Stadtteil-Check

Check: Der Stadtteil Hamme erlebt jetzt einen Wandel

Bewerten ihren Stadtteil: (v.l.) Melanie Czezorra, Michael Vornweg und Rosie Walter vor der Kirche der Gemeinde Herz Jesu in Hamme.

Bewerten ihren Stadtteil: (v.l.) Melanie Czezorra, Michael Vornweg und Rosie Walter vor der Kirche der Gemeinde Herz Jesu in Hamme.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bochum-Hamme.  Beim Stadtteil-Check schneidet Bochum-Hamme nicht gut ab. Die Bürger sehen aber eine Chance auf Verbesserung durch den bevorstehenden Stadtumbau.

Nur die Gesamtnote 3,46 vergaben die WAZ-Leser beim Stadtteilcheck für Hamme (rund 15.500 Einwohner). Insgesamt liegt der Stadtteil damit im Ranking der 30 Bochumer Stadtteile lediglich auf Platz 27. Die Befragung interessierter und engagierter Bürger hat ergeben, dass Hamme zwar erheblichen Nachholbedarf hat, doch sich in letzter Zeit nach vorne entwickelt habe. Diese Entwicklung gelte es kräftig zu unterstützen.

Es gilt, den Trend umzukehren

„Hamme ist eigentlich lebenswert, doch Stadt und Politik haben in den vergangenen Jahrzehnten hier viel zu wenig getan. Jetzt gilt es, den Trend umzukehren und mehr für die Bürger zu tun“, erklären Michael Vornweg (69), Rosi Walter (63) und Melanie Czezorra (48). „Wir leben und arbeiten gerne hier, doch es muss sich endlich nachhaltig etwas ändern.“

Es fehlt eine Polizeistation

Beim Thema Sicherheit gab es im WAZ-Check nur eine 3-, die drei Befragten vergeben sogar nur eine 4. „Hier fehlt eine Polizeistation und grundsätzlich ist mehr Polizeipräsenz nötig.“ Melanie Czezorra sagt: „Abends, wenn es nach Hause geht, holen mein Sohn und ich uns immer gegenseitig ab. Denn wir fühlen uns nicht sicher. Ich wurde vor meiner Haustür schon attackiert.“ Es gebe zu viele Einbrüche und Diebstähle, „das hat meiner Meinung nach zugenommen“, erklärt Rosi Walter; sie betreibt ein Friseurgeschäft an der Dorstener Straße, gleich nebenan hat Melanie Czezorra eine Versicherungsagentur.

Michael Vornweg, der schon seit Jahrzehnten in Hamme lebt, im Vorstand der Großpfarrei St. Peter und Paul aktiv ist und sich in seinem Viertel wohl fühlt, sagt, „dass der Stadtteil einen Wandel erlebt hat und jetzt Gegensteuern angezeigt ist.

Denn nach wie vor ist unser Viertel lebenswert“.

Einstimmige Meinung beim Thema Kinderfreundlichkeit ist, dass die Schließung der Grundschule ein großer Fehler war. „Uns fehlt hier eine Grundschule, die Wege zu alternativen Standorten ist gerade für Kinder viel zu weit.“ Besonders für Familien sei das wichtig, „schließlich geht es doch auch darum, hier Familien anzusiedeln“, sagt Melanie Czezorra. Die Versorgung mit Kita-Plätzen sei in Ordnung. Gut sei die kürzlich erfolgte Sanierung des Spielplatzes im Hammer Park. Das Angebot für Jugendliche müsse aber ausgebaut werden.

Mehr Kontrollen gewünscht

Nur mit der Note 4 bis 5 bewerten sie den Punkt Sauberkeit. „Das liegt aber nicht daran, dass die Stadt oder der USB zu wenig tun.

Es sind vielmehr einige Bürger selbst, die Müll einfach auf die Straße, den Gehweg oder ins Gebüsch schmeißen. Das nervt“, sagen alle drei. „Vielleicht könnten mehr Kontrollen helfen.“ Das gastronomische Angebot sei „ausbaufähig“, dafür gibt es nur eine 4.

Die Freizeitangebote durch Stadt, Vereine und Kirchen seien mal besser gewesen, doch sei hier eine Verbesserung feststellbar – dafür eine 4. Der Hammer Park müsste im hinteren Teil besser gepflegt werden. Es gelte den auslaufenden Friedhof mit seinem Parkcharakter auszubauen, vor allem bei den Wegen herrsche Verbesserungsbedarf.

Das medizinische Angebot müsse ebenfalls verbessert werd werden, dafür eine 3.

Es fehlen Parkplätze

Die Parkplatzsituation sei nicht optimal, gerade mit Blick auf Anwohner und Kunden der Geschäfte gibt es dafür nur eine 4. Die Einkaufsmöglichkeiten seien o.k., wenn man denn ein Auto habe.

Nahverkehr schneidet gut ab

Mit einer 2 bewertet wird hingegen der öffentliche Nahverkehr. Jedoch habe die Verkehrsbelastung auf der Dorstener Straße, auch durch Lkw, in den letzten Jahren spürbar zugenommen – „besonders seitdem Tempo 30 auf der Herner Straße gilt“, sagt Rosi Walter.

21 Millionen Euro an Investitionen

Als „nicht optimal“ wird die Arbeit durch Stadtverwaltung und Politik gesehen. „Vielleicht liegt es daran, dass zu wenige Ratsmitglieder aus Hamme kommen. Die Durchschlagskraft fehlt“, sagen alle drei. „Man kümmert sich zu wenig.“ Dafür vergeben sie deshalb nur eine 4 bis 5. „Wir setzen auf das Stadterneuerungsprogramm.“ Tatsächlich soll durch ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) in den nächsten sieben Jahren viel passieren. Mit Unterstützung von Landesmitteln ist geplant, 21 Millionen Euro in soziale und städtebauliche Maßnahmen zu investieren, wissenschaftliche begleitet durch die Hochschule Bochum.

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