Nahverkehr

Die App „Karmaticket“ verbindet Ticketbesitzer und Mitfahrer

Jan C. Lubitzsch hat die App „Karmaticket“ gemeinsam mit Jörg Bellrich ins Leben gerufen.

Jan C. Lubitzsch hat die App „Karmaticket“ gemeinsam mit Jörg Bellrich ins Leben gerufen.

Foto: Klaus Pollkläsener

Bochum.   Karmaticket soll Ticketbesitzer und Mitfahrer verkuppeln. Oft gibt’s Mitfahr-Optionen, die nicht genutzt werden. Zwei Bochumer wollen das ändern.

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Als Jan Lubitzsch im Mai 2017 selbst noch eingeschriebener Student der Ruhr-Universität war, konnte er am gesamten Wochenende und ab 19 Uhr eine Person auf seinem Studi-Ticket mitnehmen. Damals hatte er auch die Idee zu seiner App „Karmaticket“, weil das Mitnehmen in der Praxis nicht so oft vorkam, wie er es sich gewünscht hätte.

Die Grundfrage hinter der App war: Wie kann die Möglichkeit der Mitnahme effektiv genutzt, die Umwelt geschont und wie können mehr Menschen dazu gebracht werden, den ÖPNV zu nutzen? „Wir möchten mit unserer App eine Schnittstelle zwischen digitalisierter Welt und persönlichem miteinander schaffen“, erklärt der gelernte Kaufmann Lubitzsch.

Über Chatfenster den Treffpunkt besprechen

Und das funktioniert so: Als Ticketinhaber eines Mitnahme-Tickets (ob Studierenden-Ticket oder gleichwertiges Ticket, ist egal), hat man die Möglichkeit, eine Fahrt anzubieten. Zum Beispiel von Bochum nach Essen. Potenzielle Mitfahrer können ebenfalls eine Anfrage für eine gewünschte Strecke stellen. Stimmen Abfahrts- und Zielort überein, kann der Ticketinhaber dem Mitfahrer eine Fahrt anbieten. Das Ganze passiert in Echtzeit in der Applikation. „Haben sich zwei Menschen mit gleichem Ziel gefunden, öffnet sich ein Chatfenster und die Beiden können Treffpunkt und Erkennungsmerkmale besprechen“, erklärt Jan Lubitzsch.

Für den Ticketinhaber ist die Nutzung der App völlig kostenlos. Und auch die Mitfahrer bezahlen vorerst nichts, bis die App eine gewisse Nutzerzahl erreicht hat. Danach soll sie sechs Euro pro Monat kosten. Seit Semesterbeginn Mitte Oktober gibt es Karmaticket. Seit Lubitzsch‘’Idee sind also knapp anderthalb Jahre vergangen.

Entwicklung der App neben dem Beruf

„Viele Menschen sagen: ‚Das ging ja fix’, mir konnte es aber nicht schnell genug gehen.“ Das erste zeitliche Ziel von Jan Lubitzsch und seinem Mitentwickler Jörg Bellrich war Weihnachten 2017. Die beiden merkten aber relativ zeitig: Das ist utopisch. „Wir sind beide absolute Rookies und mussten vieles lernen“, lacht Lubitzsch heute.

Sein Kollege und er haben von Design des Logos, Entwicklung der App, Anmeldung der Namensrechte und Marketing alles selber gemacht. Das alles neben dem Beruf. „Manchmal dachte ich mir schon: Warum machst du den ganzen Quatsch eigentlich?“, sagt der Vater einer Tochter.

Zweiter Platz beim Innovation Day 2018

Der zweite Platz bei Innovation Day 2018, die eigene Leidenschaft und viel Zuspruch aus dem persönlichen Umfeld gaben dann aber immer wieder Auftrieb. Besonders am Herzen liegt Lubitzsch der Name seiner App. „Darum habe ich die Namensrechte auch angemeldet. Ich möchte nicht, dass der Name missbraucht wird“, erklärt er. Der 36-jährige ist zwar nicht religiös, glaubt aber an so etwas wie Karma.

Auch deshalb soll dem Ticketinhaber für seine Mitnahme etwas Gutes getan werden: „Ich würde mir wünschen, dass jedem Ticketbesitzer eine Kleinigkeit mitgebracht wird“, sagt Jan Lubitzsch. Das kann ein Kaffee, eine Zeitschrift oder auch einfach ein nettes Gespräch sein. Der Entwickler selbst würde sich am meisten über Kuchen freuen. Eine gemeinsame Fahrt gab es bisher übrigens noch nicht. Aber das kann ja noch werden.

VRR kann das Portal noch nicht bewerten

Ob die App für Gesprächsstoff beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) sorgt, wird sich zeigen. Momentan wird die Plattform dort erstmal beäugt. „Das kennen wir so noch nicht. Wir müssen mal beobachten, ob sich das durchsetzt und sich Menschen finden, die dort mitmachen. Noch können wir das Portal nicht bewerten“, erklärt Dino Niemann, stellvertretender Pressesprecher des VRR.

„Wenn Menschen hierdurch in den Kontakt mit Bus und Bahn gebracht werden, freut uns das. Sie könnten zu regelmäßigen Nahverkehrskunden werden“, sagt Niemann weiter. Ob der VRR mit Einnahmeverlusten rechnet, kann er noch nicht abschätzen. (mit Kirsten Gnoth)

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