Wirtschaft

Die nächste Firmenschließung in Bochum droht

Noch werden bei Johnson Controls an der Hüttenstraße in Wiemelhausen Sitze für den Ford Fiesta hergestellt. Die Belegschaft fürchtet indes, dass das Werk nächstes Jahr geschlossen wird.

Noch werden bei Johnson Controls an der Hüttenstraße in Wiemelhausen Sitze für den Ford Fiesta hergestellt. Die Belegschaft fürchtet indes, dass das Werk nächstes Jahr geschlossen wird.

Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum.  Beim Sitzhersteller Johnson Controls stehen Sondierungsgespräche zwischen Betriebsrat, Gewerkschaft und Unternehmen an. Es geht um 400 Arbeitsplätze.

Ein neues Unternehmen wird Ende des Jahres in der Bochumer Industriefirmenlandschaft auftauchen: Es heißt Adient. Mehr Beschäftigung und Wertschöpfung ist mit seinem Kommen an der Hüttenstraße in Wiemelhausen allerdings nicht verbunden. Tatsächlich geht es nur um eine Umfirmierung. Aus Johnson Controls wird Adient, die Automotive-Sparte des US-Konzern wird aus der Muttergesellschaft herausgeschält und alleine an die Börse gehen.

„Weiteres Wachstum generieren“ soll das eigenständige Unternehmen, wie es in einer Mitteilung des Konzerns heißt. Ein Ziel, vom dem sich die noch 400 Beschäftigten am Standort Bochum indes abgekoppelt wähnen. Längst geht unter ihnen die Kunde umher, dass es bereits einen Schließungsbeschluss für April 2017 geben soll. Bis Ende 2017 werden noch Sitze für das auslaufende Fiesta-Modell von Ford gefertigt und das Ersatzteilgeschäft für einige Kunden erledigt, so Unternehmenssprecher Lars Boelke.

Und danach ist Schluss? Dazu gibt es keinen Kommentar aus der Zentrale in Burscheid. Fakt ist: Nachdem Ende 2014 die Produktion von Sitzen für den Opel Zafira endete und im März 2017 der Vertrag mit Ford ausläuft, gibt es noch keinen Folgeauftrag. Und die Chancen dafür schätzt die Belegschaft eher gering ein. „Es gab viel Unruhe in der Belegschaft und der Druck auf den Betriebsrat war groß“, sagt Michael Munsch. Der 40-Jährige, seit 17 Jahren im Unternehmen, hat Dietmar Kupfer als Kopf der Arbeitnehmervertretung abgelöst. Kupfers Kurs, so ist aus der Belegschaft zu hören, war nicht der richtige.

Arbeitnehmervertretung drängt auf Gespräche

Die Arbeitnehmervertretung drängt nach Informationen der WAZ schon lange auf Gespräche über eine Betriebsvereinbarung, um für den schlimmsten Fall gewappnet zu sein. Die Belegschaft fürchtet nämlich, im Falle einer Schließung leer auszugehen. Munsch: „Die Leute fragen sich: Sollten wir unseren Arbeitsplatz verlieren, was bleibt uns dann?“. Zumal es in der Belegschaft mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren viele ungelernte Kräfte gibt oder Facharbeiter aus vielen Gewerken, deren Ausbildung lange her ist. Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt stünden nicht gut. Betriebsrat Munsch macht keinen Hehl daraus, dass eine Transfergesellschaft und eine Abfindung, die deutlich besser ist als jene Ende 2014, auf der Wunschliste stehen. Damals mussten 123 Mitarbeiter gehen, die die Zafira-Sitze hergestellt hatten. Ende Februar, Anfang März sollen dazu Gespräche beginnen, erstmals haben Werksleitung und Geschäftsführung Sondierungsgesprächen zugestimmt.

Sorgen machen sich die Beschäftigten über ihre soziale Absicherung nicht zuletzt deshalb, weil die Standorte von Johnson Controls als eigenständige Gesellschaften organisiert sind, in diesem Fall als Johnson Controls Objekt Bochum GmbH & Co. KG. Die Frage ist, ob der Konzern einspringt, sollte das Objekt schließen.

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