müll

Die Hälfte des Bochumer Müllbergs wird verbrannt

Müll getrennt in großen Mengen wie im Ekocity-Center an der Oberen Stahlindustrie in Wiemelhausen. Von dort gehen die Wertstoffe zurück ins duale System oder, werden zu Verwertern gebracht.

Müll getrennt in großen Mengen wie im Ekocity-Center an der Oberen Stahlindustrie in Wiemelhausen. Von dort gehen die Wertstoffe zurück ins duale System oder, werden zu Verwertern gebracht.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Bochumer Abfall landet in den Heizkraftwerken Wuppertal und Herten. Etliches wird aber auch wiederverwertet. Das sind die Wege des Mülls:

Sammeln lohnt sich. Sammeln und wiederverwerten. 122 Euro brachte im Januar jede Tonne Altpapier. Für die 25.187 Tonnen Papier, Pappe und Kartonage, die 2015 allein in Bochum angefallen sind, käme da ein hübsches Sümmchen zusammen. Knapp 3,1 Millionen Euro. Nur für’s Papier. Auch Altmetall zu sammeln oder es vorher aus Produkten herauszutrennen ist ein einträgliches Geschäft. 100 Euro bringt dieser Tage eine Tonne. Müll bringt Geld.

Allerdings kostet Müll auch. Jedenfalls der, der am meisten fabriziert wird: Hausmüll. 73.858 Tonnen davon fielen 2015 allein in Bochum an. Eine Menge, die – von einer Müllwagenschlange abtransportiert – von Bochum noch weit ins Dortmunder Stadtgebiet reicht. Tatsächlich bringen die USB-Müllwagen unseren Hausmüll aber nicht nach Dortmund, sondern nach Herten und Wuppertal (Grafik) in die Müllverbrennungsanlagen der AGR und der AWG. 90.000 Tonnen Kapazität, 70.000 in Wuppertal und 20.000 in Herten, hat Bochum als Mitglied des Ekocity-Verbundes in diesen Anlagen belegt, die eine Gesamtkapazität von 645.000 Tonnen haben.

Etwa die Hälfte der gesamten Bochumer Müllmenge wird verbrannt – und damit deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt (etwa 35 Prozent). Seit 2005 wird in Deutschland der Hausmüll nicht mehr auf Deponien gebracht, sondern in großen Anlagen thermisch wiederverwertet. Und nicht nur das: Die Verbrennungsanlagen sind eigentlich Heizkraftwerke. Bislang produzieren sie auf diese Weise Strom, in Herten wird von 2018 an auch Fernwärme für die Steag und Uniper erzeugt.

Internationales Geschäft

Aber wohin landet der restliche Müll, der jedes Jahr zwischen Riemke und Stiepel, zwischen Wattenscheid und Langendreer anfällt? Das meiste bleibt in Nordrhein-Westfalen, bisweilen geht die Reise aber auch weit über die Landes-, ja sogar über Deutschlands Grenzen hinaus. Papier jedenfalls wird ebenso wie Metall oder Kleidung international gehandelt. Es könnte beinahe überall auf der Welt wieder auftauchen.

So weit sind die Wege des Bochumer Altmetalls allerdings nicht. Das meiste davon landet, nachdem es vorher im Ekocity-Center an der Oberen Stahlindustrie getrennt und sortiert wurde, später in einem Stahlwerk in Duisburg. Die 2005 eröffnete Anlage ist der Umladeplatz für den Bochumer Hausmüll. Hier werden aber auch jährlich 70.000 Tonnen Sperrmüll und 130.000 Tonnen Gewerbemüll sortiert und verwertet (Grafik). Deutschland ist Recycling-Weltmeister, bundesweit wird knapp die Hälfte des kommunalen Mülls mittlerweile wiederverwertet.

Elfter Platz im Städteranking

Insgesamt 165.825 Tonnen Müll haben die Bochumer 2015 produziert. Ohne den Straßenkehricht (10.513) war damit jeder Einwohner der Stadt für 425,8 Kilogramm Müll verantwortlich – immerhin 11,4 Kilo weniger als ein Jahr zuvor und 22,1 Kilo weniger als 2005. USB-Chef Thorsten Zisowski führt das auch auf einen sensibleren Umgang mit Wertstoffen zurück. Der Rückgang 2015 gegenüber 2014 kam aber auch wetterbedingt zustande. 2014 hatte das Sturmtief Ela noch für 1600 Tonnen mehr Grünabfälle gesorgt. Außerdem wurde wegen des strengen Winters mehr Streumittel gestreut. Beides gab es 2015 nicht.

