Betriebsauflösung

Das Glas-Café in Bochum schließt nach 30 Jahren

Außenansicht des Glas-Cafés: Noch prangt der Schriftzug des Cafés in großen Lettern auf der Kortumstraße.

Foto: Dietmar Wäsche

Außenansicht des Glas-Cafés: Noch prangt der Schriftzug des Cafés in großen Lettern auf der Kortumstraße. Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.   Das Glas-Café in Bochum schließt. Die Inhaberin erinnert sich an 30 schöne Jahre. Mit der Innenstadt-Entwicklung ist sie aber nicht zufrieden.

Rita Uhlenbruch ist traurig. Seit 30 Jahren ist die 66-Jährige Inhaberin des Glas-Cafés auf der Kortumstraße. Nun ist Schluss. Den Mietvertrag hat sie gekündigt. „Der Entschluss ist mir sehr schwer gefallen.“ Und so wirklich überzeugt wirkt Rita Uhlenbruch noch immer nicht, während ihr folgende Worte über die Lippen kommen: „Ich habe meine Tätigkeit und meine Gäste sehr gern. Das Café war mehr als mein Beruf und unsere Gäste waren auch unsere Freunde.“

Dort, wo es sonst so gemütlich ist, herrscht nun hektisches Treiben. Leitern liegen auf dem Boden, direkt daneben stehen Bilderrahmen, die von ihrem Platz an den Wänden weichen mussten. Tische gibt es nur noch zwei in Uhlenbruchs Café. Und auch diese werden wohl nicht mehr lange an Ort und Stelle bleiben.

Viele Menschen bei Betriebsauflösung vor Ort

Denn durch den Raum wuseln Menschen, die sich für das interessieren, was Rita Uhlenbruch nicht mehr benötigt. Ein Tisch kostet 40 Euro. Bei der Betriebsauflösung werden nicht nur Möbel verkauft. Auch Kaffeemaschinen, Kühlschränke, Geschirr, Besteck und vieles mehr wechseln den Besitzer.

Beim Verkauf erinnert sich Rita Uhlenbruch an viele Stammgäste, die nicht nur zum Kaffeetrinken vorbeikamen: „Viele haben auch einfach mal Blumen oder Geschenke mitgebracht.“ Ein wenig sorgt sie zudem, was nun ihre alleinstehenden Stammgäste machen. Etliche seien über die Jahre immer wieder ins Café gekommen und hätten bei guten Gesprächen auf der Kortumstraße einen Kaffee getrunken.

Mietvertrag im Dezember gekündigt

Den Entschluss, den Mietvertrag zu kündigen, hat Uhlenbruch zwischen Weihnachten und Neujahr gefasst. „Ich habe fast panikartig gekündigt“, erzählt die 66-Jährige. Sie sei schlichtweg mit der Situation überfordert gewesen. Neben dem Betrieb des Glas-Cafés musste sie sich in der Zeit verstärkt um ihre Familie kümmern – vor allem um ihren Vater, der im Februar verstorben ist. „Da ist man privat doch sehr geschlaucht“, sagt Rita Uhlenbruch.

Ihre Mutter Magdalene Bohn (89) weicht auch bei der Betriebsauflösung am Dienstag nicht von ihrer Seite. „Meine Mutter war die Seele des Cafés“, sagt Uhlenbruch. „Sie hat jede Art von Arbeit hier gemacht, auch Kuchen gebacken.“ Auch damit ist nun Schluss, zumindest auf geschäftlicher Ebene.

Nun mehr Zeit für Enkelkinder

In 30 Jahren Glas-Café hat sich laut Rita Uhlenbruch vieles in der Innenstadt geändert. Nicht zum Positiven, wie sie findet: „Früher war die Stadt immer voller Menschen.“ Heute sei viel weniger los.“ Das, so glaubt sie, liege vor allem am Internet: „Viele kaufen lieber dort, als in die Stadt zu gehen. Die Welt ist anonymer geworden – das kann man nicht gutheißen.“

Pläne für die Zukunft hat Rita Uhlenbruch noch nicht. Nur eines hat sie sich vorgenommen: „Mehr Zeit mit den Enkelkindern verbringen.“

>>> Info: Drei Jahre wären vielleicht noch gegangen

  • „Das Glas-Café soll in drei Jahren abgerissen werden“, sagt Rita Uhlenbruch. Als die 66-Jährige den Mietvertrag Ende Dezember gekündigt hat, habe sie von diesen Plänen noch nichts gewusst.
  • „Wenn ich das vorher gewusst hätte, dann hätte ich vielleicht noch drei Jahre länger gemacht“, sagt sie enttäuscht. Dann wäre sie die erste und einzige Mieterin der Immobilie geblieben.
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