möbel für die städtischen Mitarbeiter gebaut. Auch die Farbe ist festgelegt.

Frank Denz hat sich an die Diebstähle gewöhnt. Jedes Jahr werden die Schlüssel die er anfertigt gestohlen. „Das gehört zum Karneval und zum Rathaussturm dazu“, sagt der Tischler-Meister und Leiter der Tischlerei der Stadt ohne eine Miene zu verziehen. „Jedes Jahr fertigen wir fünf oder sechs große Schlüssel aus Holz an. Die verschwinden immer irgendwohin.“ Was kein großes Problem ist. Die Schlüssel, die für die Jecken hergestellt und mit goldener Farbe gestrichen werden, sind schnell produziert. „Das läuft hier alles maschinell. Dafür müssen wir nur kurz eine Maschine programmieren.“

Hochwertige Maschinen

Was für Denz Routine ist, er arbeitet seit 1980 in der Tischlerei der Zen-tralen Dienste, lässt bei Andreas Grosse-Holz die Augen strahlen. Er ist bei den Zentralen Diensten für das technische Gebäudemanagement zuständig. „Ich habe selber Schreiner gelernt und meinen Meister gemacht. Als ich seinerzeit zum ersten Mal in diese Schreinerei gekommen bin, habe ich echt gestaunt. Die Stadt hat hier eine Schreinerei, die ihresgleichen sucht. Die Ausstattung mit den verschiedenen hochwertigen Maschinen ist sehr gut, die findet sich so nicht in vielen Firmen.“

Das muss aber auch so sein. Die Tischlerei an der Grünstraße in Wattenscheid, gleich hinter der Feuerwehr, muss wirtschaftlich arbeiten. Im Zweifel also kostengünstiger aber qualitativ ebenso hochwertig, wie es ein privater Anbieter machen würde.

Das hat zur Folge, dass Denz und seine neun Mitarbeiter überwiegend standardmäßig Aktenschränke in verschiedenen Höhen, Sideboards und Schreibtische entstehen lassen, dabei aber so gut wie keine Maßanfertigungen machen. „Das könnten wir problemlos“, sagt Denz. „Das machen wir auch auf Anfrage. Wir bauen auch Kolumbarien, Briefkästen oder Theken, spezielle Schränke für Kindergärten mit Lüftungsöffnungen in Sternform. Wir haben für den neuen Oberbürgermeister Thomas Eiskirch ein neues Rednerpult gebaut oder zum Beispiel auch eins für die Jüdische Gemeinde. Das war ein Wunsch der damaligen Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz. Das war ein Geschenk. Wir könnten Schränke bauen, die 97,5 Zentimeter breit sind und dann genau in eine Zimmerecke passen. Aber dafür müssten wir die Maschine entsprechend programmieren, danach dann wieder umprogrammieren. Das wäre zu viel Aufwand.“ Der wiederum auf Dauer nicht wirtschaftlich wäre. „Kosten spielen hier eine große Rolle“, sagt Denz.

Nur Standardformen und -größen

Deshalb können die städtischen Bediensteten oder Mitarbeiter des USB, auch die Stadttochter bezieht Möbel aus städtischer Anfertigung, nur Standardgrößen und -formen auswählen. Alle bekommen höhenverstellbare Schreibtische und dazu passend Aktenschränke und Sideboards. Bei der Farbe haben sie keine Wahl, die gibt es nicht, es gibt nur Buchenfurnier. Das findet sich demnach überall in den städtischen Gebäuden.

Christian Frenzel (28), der seit Ende des vergangenen Jahres in der Tischlerei arbeitet und der Auszubildende Jonas Wiesinger (21) setzten zum Beispiel gerade Aktenschränke in großer Zahl zusammen. Das hat so ein bisschen was von Ikea-Puzzle. Nur dass die beiden die Holzdübel sowie die Rück- und Seitenwände verleimen und die Rückwand ein stabiles Brett ist. „Da kann man problemlos kräftig einen Aktenordner dagegen schieben“, sagt Grosse-Holz. „Diese Rückwand löst sich nicht. Diese Schränke werden auch nicht mehr auseinandergenommen. Sie werden hier zusammengebaut und dann komplett ausgeliefert.“ Kaputt gehen können zahlreichen Produkte, die diese Werkstatt verlassen, natürlich dennoch.

Reparaturen zum Beispiel von Kindergarten-Stühlen

„Wir reparieren auch“, sagt Denz. „Wir haben die Werkstatt und wir haben Monteure. Stühle aus den Kindergärten haben wir zum Beispiel regelmäßig hier. Wir müssen auch schon mal zu Schulen, weil dort ganze Türen aus der Verankerung gerissen oder Tafeln kaputt gemacht werden. Das Verhalten der Schüler ist schon rabiater geworden.“ Arbeit wird es also auch in Zukunft genug geben.

>>> Info: Instandhaltung hat weitere Werkstätten

  • Zur Instandhaltung gehören bei der Stadt weitere Werkstätten. Neben der Tischlerei gibt es noch eine Malerwerkstatt, eine Heizungswerkstatt, eine Elektrowerkstatt und eine Schlosserei. Ziel ist es, möglichst viele Reparaturarbeiten in Eigenregie ausführen zu können.
  • Gearbeitet wird in der Tischlerei von Montag bis Freitag von 7 bis 15.30 Uhr. Derzeit gibt es einen Auszubildenden. Er hat gute Aussichten, übernommen zu werden.
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