Im Landesvergleich findet sich Bochum mit seinen Müllmengen im Mittelfeld wieder. Es liegt mit den 425,8 Kilogramm pro Kopf im Städteranking zwar auf Platz elf hinter dem Kreis Siegen-Wittgenstein (416,3) und vor dem Kreis Paderborn (439,9) und damit unter dem NRW-Durchschnitt (466,2 kg pro Kopf) und dem durchschnittlichen Wert im Regierungsbezirk Arnsberg (453,1 kg.). Geht es aber ausschließlich um den Haus- und Sperrmüll (249,4 kg je Einwohner) liegt Bochum nur auf Platz 38 unter 52 großen Städten und Kreisen, Letzter ist Bottrop (340,3). An der Spitze liegt der Kreis Höxter (94,1).

Müll vermeiden gelingt immer besser - Interview mit USB-Chef

Herr Zisowski, die meisten Menschen trennen artig ihren Müll. Aber wird nicht am Ende doch vieles zusammengekippt?

Thorsten Zisowski: Das ist ein Gerücht, das sich hartnäckig hält, aber einfach nicht stimmt. Manchmal bekommen wir zum Beispiel zu hören, die nach Farben getrennten Flaschen würden doch alle in einen einzigen Lkw gekippt. Das stimmt zwar, aber der hat – so wie die Sammelcontainer auch – getrennte Behälter für Weiß-, Grün- und Braunglas. Ich kann ihnen versichern, dass getrennter Müll nicht wieder zusammengekippt wird, sondern die unterschiedlichen Stoffe noch genauer sortiert werden und dann entweder zur Wiederverwertung weitergegeben, verbrannt oder entsorgt werden.

Was ist der Vorteil der Wertstofftonne?

Thorsten Zisowski: In die klassische Gelbe Tonne gehören eigentlich nur Leichtverpackungen, d.h. Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff und Metall. Plastikspielzeug oder anderes, das zwar ebenfalls aus Kunststoff oder Metall besteht, aber anders als Verpackungen nicht über den Grünen Punkt an den Handel zurückgegeben wird, sind stoffgleiche Nichtverpackungen, die streng genommen getrennt gesammelt werden müssen. Beides kann in die gelbe Wertstofftonne geworfen werden, in unseren Anlagen wird es dann getrennt. Dass die gesammelten Mengen beider Fraktionen steigen, werten wir als Erfolg der 2011 eingeführten Wertstofftonne. Vor allem die Nichtverpackungen waren bis dahin im Restmüll und wurden nicht wiederverwertet.

Die Müllmengen, auch pro Kopf, sind in den vergangenen Jahren in Bochum gesunken. Worauf führen sie das zurück?

Thorsten Zisowski: Die edelste Form, um mit Abfall umzugehen, ist ihn zu vermeiden. Das gelingt immer besser. Dann kommt die Wiederverwertung von Produkten, und auch da machen wir Fortschritte. Auch der USB leistet da seinen Beitrag. Unsere Azubis etwa unterstützen seit zwei Jahren das Projekt Bücherschrank. Seit dem vergangenen Jahr gibt es unser Internetportal fürs Tauschen und Verschenken. Wir arbeiten eng mit der Verbraucherzentrale zusammen und geben Tipps fürs Upcy
cling, d.h. für die Neuverwendung von Material. So lassen sich etwa aus altem Kunststoff wunderbar Taschen erstellen. Das alles ist keine intellektuelle Spinnerei, sondern findet Anklang bei breiten Schichten und zeigt viele positive Wirkungen.

Vieles funktioniert offenbar. Was funktioniert nicht?

Thorsten Zisowski: Zu verbessern gibt es immer etwas. Dazu gehört auch noch ein besseres Zusammenspiel mit der Industrie und dem Handel, was etwa die Trennbarkeit von Stoffen gerade bei der Neuentwicklung von Produkten betrifft. Schwer nachzuvollziehen ist für uns, dass etliche unserer Container-Plätze immer wieder zugemüllt sind und das immer noch an vielen Stellen in der Stadt Schutt und Müll einfach in die Natur gekippt wird, obwohl die Sachen an unseren Wertstoffhöfen abgegeben werden könnten. Für mich ist das ein Zeichen von Bequemlichkeit.

Wie der Kaffee, den wir nicht mehr selber kochen, sondern unterwegs kaufen? „To Go“ macht eine ganze Menge Müll.

Thorsten Zisowski: Das stimmt. Jede Stunde werden in Deutschland 320.000 Becher genutzt und weggeworfen. Müll, der sich eigentlich vermeiden ließe und Ausdruck eines Zeitgeistes ist. Dann gibt es wieder gute Beispiele, wie der neue Umgang mit den Plastiktüten. Wir haben da zwei gegenläufige Entwicklungen.

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