Bombenfund

Die Kirche wird wieder zum Zufluchtsort beim Bombenfund

Die Anwohner kommen im Gemeindezentrum Marmelshagen unter, das Wohnviertel um die Insterburger Straße wird während der Bombenentschärfung evakuiert.

Die Anwohner kommen im Gemeindezentrum Marmelshagen unter, das Wohnviertel um die Insterburger Straße wird während der Bombenentschärfung evakuiert.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Bochum-Hofstede.  Das Gemeindezentrum in Bochum-Hofstede dient als Sammelstelle während der Entschärfung. Die Helfer müssen viele Gehbehinderte transportieren.

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Die Situation hat etwas Gruseliges: Die linke Seite der Hordeler Straße wird evakuiert, die rechte nicht, auch auf der Dorstener Straße herrscht der alltägliche Verkehr. Wer am Gemeindezentrum direkt neben der Kirche St. Nikolaus von Flüe vorbeifährt, bemerkt bestenfalls die vielen Einsatzwagen von Feuerwehr und Rettungsdiensten. Dabei wird gerade das gesamte Viertel westlich davon evakuiert. An der Insterburger Straße muss eine Bombe entschärft werden.

Schon morgens um neun Uhr hat der Kampfmittelräumdienst aus Arnsberg durchgegeben, dass es einen Verdacht gibt, um 12 Uhr kam der Alarm. Etwa 1800 Menschen wohnen hier, der sichere Abstand von 250 Metern endet genau in der Hordeler Straße. Fast nebenan in Herne ist nicht zu bemerken. Inzwischen haben die Rettungsdienste überall geklingelt und rote Zettel an die Türen geklebt: „Ihr Haus muss sofort evakuiert werden.“

Die Umgebung macht es diesmal den Helfern einfacher, das Viertel ist klar umgrenzt, es reichen Absperrungen an der Braunsberger Straße und der Allensteiner Straße. Aber die Räumung des Quartiers gestaltet sich dennoch aufwendiger, denn es wohnen viele ältere und vor allem gehbehinderte Menschen in diesem Bereich.

Viele Personentransporte

Die Einsatzleitung der Feuerwehr hat daher alles angefordert, was diese speziellen Transporte übernehmen kann. Es sind Malteser aus Soest, Johanniter aus Werl, Rot-Kreuz-Helfer aus Siegen dabei. Im Johanneshaus praktisch direkt gegenüber der Sammelstelle sind den Helfern 13 Menschen gemeldet, die gefahren werden müssen. „Nein, die beiden sind die letzten“, erfahren sie dann.

Es wird penibel registriert, wie viele Menschen tatsächlich im katholischen Gemeindezentrum angekommen sind, Listen mit den Namen abgeglichen. Über 200 kommen hier bis zum späten Nachmittag unter, über 100 müssen gefahren werden. Im Gemeindesaal werden Kaffee, Mineralwasser und Brötchen ausgegeben, draußen hat die Sondereinheit Verpflegung die Feldküche angeheizt, es gibt Suppe.

Sogar Spiele für die Kinder

Im Vorraum der St. Nikolaus von Flüe-Kirche kümmert sich eine Rot-Kreuz-Helferin um einige Kinder, dafür gibt es einen Spezial-Rucksack mit Spielzeug. In den Bänken genießen vor allem Senioren den Schutz, auch vor dem lästigen Regen.

Riesendank an die Gemeinde

Nachdem um 17.55 Uhr endlich das Signal kommt, dass Feuerwerker Rainer Woitschek das Relikt aus dem zweiten

Weltkrieg unschädlich gemacht hat, spricht Markus Wendelberger von der Einsatzleitung der Feuerwehr vor allem der Gemeinde einen Riesendank aus: „Das war jetzt das vierte Mal, dass wir das Gemeindezentrum als Betreuungsstelle nutzen konnten, unheimlich kooperativ.“

Pastor Mihai Imbria hat auf seinem Weg zum Gemeindesaal gewinkt und sein Lächeln nicht verloren. „Man kennt sich schon“, meint er nur. „Morgen wird hier wieder aufgeräumt und alles ist gut.“

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